Pflege ist doch nicht spirituell…oder?

 

43. Salzburger Pflegekongress war ein voller Erfolg

 

SALZBURG (eds/Detlef Schwarz-22. 10. 2019) /Der 43. Salzburger Pflegekongresses am vergangenen Wochenende stand unter dem Motto „Pflege ist doch nicht spirituell … oder? – Von einer unterschätzten Dimension“.  Zu unterschätzen war das Thema nicht. Die Auseinandersetzung mit der Spiritualität in der Pflege lockte 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Salzburg.

Schnell wurde die Bedeutung der Spiritualität klar für einen gesunden Umgang mit Patienten, Pflegebedürftigen und sich selbst in einem ökonomisch dominierten Gesundheitssystem. Prof. DDr. Walter Schaupp aus Graz fordert, die Rehabilitation des Religiös-Spirituellen. „Spiritualität muss aus der Privatheit herausgeholt werden.“ betont Schaupp. Die persönliche Spiritualität ist angesichts beruflicher Belastung und Burn-Out eine wertvolle Ressource. Sie leistet Sinnstiftung, Einübung von Achtsamkeit und den Umgang mit Begrenztheit.

Die Dipl. Theologin, Frau Marianne Brandl, M.A., schafft eine Einordnung komplementärmedizinischer und alternativer Heilmethoden. Sie geht davon aus, dass es kein Heilverfahren ohne weltanschaulichen Hintergrund gibt. In Ihrer kritischen Analyse hinterfragt sie den häufig verwendeten Satz „Wer heilt hat Recht!?“ . Sie zeigte mögliche Gefahrenpunkte auf, die aus den weltanschaulichen Hintergrundannahmen wie auch im konkreten Handeln von Anbietern resultieren können.

Herr Prof. Dr. Franziskus Knoll ging der Frage nach, ob sich Spiritualität in der Pflege lehren bzw. lernen lässt. Für ihn ist es entscheidend, neben der Einsicht in den Zusammenhang zwischen körperlichem, mentalem und spirituellem Erleben eine Sensibilität für spirituelle Äußerungen, Bilder oder Motive zu entwickeln. Ais seiner langjährigen Lehrerfahrung zeigt er Inhalte und Methoden auf, die Spiritualität für Lernende erfahrbar machen.

Frau Silke Doppelfeld, M.A., befasst sich mit dem Umgang mit Gefühlen in der Pflegepraxis. „Das Mitgefühl der Pflegenden ist eine zentrale Ressource, die eine Kompassfunktion für das „Gute und Richtige Handeln“ in der menschlichen Begegnung innehat“, sagt Doppelfeld. Sie sieht eine aktive Gefühlsarbeit der Pflegenden und die bewusste Thematisierung menschlicher Begegnung in der Pflegesituation als Teil professionellen Handelns. Der bewusste Einbezug des Mitgefühls kann zu höherer Berufszufriedenheit führen und vor der emotionalen Erschöpfung in belastenden Situationen schützen.

Prof. Mag. Dr. Andreas Heller M.A. spannte zum Abschluss den Bogen spiritueller Dimensionen der Pflege  unter dem Tenor der Gastfreundschaft. Er sieht Pflege insbesondere als Beziehungsberuf. „Tagtäglich werden Pflegende herausgefordert, sich auf fremde Menschen zu beziehen“, sagt Heller. Der Fremde wird oft als bedrohlich erlebt. In vielen Kulturen wird der Fremde jedoch als Gast erlebt. Heller zeigt breitgefächerte Bezüge der Gastfreundschaft als christliches Handeln in der Pflege auf und eröffnet den Zuhörer*innen vielfältige spirituelle Dimensionen.

Veranstaltet wurde der 43. Salzburger Pflegekongress von den (Erz-) Diözesen Augsburg, München und Freising, Passau, Regensburg und Salzburg sowie dem Katholischen Pflegeverband in Regensburg. Der Termin für den 44. Kongress  steht schon fest. Er wird am 23. und 24. Oktober 2020 unter dem  Motto: “Moment mal – Wie wird ein Augenblick Begegnung?“ stattfinden. 
Weitere Eindrücke vom Kongress bietet die Homepage www.salzburger-pflegekongress.de 

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