Vernetzt, verbunden und flexibel

 

Tagung des Katholischen Familienverbandes fragt: Wie viel Digitalisierung verträgt und braucht die Familie?

 

SALZBURG (eds-28. 3. 2019) / Digitalisierungsexperte Christoph Holz ist auf Einladung des Katholischen Familienverbandes in Salzburg zu Gast. Das Rupertusblatt (www.kirchen.net/rupertusblatt) hat im Vorfeld mit dem Tiroler gesprochen. Warum er sich einen Chip in die Hand hat einsetzen lassen, verrät er allerdings erst im  Zuge seines Vortrags am 5. April. 

RB:Wie hat das Digitale unser Leben verändert?

Christoph Holz: Wir leben seit einer halben Million Jahren in sozialen Netzwerken. Die ersten Menschen haben sich als Jäger und Sammler zusammengeschlossen und die Beute gerecht geteilt. Heute sind diese Netzwerke digital. Manche glauben, das macht einsam. Das Gegenteil ist der Fall. Digitalisierung führt dazu, dass wir mit Menschen Kontakt halten können, die wir sonst längst aus den Augen verloren hätten. Quasi aus dem Augenwinkel können wir auf Facebook das Leben unserer Freunde und Bekannten mitverfolgen. So überbrücken wir Zeit zwischen den persönlichen Treffen. Zwischenmenschliche Begegnung bleibt das Wichtigste. Klar, die Kommunikation hat sich geändert. Früher mussten wir den Treffpunkt mit den Freunden ausmachen, bevor wir aus dem Haus gingen. Schließlich war das Telefon im Hausgang montiert. Heute WhatsAppt man sich zusammen. Wer will darauf verzichten? 

RB: Die Verbindlichkeit nimmt in dieser Art zu kommunizieren ab. 

Holz: Das ist richtig. Wir lassen uns Optionen offen. Aus langfristiger Planung wird wieder kurzfristige Koordination – so wie damals, am Beginn der Menschwerdung.

RB: Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Beziehungen aus?

Holz: Meine Frau habe ich noch in der Katholischen Jugend kennen gelernt. Heute werden 30 Prozent der Beziehungen über das Internet angebahnt und vermittelt. Es ist kein Zufall, dass die Scheidungsrate wieder sinkt. Man darf nicht erwarten, dass das Internet den Märchenprinzen/-prinzessin bereithält. Werden jene zusammengebracht, die laut nüchternem Algorithmus am besten passen? Nein. Es werden nur jene auseinander gehalten, wo das Chaos vorprogrammiert ist. Dem Glück wird also nur ein wenig nachgeholfen.

RB: Halten wir Konflikte und entgegengesetzte Meinungen dann überhaupt noch aus?

Holz: Ja, die Konfliktfähigkeit nimmt eher ab. Mit jeder Erfindung erfinden wir auch ihre Nachteile mit dazu. Auf Facebook oder Google sehen wir nur noch, was zu unserem Profil passt. Das Internet zeigt uns jene Wahrheit, die wir sehen wollen. Das zerlegt den öffentlichen Raum unserer Gesellschaft in viele kleine Gruppen, die alle glauben, recht zu haben. Das neue Fundament unserer Gesellschaftsordnung müssen wir erst gemeinsam bauen. 

RB: Stichwort Arbeitswelt. Wie hat die Digitalisierung das Arbeiten verändert?

Holz: Die Digitalisierung hat vor 30 Jahren ihren Siegeszug angetreten. Wenn die Digitalisierung Arbeitsplätze wirklich gefährdet, warum gibt es nach 30 Jahren immer noch so viel Arbeit? Mittlerweile versinken wir in einem Daten-Tsunami. Unzählige E-Mails, Terminabstimmungen und Anfragen halten uns von der Arbeit ab. Aber immer, wenn die Not besonders groß wird, dann werden wir erfinderisch. Der Ausweg heißt Künstliche Intelligenz (KI). 

Für eine Terminvereinbarung wird sich in Zukunft meine KI mit Ihrer KI in Verbindung setzen. Bald kennt uns die KI so gut, wie früher die Sekretärin. Irgendwann wollen wir gar nicht mehr gefragt werden, ob der Termin passt. Dann haben wir endlich wieder Zeit, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auf das, wo wir unschlagbar sind: emphatische Kommunikation und Kreativität.

Die Festanstellung ist ein Trend aus dem Industriezeitalter. Dieser Trend geht vorbei. Wer früher Karriere machen wollte, gründet heute ein Unternehmen. Die heutigen Start-ups haben Lust zu probieren und scheuen das Scheitern nicht. So schaffen sie unzählige neue Berufe und Tätigkeiten. Mit der Absicherungsmentalität der Vorgängergeneration können viele nichts mehr anfangen. Die schlechte Nachricht der Digitalisierung lautet: Wir werden auch in Zukunft arbeiten müssen.

RB: Wie stellen Sie sich die Zukunft denn vor?

Holz: Entspannt. Viele gefährliche,  langweilige und stressige Dinge werden wir automatisieren und damit mehr Zeit haben, innovativ zu sein. Lernen wird die wichtigste Alltagsbeschäftigung. Die steigende Produktivität ermöglicht ein stabiles Wirtschaftswachstum, das den Wohlstand verbreitert. Da bleibt niemand zurück. Im Übrigen bin ich überzeugt: Für Pessimismus ist es ohnehin zu spät. Ich habe Kinder. Daher ist es meine Pflicht, an einer guten Zukunft mitzuarbeiten.

Foto: Christoph Holz sagt: „Die Digitalisierung vereinfacht mein Leben. Ich habe mehr Zeit für das, was wirklich zählt.“ In seinem Vortrag erzählt er, warum es für Pessimismus zu spät ist. / Foto: RB/Saringer

Tipp: Tagung „Vernetzt und verbunden!“, Fr., 5. April, 10 bis 18 Uhr, Saal der Salzburger Nachrichten, Karolingerstraße 40, Salzburg Information unter: www.familie.at

 

 

 

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