Theologe Wolf zu Synode: „Die Kranken brauchen den Arzt, nicht die Gesunden.“

 

Deutscher Kirchenhistoriker Hubert Wolf hielt Gastvortrag in Salzburg

 

SALZBURG (eds- 14. 10.2015) / Ein Diskussionsprozess innerhalb der derzeit laufenden Familiensynode sei „positiv“, dies betonte der deutsche Kirchenhistoriker Hubert Wolf am Rande eines Gastvortrages gestern Abend an der Universität Salzburg zum Thema „Krypta - Unterdrückte Traditionen der Kirchengeschichte“, wo er sein gleichnamiges Buch vorstellte. Der Festvortrag Wolfs im Rahmen der Salzburger Hochschulwochen im Sommer 2012 war Anstoß für den Bestseller.  

„Der Papst kann eine ganze Reihe von pastoralen Lösungen ermöglichen“, so Wolfs Einschätzung bezüglich der derzeit in Rom stattfindenden Familiensynode. Der Pontifex könne „den Bischöfen Kompetenzen übertragen oder selbst bestimmte Richtlinien vorgeben“, stellte der Kirchenhistoriker fest. Nach den Beratungen am Schluss der Synode hätte er aber auch „die Verantwortung, Entscheidungen zu fällen und eine Richtung vorzugeben“. Darin sieht Wolf „eine Chance, aber auch eine Pflicht“, auch wenn „diese Aufgabe sehr schwierig“ sei.  

Insgesamt habe Papst Franziskus „die Latte hoch gelegt und hohe Erwartungen geweckt“, indem er „das Prinzip der Barmherzigkeit neben das Prinzip der Gerechtigkeit gesetzt hat“, sagte Wolf. Hubert Wolf selbst erhoffte sich von der Synode, dass „sich grundsätzlich etwas bewegt und die Menschen spüren, dass sich etwas tut“. Dabei müsse der „Grundsatz Jesu“ gelten: „Die Kranken brauchen den Arzt, nicht die Gesunden.“  

Die Diskussion unterschiedlicher „Lager“ innerhalb der Synode sieht der Theologe positiv: „Es gibt in der katholischen Kirche eine Diskussion. In Anwesenheit des Papstes dürfen unterschiedliche Meinungen ausgetauscht werden. Ich wünsche mir, dass so etwas in meiner Kirche möglich ist. Das ist für mich katholisch. Und das haben wir eigentlich in dieser Weise seit dem Ende des 2. Vatikanischen Konzils so in Rom nicht mehr erlebt. Und ein Diskussionsprozess ist erst einmal etwas Positives. Dass es unterschiedliche Strömungen in der Kirche gibt, weiß jeder. Es ist gut, wenn diese auch an der Spitze der Kirche sichtbar werden.“ Nach Wolf müsse bei der Synode „sauber diskutiert“ und Schwierigkeiten müssten „ganz klar benannt“ werden.  

„Schlimm“ fände der Kirchenhistoriker, wenn es zu „Diffamierungen der einen oder anderen Seite“ komme oder sich „gegenseitiges Bemühen oder Rechtgläubigkeit abgesprochen“ werde, betonte Wolf, und fügte hinzu: „Es muss ein Ringen sein, denn es geht um wichtige Fragen. Aber ich wünsche mir, dass im Sinne des Evangeliums diskutiert wird, in geschwisterlichen Gesprächen.“  

Hubert Wolf wurde 1959 in Wört/Ostalbkreis geboren. Der Theologe ist Ordinarius für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät Münster. Der Geistliche, der 1985 zum Priester geweiht wurde, ist Träger zahlreicher Ehrungen, unter anderem erhielt er 2003 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Wolf leitet seit 2007 das Langzeitprojekt der Edition der Nuntiaturberichte von Eugenio Pacelli, seit 2013 gemeinsam mit Andreas Wirsching vom Institut für Zeitgeschichte München das DFG-Langzeitprojekt für die Herausgabe der Tagebücher von Michael Kardinal von Faulhaber. Er ist Autor von Bestsellern wie „Die Nonnen von Sant’Ambrogio“ (2013) und „Krypta. Unterdrückte Traditionen der Kirchengeschichte“ (2015).  

Foto: Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf hielt am Dienstagabend einen Gastvortrag in Salzburg. Foto: EDS


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