Selbstbestimmt altern

 

Man muss nicht alles hinnehmen: Oft helfen kleine Dinge, um das Wohnen im Alter sicherer und angenehmer zu machen. Unterstützung kommt nun von ehrenamtlichen Wohnraumberatern.

 

SALZBURG (eds / 31. 7. 2018) /Die Hände zittern, der Blick ist grau und verhangen, die Beine schwer. Selbst eine zwei Zentimeter hohe Schwelle kann zur Hürde werden. Was es heißt, alt zu werden, ist für viele unvorstellbar. Und alt werden wollen die meisten zuhause, in ihrer vertrauten Umgebung – wie das 90 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher jenseits des 60. Lebensjahres tun. Klug ist es, schon vorsorglich an Alternativen zu Treppen und Schwellen zu denken und an Badezimmer und Küchen, die groß genug sind, dass man sie mit Gehhilfe oder Rollstuhl nutzen kann. Gut geschulte Freiwillige beraten nun in den Flachgauer Gemeinden, wie das am besten zu bewerkstelligen ist. Der nächste Lehrgang startet im Herbst im Pinzgau.

Anita Moser, beim Salzburger Bildungswerk für die Gemeindeentwicklung zuständig, hat den Lehrgang „Zuhause – Freiwillige Wohnraumberatung“ initiiert: Sie kennt aus eigener Erfahrung die Schwierigkeiten, die im Alter beim Wohnen auftreten können. Wie 75 Prozent der Pflegebedürftigen wurde auch ihre Mutter zuhause gepflegt, in einem typischen alten Haus: eng, verwinkelt, mit unnötigen Stufen etwa vor der Toilette. Dabei ginge es schon mit kleinen Veränderungen sehr viel einfacher. „Man muss nicht alles hinnehmen: Den Teppich oder die Kabel, die zur Stolperfalle werden, kann man anpicken. Haltegriffe in Küche und Bad sorgen für Sicherheit.“

Was an intelligenten Assistenzsystemen oder kleinen Hilfsmitteln auf dem Markt ist, sorgte sogar bei den Sozialbeauftragen, die am Pilotlehrgang im Flachgau teilgenommen haben, für einen Aha-Effekt: etwa die Matte vorm Bett, die ein Signal sendet, wenn man hinausfällt. „Unsere Kooperationspartner von der Caritas, dem Österreichischen Zivilinvalidenverband, Salzburg Research und der Sozialen Initiative Salzburg sind da immer auf dem neuesten Stand“, betont Moser.


Helfend an die Hand nehmen

Jemanden in seine vier Wände zu lassen, ist Vertrauenssache. „Ältere Menschen nehmen Hilfe oft ungern an. Es ging immer alleine, warum sollte das jetzt anders sein? Niemand will zugeben, dass er überfordert ist, niemand will zur Last werden. Doch uns geht es darum, gemeinsam geeignete Lösungen zu finden“, sagt Moser. Sensibilität ist dabei ganz wichtig: „Wohnungen sind über 40, 50 Jahre oft recht voll geworden. Für die Menschen sind das lieb gewordene Gegenstände – doch einfacher wäre es, wenn etwas mehr Platz wäre.“ Die Wohnraumberater bieten auch Hilfestellungen, wenn es um Pflegegeld geht, Umbaumaßnahmen und Förderungen und dazu, welche Wohnformen es gibt – von der Senioren-WG bis zum betreuten Wohnen –, wenn es doch nicht mehr alleine geht.


Beeinträchtigung kann jeden treffen

In Neubauten und im öffentlichen Raum ist die Barrierefreiheit gesetzlich vorgeschrieben – gegeben ist sie bei Weitem nicht; selbst im betreuten Wohnen sind Nachbesserungen nötig. „Letztlich profitieren wir alle, wenn etwa eine Gehsteigkante abgeflacht ist oder die Badewanne einfach begehbar. Es kann sich jederzeit ändern, dass es uns gut geht und wir selbst beeinträchtigt sind – und sei es nur durch ein Gipsbein“, sagt Moser.


Anmeldung für den Lehrgang im Herbst & Kontakt zu den Wohnraumberatern: Anita Moser, Salzburger Bildungswerk, Strubergasse 18, Salzburg, 0662/872691-18, anita.moser@sbw.salzburg.at.

Entstanden ist "Zuhause – Freiwillige Wohnraumberatung" aus einem Lehrgang der Katholischen Sozialakademie Österreichs. Der nächste zweijährige Lehrgang – Gestaltungskompetenz für den gesellschaftlichen Wandel – startet im Oktober. Mehr Informationen: www.ksoe.at.

 

Foto 1 (Albert Gruber): Teppiche und lose Kabel können zur Stolperfalle werden. Doch das muss nicht so sein, zeigen die ehrenamtlichen Wohnraumberater.

Foto 2 (Salzburger Bildungswerk): Beraten kostenlos: die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten Lehrgangs mit Anita Moser (Salzburger Bildungswerk, l.) und Anita Hofmann (Caritas Salzburg, 2. v. l.). 

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