"Über den Tod reden und Menschen in Ruhe sterben lassen"

 

6. Tagung zur Bestattungskultur wurde in St. Virgil Salzburg eröffnet

 

SALZBURG (eds / 11. 10. 2017) / „Die Individualisierung bei Begräbnissen nimmt stark zu, wir stehen vor neuen Herausforderungen“, sagte der Obmann des Bundesverbandes der Bestatter, Franz Nechansky, bei der Eröffnung der 6. Tagung zur Bestattungskultur heute in St. Virgil Salzburg. Vor Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den Bereichen Bestattung und Seelsorge betonte der Marchegger Arzt und Buchautor Günther Loewit, dass man sich das ganze Leben auf den Tod vorbereiten müsse. „Ich plädiere dafür, Menschen in Ruhe sterben zu lassen, und nicht um jeden Preis den Tod hinauszudrängen“, meinte er.

Die Tagung, die bis morgen dauert, wird vom Bestatterverband, der Bestatterakademie, der Arbeitsgemeinschaft der Seelsorgeämter, der Evangelischen Kirche, dem Evangelischen Bildungswerk und St. Virgil veranstaltet. „Der Tod - ein ungebetener Gast“ ist das Thema. „Das Leben zu denken ohne den Tod gelingt nicht“, daher forderte der Evang. Pfarrer Volker Toth eine würdige Begleitung der Sterbenden. Weil der Tod alle unsere Pläne durchkreuze, sei er auch die Chance für einen Neuanfang, sagte Lucia Greiner, Leiterin des Seelsorgeamtes der Erzdiözese Salzburg. Als Christen bräuchten wir uns nicht zu fürchten: „Das Nicht-Festhalten lässt uns reifen“. Im Hinblick auf einen „offenen Himmel“ sei die Sichtweise des Glaubens ein Angebot. Die Kirche wolle damit auch zur Weiterentwicklung der Bestattungskultur in der Gesellschaft beitragen.

„Sterben braucht Zeit“, stellte Günther Loewit fest. In seiner 31-jährigen Dienstzeit als Landarzt sei er mit vielen Patienten in verschiedensten Lebensphasen in Kontakt gekommen. „Der Tod ist das letzte große Geschäft“, sagte er. Es sei eine ärztliche Aufgabe, den Patienten den Tod näherzubringen. „Ich habe von meinen Patienten Sterbeprozesse kennengelernt“, berichtete er. Demnach wollten die meisten Menschen im Angesicht des Todes in Ruhe sterben können.

„Aber unsere Gesellschaft will um jeden Preis den Tod verhindern“, berichtete Loewit. So würden in den letzten sechs Monaten vor dem Tod so viel Geld für medizinische Behandlung aufgewendet wie in all den bisherigen Lebensjahren zusammen. „Oft kann dann um Unsummen ein Leben nur noch ein paar Tage oder Wochen verlängert werden“, wußte der Arzt. Es wäre sinnvoller, dieses Geld in ein familienfreundliches Klima zu stecken, damit junge Paare wieder bereit sind, Leben zu zeugen. Das Wort „Sterbehilfe“ habe für ihn eine andere Bedeutung: „Menschen begleiten und nach ihren Bedürfnissen zu fragen, das ist unsere Aufgabe“, betonte der Arzt. Es gehe auch um die Achtung vor der Menschenwürde der Sterbenden. Daher solle zu Lebzeiten über den Tod gesprochen werden, nicht erst danach.

Foto: Der evangelische Pfarrer Volker Toth trat bei der Bestattertagung für eine würdige Begleitung Sterbender ein. Foto: EDS

 

 

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