Sonntagsallianz feiert "15 Jahre Erfolgsgeschichte"

 

Bischof Alois Schwarz bei Festakt in Salzburg: Freier Sonntag ist Entschleunigungs-Oase und "Gottes Protest gegen die Versklavung des Menschen"

 

SALZBURG (eds/kap - 24. 10. 2016) Kirchen- und Gewerkschaftsvertreter der "Allianz für den freien Sonntag Österreich" feierten heute im Bischofshaus das 15-jährige Bestehen des Bündnisses. Im Festakt wies Erzbischof Franz Lackner darauf hin, dass Glaube sehr gut für Allianzen geeignet sei. "Wir brauchen den Sonntag für einen guten Lebensrhythmus", stellte er fest.

"Ruhe ist etwas Heiliges", erklärte der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz, der auch neuer kirchlicher Sprecher der Sonntagsallianz ist, in seinem Festvortrag. Der Mensch könne sich nur dann bewusst machen, "dass alles Gottes Werk ist", wenn er sich dem "manchmal allzu vereinnahmendem Kreislauf der irdischen Verpflichtungen" entziehen könne. Erst durch zeitliche Möglichkeiten, in Ruhe auf das Geschehene zu blicken, werde dieses wertgeschätzt und auch vollendet; ein vollbrachtes Werk erhalte so erst seinen Sinn, so der Bischof.

Für Christen sei der Sonntag "das wöchentlich wiederkehrende Osterfest". Öffentlich verdeutliche der Sonntag die "unveräußerliche Würde des Menschen, die er nicht aufgrund seiner Arbeit, sondern aufgrund seiner Gottesebenbildlichkeit genießt"; er sei zudem "Gottes Protest gegen die Versklavung des Menschen und die Ausbeutung der Schöpfung", so der Kärntner Bischof. Der Sonntag sei dadurch zugleich mehr als nur ein Fest der Christen, betonte Schwarz: Er sei eine "Entschleunigungs-Oase", zumal die Gesellschaft erst durch langsamere Taktung zur Ruhe komme. Der Sonntag gebe der Gesellschaft den benötigten Rhythmus, dessen Fehlen krank mache, und ermögliche es, "dass die Konkurrenz Pause macht und der Gemeinsinn wächst".

"Musterbeispiel für Netzwerk"

Franz Georg Brantner, der gewerkschaftliche Sprecher der Sonntagsallianz, bezeichnete die Allianz als "Erfolgsgeschichte": Am Beginn habe eine Diskussion um flexiblere Arbeits- und Öffnungszeiten gestanden, bei der Handelskonzerne, Einkaufscenter-Betreiber und Vertreter der Tourismuswirtschaft den arbeitsfreien Sonntag als "rückständig" und nicht mehr zeitgemäß dargestellt hätten. Die späteren Allianz-Gründer wie Kirchen, Gewerkschaften und die Arbeiterkammer seien als Einzelkämpfer gefordert gewesen - bis "umsichtige und weitdenkende Frauen und Männer" 2001 die damals von der Katholischen Sozialakademie koordinierten Bundesländer-Allianzen auf Bundesebene etabliert hätten. Seit 2001 habe die Sonntagsallianz Jahr für Jahr neue Mitgliedsorganisationen bekommen und sich zu einem "Musterbeispiel einer gut funktionierenden Netzwerksorganisation" entwickelt, betonte Brantner. Sie sei auch zum Impuls- und Ideengeber für die Nachbarländer geworden.

Die "Allianz für den freien Sonntag Österreich" umfasst heute mehr als 50 Vereinigungen, darunter Kinder- und Jugendorganisationen, Freizeit-, Kultur- und alpine Vereine, "Attac", Gewerkschaften und zahlreiche kirchliche Organisationen. Ziele des Bündnisses sind der Schutz des freien Sonntags vor Aushöhlung durch Politik und Wirtschaft, die Schaffung öffentlichen Bewusstseins für die Bedeutung gemeinsamer freier Zeiten sowie das Entgegenwirken des Trends, "dass alle Lebenszeit zu Arbeits- und Konsumzeit wird", heißt es in der Selbstdarstellung.

Als jüngstes Mitglied gesellte sich heute die Katholische Frauenbewegung (kfbö) zur Sonntagsallianz. Der arbeitsfreie Sonntag sei "Zeit für seelische und körperliche Erholung, für spirituelles Auftanken, für gemeinsames Sein mit der Familie, für die Pflege von Beziehung und Begegnung und für Bewegung in der Natur", begründete kfbö-Vorsitzende Veronika Pernsteiner in Salzburg den Beitritt.

 

Foto: Der Kärntner Bischof Alois Schwarz (am Podium) ist von der Bischofskonferenz für die „Allianz für den freien Sonntag“ zuständig. Foto: EDS

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