Was im Dom-Opferstock steckt

 

Geld und Gold? Immer wieder werden Kirchen zum Ziel von Dieben oder Einbrechern. Ob es dort tatsächlich viel zu holen gibt?

 

Salzburg. Ein Zehner, ein Fünfer und ein paar Euro-Münzen: An einem ganz normalen Vormittag, wochentags im Advent, ist im großen Opferstock links vom Eingang in den Dom zu Salzburg ein überschaubarer Betrag zu finden. Freilich, der Domkirchenfonds, in den die Spenden fließen, freut sich über jedes Geldstück. Egal, in welcher Währung. Doch wer mit kriminellen Hintergedanken spielt und dort große Summen erwartet, würde enttäuscht – und in der Bischofskirche außerdem auf Marmor beißen. Denn daraus ist der massive Opferstock gefertigt.
Mesner Maximilian Bekmann sperrt das schwere Vorhängeschloss mit einem Schlüssel auf, der an einem großen Bund hängt und rund um die Uhr sicher verwahrt ist. „Die Schatullen werden jeden einzelnen Tag geleert“, sagt sein Chef, Obermesner Dietmar Koisser. Das empfiehlt er auch jeder Pfarre. So können Schäden durch Diebe gering gehalten werden. „Meistens entsteht durch den Einbruch ein viel größerer Schaden, als bei der Tat in bar entwendet wird“, berichtet Koisser.

Fundstücke erheitern – oder verwundern

Seit 14 Jahren ist Roland Hellrigl Mesner im Salzburger Dom. Mit seinen Kollegen entfernt er Tag um Tag das, was die Besucherinnen und Besucher in der Bischofskirche – absichtlich oder gedankenlos – hinterlassen. „Etwas Wertvolles habe ich dabei noch nicht gefunden“, sagt er und zuckt mit den Schultern. Knöpfe, runde Plastik-Chips für Einkaufswagerl, vollgekritzelte Papierfetzen: „Grenzwertiges ist nie dabei, Lästiges schon“, sagt er und spielt damit auf jede Menge Taschentücher an. „Gebrauchte stecken manchmal in Ecken, wo man sie wirklich nicht zufällig verlieren kann.“ Auch Trinkflaschen und Essensreste gebe es regelmäßig zu entsorgen.
Apropos: „Für manche Menschen ist offenbar völlig klar, dass sie ihre gebrauchten Batterien ohne Weiteres irgendwo im Dom entsorgen können“, erzählt Hellrigl und zieht die Augenbrauen hoch. Er geht davon aus, dass die leeren Energiespeicher immer wieder aus Fotoapparaten genommen und klammheimlich im Gotteshaus fallengelassen werden. „Hier gibt‘s ja einige Leute, die das wegräumen und recyceln“, sagt der Mesner und seufzt.
Was sich in beachtlicher Anzahl ansammelt, sind Stadtpläne, Kopfbedeckungen, Sonnenbrillen und Schirme. Derzeit haben Handschuhe Hochsaison. Hellrigl berichtet, dass er kürzlich eine ganze Lade einzelner Exemplare entsorgen musste. Bleiben sie paarweise im Dom liegen, werden sie nach einer gewissen Zeit in einem Depot gespendet, wenn sie nicht von ihren Besitzern abgeholt werden. Oder sie finden auf dem Flohmarkt der Dompfarre neue Eigentümer.
Doch nicht alles, was vergessen wird, bleibt in Salzburg. „Teure Sonnenbrillen oder gefundene Eheringe schicken wir ihren Eigentümern selbstverständlich auch nach.“

Beichtstühle sauber, Dom ruhiger

Ein Blick in die Beichtstühle macht das Team um Dietmar Koisser zufrieden: Seit die Vorhänge ganz offenstehen, landen dort auch keine Abfälle mehr.
Generell geht es in dem Gotteshaus ruhiger zu, seit vor mehr als zwei Jahren ein Leitsystem die Besucher durch den Dom lotst. Ein paar Tausend Menschen sind es, die täglich kommen; einige zum Beten, viele unter touristischen Gesichtspunkten und manche, die die Mesner auf Trab halten.

 

Foto: Sie hoben den – überschaubaren – „Domschatz“ aus dem Opferstock: Domkustos Johann Reißmeier (2. v. l.) und die Mesner Dietmar Koisser, Jochen Hofer und Maximilian Bekmann (v. l.).
Foto: Was überbleibt: Mesner Roland Hellrigl zeigt Münzen, Schirme, Schlüssel, Lippenstift, Ringe, Taschenmesser, Kugelschreiber, Hauben und auch einen 20-Schilling-Schein.
Foto: eds/mih

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