"Von der Familie lernen, wie dieser Gott ist"

 

Priesterwallfahrt der Erzdiözese Salzburg heuer zum Thema "Amoris Latitia"

 

SALZBURG (eds – 9. 9. 2016) / „Wenn wir an das Sakrament der Ehe glauben, dann glauben wir, dass die göttliche Liebe hier heilsspendend wirksam wird. Von den Familien haben wir zu lernen, wie dieser Gott ist“, das stellte der Brixener Univ.-Prof. Martin Lintner OSM gestern bei der Priesterwallfahrt der Erzdiözese Salzburg nach Maria Kirchental fest. Unter Anführung von Erzbischof Franz Lackner zogen 70 Priester und Diakone von St. Martin bei Lofer hinauf zur Wallfahrtskirche. Diesmal stand die jüngste Papst-Enzyklika „Amoris Laetitia“ im Mittelpunkt.

Martin Lintner skizzierte in seinem Referat zunächst den Prozess, den Papst Franziskus im Oktober 2013 mit der Ankündigung der zwei Bischofssynoden und der weltweiten Befragung begonnen hatte. Dem Papst sei es um eine ausführliche Situationsanalyse gegangen, denn schon als Kardinal in Argentinien sei er täglich mit schwierigen Situationen in Ehe und Familie konfrontiert gewesen. „Er hat erlebt, dass die kirchliche Lehre von der Unauflöslichkeit manchen Familien nicht gerecht wird, und sie sich dadurch von der Kirche entfremden“, sagte der Theologe. In den Synoden sei deutlich geworden, dass es auch unter den Bischöfen Diskrepanzen zwischen Lehre und Praxis gebe. Eine Stärke des Papstdokuments sei aber, dass die Mehrheit der Bischöfe dahinter stehe.

Die Diskrepanzen seien in den Synoden angegangen worden, „mit dem Hintergrund, wie man wirklich den Menschen in ihrer Situation gerecht werden könnte“, betonte Lintner. So dürfe nicht übersehen werden, dass zur kirchlichen Lehre unbedingt der Aspekt der Barmherzigkeit gehöre, „denn das ist das Herz des Evangeliums“, wie laut Prof. Lintner der Papst immer wieder hervorhebe. Es müsse davon ausgegangen werden, dass Ehe ein Weg der Entwicklung sei. Das Gewissen jedes einzelnen sei zu beachten, „weil der Mensch im Gewissen mit Gott in Berührung kommt“.

Ehe und Zölibat seien Formen der Berufung. Es gehe darum, Menschen so zu begleiten, dass sie die Berufung Gottes spüren und bestmöglich entfalten können. „Die Synode sprach vom Evangelium der Familie“, berichtete der Theologe. Die Familie sei der Ort der Begegnung mit dem Auferstandenen, heiße es im Kapitel über die Spiritualität der Familie.

Laut Prof. Lintner hätten sich die Bischöfe im Schlussdokument der Synode verpflichtet, hinzuhören und das zu tun, was möglich ist. „Wir dürfen nicht warten, bis die wiederverheiratet Geschiedenen kommen, sondern müssen uns fragen, wie wir Hindernisse überwinden können“, stellte der Referent vor den Salzburger Geistlichen fest. Laut Papst Franziskus würden Lehre und Ideal keineswegs verdunkelt wenn die Pastoral den Menschen gerecht werde.

Mit einer Marienvesper in der Wallfahrtskirche endete die diesjährige Priesterwallfahrt, die in der Erzdiözese Salzburg eine langjährige Tradition hat.

Foto: Prof Martin Lintner sprach vor Priestern und Diakonen in Maria Kirchental über „Amoris Laetitia“. Foto: EDS

 

 

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