Und das Kind kann kommen ...

 

Der Verein Aktion Leben begleitet werdende Mütter auf ihrem oft herausfordernden Weg

 

SALZBURG (eds/chp-27.12.2018) / Winter. Ein junges Paar auf Herberg-Suche. Die Frau ist schwanger und erwartet ihr erstes Kind.  Der Mann – sichtlich unsicher – stützt seine Partnerin auf dem schmalen Pflasterweg hin zu einem großen Haus am Straßenrand. Die Erwartungen sind groß – die beiden brauchen Hilfe. Da geht die Tür auch schon auf...

Renate Roittner begrüßt das Paar und bittet es in die wohlig-warmen Büroräumlichkeiten. Schon am Telefon bei der Terminvereinbarung hat die ausgebildete Familienberaterin von der prekären Situation der beiden erfahren und – nach unzähligen Telefonaten –  innerhalb weniger Tage eine Unterkunft für das von Obdachlosigkeit bedrohte Paar gefunden. In den folgenden Beratungen macht die 55-Jährige mit den jungen Salzburgern eine genaue Kostenaufstellung über ihre Einkünfte und Ausgaben, informiert über Förderungen und Unterstützungsmöglichkeiten und stellt Kontakt zu den zuständigen Stellen her.

Situationen wie diese passieren beim Verein Aktion Leben das ganze Jahr über. 450 Klientinnen suchten 2018 bei der Beratungsstelle Hilfe: Von Schwangerschaftskonflikt-Beratungen, der Ausgabe von Kinderkleidung und Babybedarf aus der Kindersachenbörse, Hilfe bei akuten Krisen bis hin zur Vermittlung an das Haus für Mutter und Kind, ein betreutes Wohnprojekt für werdende Mütter. Der Verein sieht sich den Familien in Notsituationen verpflichtet.

Vertrauen in die eigenen Kräfte stärken

Ein Schwerpunkt liegt auf der Begleitung von Frauen, die sich noch nicht im Klaren sind, ob sie das Kind wirklich austragen können. „Zur Aktion Leben kommen vorrangig Frauen, die sich wirklich ernsthaft mit dieser Frage auseinander setzen“, sagt Roittner. Als Beraterin müsse man gerade hier sensibel und wertschätzend sein, um den Frauen und dem Kind umfassend gerecht zu werden, betont die Familienberaterin.

Bei Schwangerschaftskonflikt-Beratungen müsse  man weiters ergebnisoffen beraten – eine lebensfreundliche Haltung sei für sie aber die Grundlage, betont Roittner: „Wichtig ist, dass wir den Frauen helfen, ihr Vertrauen in die eigene Kraft zu stärken, um  selbst eine bewusste Entscheidung zu treffen und dafür die Verantwortung zu übernehmen. Ich bin überzeugt: Auch wenn schon eine Entscheidung feststeht, ist es wichtig, in der Beratung diesen Entschluss noch einmal zu besprechen.“ Zweieinhalb Jahre ist die gebürtige Oberösterreicherin bereits für den Verein Aktion Leben tätig, seit diesem Jahr auch als Geschäftsführerin. Dass vermehrt Teenager und Studentinnen die Beratungsstelle aufsuchen, ist ein Vorurteil, informiert Roittner. „Unsere Klientinnen sind junge Frauen, die zum ersten Mal ein Kind erwarten, berufstätige Frauen Anfang 30 bis hin zu Frauen Mitte 40, die bereits zwei oder drei Kinder haben.“

Bei den Schwangerschaftsberatungen, bei denen der Verein Hilfestellungen für das kommende Familienleben bietet, lässt eine Beobachtung Roittners einen Wandel im Selbstverständnis der werdenden Väter vermuten: „Es kommen jetzt mehr Männer mit in die Beratungen“, stellt Roittner fest und weiter: „Das hat vielleicht mit einem sich verändernden Männerbild zu tun.“  In Zeitschriften sieht man Fußballer mit Kinderwägen – diese Bilder prägen die heranwachsende Generation und machen auch Männern Mut, selbstbewusst Verantwortung  zu übernehmen. Jetzt, so kurz vor Weihnachten, fällt aber auch ein anderes Vorbild zum Thema Vaterschaft ein: „Josef, der Maria in allen Belangen unterstützt hat, kann hier ein großer Vorreiter sein“, so Roittner.

„Wir hören unvoreingenommen zu“

Beispiele für gelungene Beratungen gibt es viele. Doch Roittner betont auch: „Bei den Schwangerschaftskonflikt-Beratungen wissen wir nicht immer, wie die Entscheidung schlussendlich ausgefallen ist.“ Und weiter: „Wir sind in schwierigen Situationen da und hören vorurteilsfrei und unvoreingenommen zu – das ist für die Betroffenen unglaublich viel wert.“ Bei den Akuthilfen erfährt die Beratungsstelle normalerweise, was aus den Betroffenen geworden ist.

So auch bei dem jungen Paar aus Salzburg: Durch die Vermittlungen und Beratungen bei der Aktion Leben wurde aus der ausweglosen Situation wieder ein gangbarer Weg. Die Gefahr ist gebannt. Und das Kind kann kommen.

 

Aktion Leben: 

Salzburg: Hellbrunner Straße 13; Beratungszeiten: Di. und Mi., 9 bis 13 Uhr (ohne Anmeldung), weitere Termine nach Vereinbarung.

Haus für Mutter und Kind im Kolpinghaus und Kindersachenbörse über das Büro des Vereins Aktion Leben Salzburg: office@aktionleben-salzburg.at.

Pongau: Haus Luise, St.-Veiter-Straße 3, 5620 Schwarzach. Beratung nach telefonischer Vereinbarung. Tel.: 0662/62 79 84

Die Arbeit des Vereins ist trotz Subventionen von Erzdiözese, Bund, Land und Stadt nur durch Spenden möglich.

Spendenkonto Aktion Leben

IBAN AT54 20404 00040884488

BIC SBGSAT2SXXX

 

Foto: Vorfreude: Der Verein Aktion Leben unterstützt werdende Mütter auf ihrem Weg / Foto: Aktion Leben

 

 

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