Salzburgerin als Missionarin in Bolivien

 

ORF-Sendung „Orientierung“ porträtiert am Sonntag Schwester Clara Erlbacher aus Abtenau – sie leitet ein Heim für missbrauchte Kinder in Santa Cruz

 

SALZBURG (eds-10. 1. 2020) / Als junge Frau fuhr Clara Erlbacher mit dem Schiff über den Atlantik, um ihren Lebenstraum in die Tat umzusetzen: Ein Einsatz für Mission und Entwicklungszusammenarbeit im fernen Bolivien sollte es werden. Und so lebt die Halleiner Schulschwester Clara Erlbacher seit mehr als 50 Jahren in Lateinamerika. Rund 20 Jahre lang war sie als Krankenschwester im „Hospital Santa Isabel“ in San Ignacio, Salzburgs Partnerdiözese in Bolivien, tätig. Daneben initiierte sie Jugendgruppen, holte Jugendliche aus dem Drogenmilieu und baute für alleinstehende Mütter Häuser, um sie von gewalttätigen Männern wegzubringen und ihnen zu helfen, unabhängig und selbständig zu leben. Das alles geschah auch mit Unterstützung aus Österreich, etwa von „SEI SO FREI”, der entwicklungspolitischen Aktion der Katholischen Männerbewegung. Derzeit leitet Clara Erlbacher ein Heim für sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche in Santa Cruz. Die „Orientierung“ war mit der österreichischen Ordensschwester unterwegs und hat Stationen ihres Wirkens in Bolivien besucht.

Fernsehtipp: Orientierung, Sonntag, 12. Jänner um 12.30 Uhr in ORF 2

Wiederholung: 14. Jänner, 9 Uhr ORF 2
18. Jänner, 11.30 Uhr, ARD Alpha

 

Schwester Clara gibt gebrochenen Kinderseelen Hoffnung

Seit 46 Jahren ist Sr. Clara Erlbacher vom Orden der Halleiner Schulschwester im Missions- und Entwicklungseinsatz in Bolivien. Nach über 20 Jahren Mitarbeit im „Hospital Santa Isabel“ in Salzburgs Partnerdiözese San Ignacio, leitet die engagierte Schwester nun ein Heim für sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche.

Alles begann in Hallein im Jahr 1723 

Durch die Einnahmen aus dem Salzhandel erlebt Salzburg seine barocke Blütezeit. Das weiße Gold bringt Macht und Reichtum in die Salzachstadt. Einige wenige fröhnen dem üppigen Barock-Luxus, viele leben in Armut und schuften in den Salzminen: Männer und Väter unter Tag, in den Stollen, Frauen und Mütter in den Sudhäusern. Die Kinder werden sich selbst überlassen und verbringen den Tag auf den Halleiner Straßen. Ohne Schule und ohne Chance auf Bildung. Theresia Zechner, eine junge Halleinerin voller Tatendrang will sich mit dieser Situation nicht zufrieden geben. Sie folgt ihrem zweifachen Ruf, tritt 1722 in den Orden ein, nimmt den Ordensnamen Maria Hyazintha an und startet ein Hilfsprogramm für die Halleiner Straßenmädchen. Ein Jahr später, 1723 gründet sie einen neuen Orden: Die Halleiner Schulschwestern, Franziskanerinnen die sich besonders der Ausbildung von Mädchen annehmen. 

Im Viertel „Los Chacos” am Stadtrand von Boliviens Tieflandmetropole trägt eine Gruppe Kinder und Jugendlicher viele Jahre später stolz T-Shirts mit dem Bild der Ordengründerin. Die Mädchen und Buben leben im Heim „Maria Hyazintha“, ins Leben gerufen und aufgebaut von einer Nachfolgerin der Ordensstifterin: Der gebürtigen Abtenauerin Schwester Clara Erlbacher. 

Zwischen 15 und 20 Kinder und Jugendliche betreut Sr. Clara ständig in diesem Haus. Alle teilen dasselbe leidvolle Schicksal: Sie wurden missbraucht, ein Großteil der Mädchen und Buben auch sexuell. Die 18-jährige Carla Patricia ist die Älteste im Heim. Als Kind wurde sie vom Stiefvater vergewaltigt. Mit elf Jahren wurde sie schwanger und kam Hilfe suchend zu Sr. Clara. Mit viel Zuneigung und Liebe hat sich Sr. Clara dem jungen Mädchen angenommen. Für das Kind, das Carla Patricia zur Welt brachte, hat Sr. Clara Adoptiveltern gesucht. Carla Patricia kann heute, trotz ihrer traumatischen Erfahrungen wieder lachen: Sie konnte Dank Sr. Clara ihre Schulausbildung abschließen und absolviert gerade ihr erstes Jahr an der Universität in Santa Cruz. Sie studiert Betriebswirtschaft und träumt davon, später einmal selbst in einem Heim oder einer Hilfsorganisation für missbrauchte Kinder zu arbeiten. 

Die Opfer sind Kinder und Frauen

Die Situation in Bolivien ist speziell für Frauen dramatisch: Sieben von zehn Frauen sind Opfer sexueller, physischer oder psychischer Gewalt. Zwei Drittel der Opfer sexueller Gewalt sind jünger als 15 Jahre. Die Gewalttaten passieren in zwei von drei Fällen im Haus des Opfers und 80 Prozent der Täter sind Verwandte oder Bekannte des Opfers. Bolivien hat die höchste Müttersterblichkeit ganz Lateinamerikas: Bei 100.000 Lebend-Geburten sterben 270 Mütter. 


Salzburger Missionarin ermöglicht Start in neues Leben

Seit der Gründung des Heims 1992 hat Sr. Clara bereits über 70 Kindern einen Start in ein neues Leben ermöglichen können. Die meisten kommen aus der Region Santa Cruz, viele – wie auch Carla Patricia – sind jedoch zuvor aus dem bolivianischen Anden-Hochland in die aufstrebende Tiefland Metropole Santa Cruz gezogen. Sr. Clara Erlbacher hat für einige der Kinder Paten und Patinnen finden können: Noelia, die noch immer fast jede Nacht von Albträumen von ihrem Vergewaltiger geplagt wird und Cristian, den seine eigene Mutter umbringen und in eine Zisterne werfen wollte, haben Glück gehabt. Ihre Paten und Patinnen unterstützen sie auf dem Weg in ein hoffnungsvolles Leben. 

Wer den Kindern im Heim „Maria Hyazintha“ helfen möchte, kann sich gerne an SEI SO FREI, die entwicklungspolitische Aktion der Katholischen Männerbewegung wenden: Wolfgang K. Heindl, seisofrei@ka.kirchen.net, 0662/8047-7557 oder www.seisofrei.at

Mit Ihrer Spende helfen Sie Sr. Clara helfen! IBAN: AT10 3500 0000 0001 4100; Empfänger: SEI SO FREI; Verwendungszweck: Sr. Clara Erlbacher

 

Foto: Schwester Clara Erlbacher inmitten der Kinder in Santa Cruz.

Fotos: W. Heindl/Sei So Frei

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