Saalfelden sucht neuen Eremiten für Einsiedelei

 

Bisheriger Bewohner der Einsiedelei, der Belgier Stan Vanuytrecht, kehrt aus gesundheitlichen Gründen und wegen eines angestrebten Priesteramtsstudiums nicht mehr zurück

 

SALZBURG (kap/eds – 14. 2. 2020) / Die Eremitage in Saalfelden im Pinzgau sucht einen neuen Eremiten: Nachdem der Belgier Stan Vanuytrecht über drei Jahre jeweils von Frühling bis Herbst in der über 350 Jahre alten Einsiedelei am Fuße des Steinernen Meeres gelebt hatte, teilte er nun in einem Brief mit, dass er aus gesundheitlichen Gründen, aber auch aufgrund seiner Absicht, Priester zu werden, nicht mehr zurückkehren werde. Das teilte die Gemeinde Saalfelden am Donnerstag auf ihrer Website mit. Zugleich startete sie damit das Bewerbungsverfahren für neue Interessenten, die sich ab sofort beim Pfarramt Saalfelden für die Stelle bewerben können. 

Vanuytrecht dankte in dem Brief „für die wundervolle Zeit bei den Menschen in Saalfelden“: „Es war mir eine Freude, Menschen zu trösten, mir ihre Geschichten anzuhören und eine angenehme Zeit mit ihnen zu verbringen.“ Doch sein Gesundheitszustand erlaube keine längeren Aufenthalte in der Einsiedelei mehr. Zudem wolle er in seiner Heimat Belgien nun ein Theologiestudium absolvieren und Priester werden. 2017 hatte sich der frühere, inzwischen pensionierte Vermessungstechniker und geweihte Diakon aus der Nähe von Brüssel gegen mehr als 50 Bewerber aus aller Welt durchgesetzt und die Klause auf rund 1.000 Meter Höhe jeweils von April bis November bewohnt. 

„Muss gefestigte Person sein“ 

Nun sucht Saalfelden nach einem neuen Kandidaten. Dazu zitiert die Gemeinde auf ihrer Website den Saalfeldener Dechanten Alois Moser, der das Anforderungsprofil wie folgt beschreibt: „Der Einsiedler muss eine gefestigte Person sein, die sowohl mit der Einsamkeit in den Abend- und Nachtstunden als auch mit den vielen Menschen, welche die Einsiedelei tagsüber besuchen, gut umgehen kann. Das Leben in einer Klause am Berg - ohne Strom, Zentralheizung und fließendes Wasser - erfordert Genügsamkeit, eine gute körperliche Verfassung und handwerkliches Geschick.“ 

Die natürliche Felshöhle oberhalb von Schloss Lichtenberg wurde im 17. Jahrhundert zu einer Kapelle ausgebaut. Als Unterkunft errichtete der damalige Einsiedler Thomas Pichler eine Klause im Fels am Palfen. Das Leben in der Einsiedelei ist einfach und karg. Es gibt keinen Strom und kein fließendes Wasser. Eine Bezahlung gibt es nicht; der Eremit muss für seinen Unterhalt selbst aufkommen. 2014 feierte die Klause, die bei Wanderern als Ziel ebenso beliebt ist wie bei Pilgern, ihr 350-Jahr-Jubiläum. Sie ist eine der wenigen in Mitteleuropa, die noch von Eremiten bewohnt wird. Dort wird seit dem 16. Jahrhundert das Bildnis des Heiligen Georgs, des Schutzpatrons der Tiere, verehrt.

Die Saison für den Einsiedler dauert in etwa von April bis November. Während der Wintermonate ist die Klause nicht bewohnbar. Interessenten können sich per Brief im Pfarramt Saalfelden (Lofererstraße 11, 5760 Saalfelden) melden.

Foto: Die Einsiedelei in Saalfelden

Foto: Eder

 

 

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