Türen auf für Bettler - Ehrenamtliche gesucht

 

Wie nachts die Stimmung unter frierenden Rumänen ist – und was Helfer trotz Überlastung zum Jubeln bringt

 

SALZBURG (mih-9. 1. 2020) / Eine schlichte Notunterkunft, schlagen Herbert Müller und Günther Jäger in der Stadt Salzburg auf. Bettelmigranten aus Südosteuropa hätten sonst im Winter kein Dach über dem Kopf. 

Um die minus drei Grad hat es derzeit in der Stadt Salzburg in der Nacht. Zum Draußenschlafen ist es seit Monaten viel zu kalt. Eigentlich. Doch Menschen, die aus Rumänien und anderen Ländern zum Betteln nach Salzburg kommen, müssen – oder wollen – ihre Nächte oft trotz dieser Temperaturen im Freien verbringen. Dabei gibt es Alternativen.
Schlag 22 Uhr geht nach der Weihnachtspause an einem von sieben Standorten in der Stadt Salzburg wieder eine Tür auf. Abwechselnd, einmal im Markussaal, einmal in der Dompfarre, einmal in der Herrnau. „Das machen die Ehrenamtlichen möglich“, sagt Herbert Müller. Er hat gemeinsam mit Günther Jäger vor drei Jahren das Projekt Biwak ins Leben gerufen. Wenn die Häuser Franziskus und Elisabeth der Caritas überfüllt und Menschen auf der Straße sind, springen die beiden mit ihrem Team von Ehrenamtlichen ein.

Kälte ringt die Leute nieder


Was es zu tun gibt? „Zuerst erledigen die Freiwilligen den Check-in und die Gäste waschen sich die Füße. Die Frauen und Männer kommen, meist in kleinen Gruppen oder als Paare. Viele kennen sich untereinander“, sagt Müller. Die Stimmung im Biwak sei „durch die Bank angenehm“, fügt er hinzu und erzählt, dass die Abende im Biwak nicht lange sind. „Nach dem Waschen jausnen die Leute das, was sie sich selbst mitbringen und dann schlafen sie auch schon ein.“ Die Tage in der Kälte würden stark an den Kräften der Leute zehren, die meisten seien chronisch krank oder stark erkältet.
Apropos zehren: Aus seiner Erfahrung weiß Müller, dass viele Bettler freiwillig ihre Nächte in Parks oder unter Brücken verbringen, obwohl es gefährlich und untersagt ist. „Ich höre immer wieder, dass es für den Organismus der Menschen leichter ist, wenn sie im Kalten schlafen, bevor sie ein paar Tage im Warmen und dann wieder bei Minustemperaturen liegen.“


Freiwillige für Nachtdienste gesucht


Für den Check-in um 22 Uhr, also den Dienst, bei dem die Nächtigungsgäste im Biwak aufgenommen werden, finden die Initiatoren regelmäßig genug Ehrenamtliche. 2018 haben rund 50 Salzburger geholfen. Anders sieht es nach dieser Arbeit aus. Denn auch während der Nacht soll jemand bei den Bettelmigranten sein und bei ihnen schlafen. Ganz spartanisch, wie die Leute selbst, auf Matten und in Schlafsäcken. Denn nach dem Aufstehen gilt es, das Biwak wieder sauber zu hinterlassen. Müller: „Für Putzdienste werden zwei Gäste eingeteilt. Das klappt einmal besser, einmal schlechter.“ Nicht zuletzt deshalb suche man dringend mehr Freiwillige – ebenso wie Leute, die rumänisch sprechen, um mehr über Leben und Bedürfnisse der Bettler zu erfahren.
Für Günther Jäger ist klar, dass sein Kollege und er beim Projekt Biwak langsam an ihre Grenzen stoßen. „Wir beide haben tagsüber unsere Jobs und sind noch bis Ostern ab 22 Uhr bei den Bettlern. Danach müssen wir schauen, wie wir in der Erzdiözese mit diesen Menschen in Zukunft umgehen.“ Konkret gelte es, Richtungs- und Ressourcenfragen zu klären, ebenso wie die Diskussion um eine eigene Roma-Seelsorge zu führen. Derzeit unterstütze die Erzdiözese, aber auch Erzbischof Franz Lackner das Projekt.
Herbert Müller sagt klar: „Für uns als Christen ist kaum etwas so logisch, wie dass wir warme Räume aufmachen – einfach, weil wir sie haben. Jesus lebt uns genau so ein Verhalten im Evangelium vor.“ Und weil die Arbeit für Arme nicht nur kräfteraubend ist, erzählt Müller, was ihm Spaß an seinem Tun macht: „Ich freu mich wahnsinnig, wenn sich jemand aus der Bettelszene aufrappelt und Arbeit annimmt.“ Auch bei solchen Erfolgen sei das Biwak eine Stütze, denn so finden Leute mit niedrigstem „Einkommen“ einen warmen, sicheren Platz zum Schlafen mitten in der Mozartstadt Salzburg.

 

An sieben Standorten in der Stadt Salzburg sperren Menschen für das Projekt Biwak warme kirchliche Räume auf. 
Wer mithelfen möchte: Günther Jäger (guenther.jaeger@kirchen.net) und Herbert Müller (paherrnau@gmx.at) wissen mehr.

Zurück