Vergebung ist auch heute zeitgemäß

 

Gut besuchte Podiumsdiskussion zum 500-jährigen Reformationsjubiläum in Salzburg

 

SALZBURG (eds-aw/30. 11. 2017) / Das Interesse an einem der Kernthemen der Reformation war groß. Im Hörsaal 101 der Katholisch-Theologischen Fakultät fanden sich gestern Abend zahlreiche Besucher ein, um sich mit jener Thematik auseinanderzusetzen, die Martin Luther zeitlebens geprägt hat: Rechtfertigung und Vergebung. Mit dem Salzburger Professor für Fundamentaltheologie und Ökumene, Gregor Maria Hoff, diskutierten Roland Rasser, Generalvikar der Erzdiözese Salzburg, Lothar Pöll, Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche, sowie Olivier Dantine, Superintendent der evangelischen Kirche A.B in Salzburg und Tirol. Eingeladen hatten Katholisches Bildungswerk, Ökumenischer Arbeitskreis, Referat für Ökumene und Dialog der Religionen und Theologische Fakultät.

Gregor Maria Hoff bezeichnete die Vergebung als eine Form der lebendigen Verwandlung: „Vergebung ist mehr als eine bloße Begnadigung. Sie setzt dort, wo es nicht erwartet werden kann, unerwartet Lebenskraft frei. Sie verwandelt – nicht nur den, dem vergeben wird, sondern auch den, der vergibt.“ Dabei seien die „Orte der Vergebung“ nicht einfach herzustellen. Diese könnten, so Hoff, nicht einfach generiert werden, weil es keine Pflicht zur Vergebung gibt.

Vergebung, betonte Lothar Pöll, könne nie stellvertretend erfüllt werden. „Nur die Personen, die in das Geschehen involviert waren, können vergeben.“ Olivier Dantine betonte, dass es heute einen umso größeren Bedarf an Vergebung gebe, als man im Zeitalter des Internets mit einer Schuld konfrontiert werde, die nicht einfach vergessen werden könne. „Diese Öffentlichkeit ist eine in vielen Bereichen unbarmherzige Wirklichkeit. Jeder Fehltritt wird aufgezeichnet.“ In dieselbe Richtung argumentierte Roland Rasser, wenn er in Erinnerung an die Gletscherbahn-Tragödie von Kaprun, die im Jahr 2000 155 Todesopfer forderte und ihn als Seelsorger in Saalfelden sehr betroffen hatte, mahnte: „In unserer Zeit ist man immer auf der Suche nach Schuld. Man fordert Verantwortliche und Schuldige, dabei ergibt sich aber eine Kluft zwischen der erhofften Vergebung und der unbedingt erforderlichen Schuld.“

Der Stellenwert der Vergebung, so waren sich die Theologen einig, ist nicht gesunken. Man sei besonders an den Geschehnissen, in denen man mit menschlichen Schicksalen, Tod und Vernichtung konfrontiert sei, weiterhin auf diese Lebensmacht angewiesen. „Vergebung ist nie einfach zu haben.“, so Hoff weiter, „sie stellt ein Risiko dar, weil man in diesen Situationen letztlich alles auf eine Karte setzt: Nämlich auf die Karte der schöpferischen Lebensmacht.“ Der Weg der Vergebung sei deshalb auch eine „Lebensschule der Hoffnung“, schloss der Salzburger Theologe.

Foto: Diskutierten über „Rechtfertigung und Vergebung“: V. l. n. r. Roland Rasser, Lothar Pöll, Olivier Dantine und Gregor Maria Hoff. Foto: EDS/RB

 

 

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