Recht auf eine sichere Zukunft für Wajid Ali

 

Nach seiner erzwungenen „freiwilligen“ Ausreise nach Kenia hofft der junge Pakistani auf eine Rückkehr nach Salzburg als Student 

 

SALZBURG (eds - 4. 7. 2019) / Die Abschiebung des jungen Asylbewerbers Wajid Ali nach Pakistan konnte Ende Jänner im letzten Moment verhindert werden. Er flog stattdessen auf Einladung einer Benediktinergemeinschaft und mit einem Touristenvisum nach Nairobi. Begleitet hat ihn Salzburgs „Flüchtlingspfarrer“ Alois Dürlinger. Inzwischen sind fünf Monate vergangen, die Ali Wajid dank der Unterstützung durch zahlreiche private Spenderinnen und Spender in Nairobi leben kann. Mittlerweile wohnt er in einem günstigen Zimmer in einem Studentenwohnhaus. 

Seine Zukunft sieht Ali weiter in Österreich, er plant ein Studium in Salzburg. Wenn alle notwendigen Dokumente beglaubigt sind, der Studienplatz zugesichert ist, wird er in Nairobi den Antrag auf Einreise nach Österreich als Student stellen. Er möchte in Salzburg PPÖ – Philosophie, Politikwissenschaften und Ökonomie – studieren. „Im Herbst 2019 soll Wajid Ali dann sein Studium antreten können und mit einem Studentenvisum im Land bleiben können“, berichtete heute Menschenrechtsaktivist Bernhard Jenny bei einem Pressegespräch in St. Virgil. Ali werde auch weiterhin auf Hilfe angewiesen sein, diese Unterstützung wäre nicht notwendig geworden, wenn er seine berufliche Laufbahn als Lehrling in Österreich fortsetzen hätte dürfen, so Jenny.

Katholische Aktion: Lobby für das Ehrenamt und die Helferinnen und Helfer in der Flüchtlingsarbeit

Die Katholische Aktion der Erzdiözese Salzburg funktioniert als Lobby für das Ehrenamt und damit für die vielen Helferinnen und Helfer in der Flüchtlingsarbeit, „die Schikanen ernten müssen, statt Dankbarkeit zu bekommen. Und zwar dafür, dass sie dem Land in einer herausfordernden Phase mit unglaublichem Engagement geholfen haben“, erklärte KA-Präsidentin Elisabeth Mayer. 

„Der Einsatz für Asylbewerber hat sehr viel mit der Grundhaltung des Christentums zu tun“, ist Mayer überzeugt. „Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie eine Gesellschaft ohne Caritas, Diakonie und Pfarren aussehen würde. Und ich bin dankbar für Ali, der für Menschen steht, die aus traumatischer Situation heraus neue Chancen ergreifen.“

„Flüchtlingspfarrer“ Alois Dürlinger: Sorge um das gesellschaftliche Klima 

Pfarrer Alois Dürlinger, Sprecher des Erzbischofs in Asyl- und Flüchtlingsfragen, hat Ali Wajid ab seiner Zeit im Kloster St. Peter begleitet und mit ihm auch die ersten Tage in Kenia verbracht. Er ist noch immer in Kontakt mit Ali. Über die Einzelfälle hinaus bereite ihm das gesellschaftliche Klima große Sorge. Der Grundwasserspiegel des noch Tragbaren sei in den vergangenen Jahren spürbar gesunken, so Dürlinger. „In diesem Klima werden auch kostbare Begriffe umgedeutet und beschmutzt wie das Wort ,Willkommen'. Die Frage, wer mein Nächster sei, wurde von Jesus im Beispiel des barmherzigen Samariters endgültig und verbindlich beantwortet: Wenn er vor mir steht, ist er mein Nächster – auch wenn er aus weiter Ferne kommt.“

Chronologie: Ein Jahr der Unsicherheit 

Wajid Ali (23) ist Koch- und Kellnerlehrling in Salzburg als er im Mai 2018 einen negativen Asylbescheid in zweiter Instanz erhält. Um seine Abschiebung nach Pakistan zu verhindern, nimmt ihn die Erzabtei St. Peter vor genau einem Jahr auf. Er ist sieben Monate im Kloster.  Am 1. Februar lief die Frist zu seiner freiwilligen Ausreise ab. Wenige Tage zuvor wird Wajid bei einem Routine-Meldetermin in Schubhaft genommen und nach Wien gebracht. Es gab dann noch eine einwöchige „Galgenfrist“ für eine freiwillige Ausreise. Am 31. Jänner reiste Wajid Ali mit einem Touristenvisum nach Kenia. Mittlerweile ist er fünf Monate in Kenias Hauptstadt Nairobi; seine Unterstützer haben mit ihm an einem Weg in eine sichere Zukunft gearbeitet; sein Hoffnungsland bleibt Österreich. 

Foto1: Wajid Ali in Nairobi. / Foto1: privat

Foto2: Unterstützer in Salzburg: Alois Dürlinger, Sprecher des Erzbischofs in Asyl- und Flüchtlingsfragen, Elisabet Mayer, Präsidentin der Katholischen Aktion Salzburg und Menschenrechtsaktivist
Bernhard Jenny. / Foto2: Erzdiözese Salzburg

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