Stolperstein erinnert an Pfarrer Franz Zeiss

 

Verlegung vor der St. Andrä Kirche für den Pfarrer und Fluchthelfer 

 

SALZBURG (eds/lsg – 14.7. 2015) / Heute wurde in Salzburg ein Stolperstein für den Pfarrer  und Fluchthelfer Franz Zeiss verlegt. Am Mirabellplatz, unmittelbar vor der Kirche St. Andrä , wo Zeiss wirkte, nahmen Interessierte sowie Vertreter aus Religionsgemeinschaften und Politik an der Verlegung teil.  

Der Historiker Gert Kerschbaumer erzählte vom Leben und Wirken des Pfarrers und hob seine Verdienste hervor. Franz Zeiss, 1892 in Altenmarkt im Pongau geboren, besuchte das erzbischöfliche Borromäum und das Priesterseminar und wurde 1915 im Salzburger Dom zum Priester geweiht. Seit 1934 wirkte er als Stadtpfarrer der Pfarre St. Andrä. Im März 1940 wurde Zeiss von der Gestapo verhaftet, weil er die Pfarrämter vor einer bevorstehenden Durchsuchung warnte, die der Polizei vom antiklerikalen „Gauleiter“ Friedrich Rainer  in Auftrag gegeben worden war. Diese Informationen hatte Zeiss zuvor von einem Beamten der Polizeidirektion und seiner Frau erhalten. Das katholische Ehepaar Klimitsch war ebenso verhaftet worden.  

Nach seiner Entlassung im Jahr 1941 ist der Pfarrer „neu gefordert“ worden, berichtet Kerschbaumer. Er half dem katholisch konvertierten Juden Franz Leo Bauer, die Jahre des Terrors im Geheimen zu überstehen. Bauer, der zuvor sein Jusstudium in Wien abbrechen musste und in ein KZ deportiert werden sollte, floh aus einem Wiener Sammellager und kam schließlich nach Salzburg. Als Dank für seine Rettung ließ er 1945 an der Lourdeskapelle der Kapuzinerkirche in Salzburg ein Votivtäfelchen anbringen.  

Als Matrikenführer konnte Pfarrer Zeiss außerdem die ‚Abstammung‘ einiger gefährdeter Personen verheimlichen, führt Kerschbaumer aus, denn „für Nazis war nicht die Religion das Problem, sondern die ‚Rasse‘ “.  

„Franz Zeiss hat diesen Stein hundertprozentig verdient, er war ein aufrichtiger Mann“, betonte Prälat Johannes Neuhardt. Er selbst begegnete ihm das erste Mal 1949 als Seminarist. „Er hat vieles durch sein Schweigen gerettet“, stellte Neuhardt fest. Außerdem hob er seine Verdienste um das total-zerstörte Gotteshaus St. Andrä hervor: „Dass die Kirche so aussieht wie sie aussieht, ist ihm zu verdanken“.  

Der Künstler Gunter Demnig, der die Verlegungen selbst vornimmt, ist derzeit in Salzburg, so wurden in einem straffen Zeitplan zusätzlich zu den schon bestehenden 268 Stolpersteinen in Salzburg gestern und heute 42 weitere verlegt. Nähere Informationen auf www.stolpersteine-salzburg.at
   

Foto 1: Stolperstein für Pfarrer Franz Zeiss vor der Verlegung
Foto 2: Religionsvertreterinnen und –vertreter, v.l.n.r.: Vitaliye Mykytyn, griech.-kath. Priester, P. Karl Löster OFMCap, Kaplan St. Andrä, Monika Kaiser, Pfarre St. Andrä, P. Bernd Kober OFMCap, Pfarrprovisor St. Andrä, Christoph Ramsauer, Pfarrassistent St. Andrä, Generalvikar Hans-Jörg Hofer, Prälat Johannes Neuhardt, Doris Witzmann, Präsidentin Katholische Aktion Salzburg, Marko Feingold, Präsident Israelitische Kultusgemeinde, Gert Kerschbaumer, Historiker.
Foto 3: Stolperstein wird von Günter Demnig verlegt
Foto 4: Stolperstein nach der Verlegung

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