„Stille-Nacht-Kerzen“ wandern durch die Erzdiözese

 

200 Jahre „Stille Nacht, heilige Nacht“ – Erzbischof Franz Lackner betont die Notwendigkeit des „Einsam-Seins“

 

 

 

SALZBURG (eds-3. 12. 2017) / „Ob Profimusiker oder nur Zuhörer, ob klein oder groß – alle singen oder hören dieses Lied mit Andacht“, betonte Erzbischof Franz Lackner bei seiner Predigt in der Pfarrkirche Wagrain. Mehr als zehn Jahre hatte Joseph Mohr, Textdichter von „Stille Nacht, heilige Nacht“, hier als Pfarrer gewirkt, bevor er 1848 am örtlichen Friedhof seine letzte Ruhestätte fand. Im Rahmen eines Festgottesdienstes wurden am 1. Adventsonntag die Stille-Nacht-Kerzen gesegnet – sie sollen im kommenden Jahr durch die Pfarren „wandern“.

„Fliehen wir nicht der Einsamkeit“

Das weltberühmte Weihnachtslied besinge eine „Einsamkeit, die tief im Menschen gespürt wird: ‚alles schläft einsam wacht'“, so Lackner. Im Beisein von Landeshauptmann Wilfried Haslauer verwies er auf die Geburt Jesu, die Menschwerdung Gottes. Sie fand nicht „im Zentrum, nicht in Jerusalem, der Heiligen Stadt, dort wo der Tempel stand, wo alle religiöse Kompetenz versammelt ist“, statt. Sie ereignete sich am Rand – „in Betlehem, gleichsam im toten Winkel Jerusalems“. Der eigentliche Feind des Menschen sei die Oberflächlichkeit und die Gedankenlosigkeit. „Fliehen wir nicht der Einsamkeit“, so der Salzburger Oberhirte. Einsamkeit mache wachsam, aufmerksam für das, was kommen möge. In der Adventzeit „wollen wir uns einüben in die Stille, die Zurückgezogenheit und  das Einsam-Sein“. „Dann werden wir unsere Einzigartigkeit ein wenig mehr entdecken können, aber auch jene unserer Mitmenschen“. So gelinge gemeinsames Leben und Dialog, aus Respekt, in Ehrfurcht und Verantwortung füreinander.

Stille-Nacht-Kerzen

Ausgehend von den sieben Stille-Nacht-Gemeinden Oberndorf, Arnsdorf, Salzburg, Hallein, Hintersee, Mariapfarr und Wagrain werden in allen Regionen der Erzdiözese Salzburg ab 1. Jänner 2018 15 Kerzen zum Stille-Nacht-Jubiläumsjahr durch die Pfarren „wandern“. Auf diesen Kerzen, die von Pater Prior Daniel Katzenschläger (Barmherzige Brüder Salzburg)  gestaltet wurden, finden sich fünf Impulse: „Stille“, „Liebe“, „Friede“, „Geburt“, „Ich bin da“. Das Seelsorgeamt der Erzdiözese Salzburg hat dazu eine Begleitbroschüre erstellt. Darin finden sich spirituelle Texte, ein Feierheft für Wortgottesdienste und Informationen zum Liedtext des weltberühmten Weihnachtsliedes.

Joseph Mohr erhält Museum

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde das „Stille-Nacht-Museum im Pflegerschlössl“, nahe dem  Karl Heinrich Waggerl Haus eröffnet. Das Pflegerschlössl – ein ehemaliges fürsterzbischöfliches Gerichtsgebäude aus dem späten 18. Jahrhundert – wurde restauriert und barrierefrei ausgebaut. Zudem wurde ein modernes Veranstaltungszentrum hinzugefügt. Die Ausstellungsbereiche sind dem Leben und Wirken von Joseph Mohr in Wagrain, der Entstehung des Liedes und seiner internationalen Verbreitung gewidmet.

Joseph Mohr und „Stille Nacht“

Joseph Mohr wurde im Dezember 1792 als eines von mehreren unehelichen Kindern des desertierten Musketiers Franz Mohr und dessen späterer Frau Anna in der Stadt Salzburg geboren. Durch die finanzielle Unterstützung des Salzburger Domvikars Johann Nepomuk Hiernle konnte er zunächst das Akademische Gymnasium in Salzburg und von 1808 bis 1810 das Gymnasium des Benediktinerstiftes Kremsmünster in Oberösterreich besuchen. 1811 begann er in Salzburg ein dreijähriges Theologiestudium. Mohr wurde am 21. August 1815 vom Passauer Weihbischof Karl Kajetan zum Priester geweiht.

Als Kaplan verfasste Mohr im Jahr 1816 den Text von „Stille Nacht, heilige Nacht“. Ein Jahr später kam Mohr nach Oberndorf bei Salzburg. Für die Mitternachtsmette am 24. Dezember 1818 vertonte der Lehrer und Organist Franz Xaver Gruber das Lied, das heute fester Bestandteil der Weltkultur ist. Erst Jahre später wurde das Lied erstmals in einem offiziellen Salzburger Kirchenliederbuch abgedruckt. Es fand zunächst im Tiroler Zillertal Verbreitung, ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch Sängerfamilien auch in Deutschland und den USA, danach über katholische und protestantische Missionare auf allen Kontinenten. Heute gibt es Übersetzungen in 300 Sprachen und Dialekten.

Weitere Stationen im priesterlichen Wirken Mohrs waren die Salzburger Pfarrgemeinden Kuchl, Golling, Vigaun, Anthering, Eugendorf, Hof und Hintersee. Ab 1837 arbeitete Mohr als Vikar in Wagrain. Dort verstarb er am 4. Dezember 1848 an „Lungenlähmung“.

Weitere Initiativen der Erzdiözese Salzburg im „Stille-Nacht-Jahr“:

Referentenreihe im Katholischen Bildungswerk: 200 Jahre „Stille Nacht! Heilige Nacht!“; Ein Salzburger Weihnachtslied begeistert die Welt.

Samstag, 6. Oktober 2018, 18.00 Uhr – 18. Februar 2019; Sonderausstellung in der Bibelwelt: Stille Nacht? – Geburt in der Bibel – Biblische Hintergründe von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“

Freitag, 9. November 2018, 14.00 Uhr – 17.30 Uhr, Bischofshaus, Kapitelplatz 2, Symposium in Kooperation mit der Katholisch-Theologischen Fakultät Salzburg zum Thema: „Stille Nacht. Weihnachten zwischen theologischem Anspruch und Populärkultur“; Ausstellungseröffnung: Bilderzyklus von Johann Weyringer (bis zum 9. Dezember 2018).

Samstag, 17. November 2018, 16.30 Uhr, Stille-Nacht-Platz in Oberndorf, Friedensgebet der Salzburger Religionsgemeinschaften

Sonntag, 25. November 2018, Weihe der neuen Stille-Nacht-Orgel in Hallein.

 

Weitere Informationen:

Matthias Hohla, Erzdiözese Salzburg

0676/8746/2075

hohla@kirchen.net

Die Broschüre „Kerzenaktion 200 Jahre Stille Nacht, heilige Nacht“ kann im Seelsorgeamt der Erzdiözese Salzburg bezogen werden. Eine PDF-Version des Heftes ist auf www.kirchen.net/seelsorgeamt verfügbar.

Foto v.l.n.r.: Pfarrer Bernhard Rohrmoser (Mariapfarr), Erzbischof Franz Lackner und Pfarrer Berthold Ransmayr (Wagrain) mit den Stille-Nacht-Kerzen

Foto: eds

 

 

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