Weltkirche, Österreich, Salzburg: Das war das Jahr 2019

 

Wo die Kirche stark war, wo sie helfen konnte und wo sie sich Herausforderungen stellen muss – ein Überblick zum Jahreswechsel

 

ROM, WIEN, SALZBURG (mih/kap). Turbulent ging es im vergangenen Jahr in der Weltkirche, aber auch in der katholischen Kirche Salzburgs und Österreichs zu. Während die Amazonien-Synode in Rom um neue Wege in der Pastoral rang, hielt die Diskussion um den früheren Bischof von Gurk-Klagenfurt auch Salzburg in Atem.

Der Fall Gurk-Klagenfurt hat auch die Erzdiözese Salzburg im vergangenen Jahr beschäftigt. Nachdem Vorwürfe gegen den früheren Bischof, Alois Schwarz, laut geworden waren, setzte der Vatikan am 5. Jänner Erzbischof Franz Lackner als Apostolischen Visitator ein. In dieser Rolle prüfte er unter anderem wirtschaftliche Vorgänge, die das Mensalgut der südlichsten Diözese Österreichs betreffen. Konkret war von Misswirtschaft die Rede. Mitarbeiter der Diözese und kirchliche Laien hatten weitere Zustände beklagt; öffentlich gemacht hatte diese der Administrator von Gurk-Klagenfurt, Engelbert Guggenberger. Ihn löste auf Wunsch Roms im Juli Militärbischof Werner Freistetter in dieser interimistischen Position ab. Nach monatelanger Sedisvakanz ernannte der Papst schließlich im Dezember einen neuen Bischof für die gebeutelte Diözese: Der bisherige Caritas-Direktor Josef Marketz wird am 2. Februar 2020 die Weihe von Erzbischof Lackner im Klagenfurter Dom empfangen.

2019 in der Erzdiözese Salzburg

10. – 12. Jänner: Die Österreichische Pastoraltagung in Salzburg findet unter dem Titel „Freiheit*Glück*Leben – Säkularität und pastorales Handeln“ statt. In St. Virgil Salzburg geht es um die „schrumpfende Bedeutung von Religion“ und deren Auswirkungen auf das kirchliche Handeln.
1. Februar: Die Erzdiözese Salzburg und der Menschenrechtler Bernhard Jenny verhindern in letzter Sekunde die Abschiebung des 23-jährigen Lehrlings Wajid Ali zurück in seine Heimat Pakistan. Der Koch-Lehrling steht unter „Kirchenasyl“ und reist bald nach Kenia, wo ihn dann ein Benediktinerkloster aufnimmt.
15. März: Anika Dafert ist Schülerin am Missionsprivatgymnasium St. Rupert in Bischofshofen. Sie hat die weltweiten Proteste gegen den Klimawandel (#fridaysforfuture) nach Salzburg geholt, ganz im Sinne von Vorbild-Aktivistin Greta Thunberg.
27. April: Mit Michaela Luckmann bekommt die Katholische Frauenbewegung (kfb) in Salzburg eine neue Vorsitzende.
31. Juli: Die Salzburger Hochschulwochen verleihen dem Theologen Josef-Karl Kuschel den „Theologischen Preis“, der Publikumspreis geht an Dominik Kosak.
28. August: Ausnahmesituation am Pass Gschütt, Starkregen und Hochwasser richten verheerende Verwüstungen an. Viele sind bereit zu helfen; auch die Caritas verteilt unbürokratisch Spendengeld als „Erste Hilfe“.
22. September: Die Erzabtei St. Peter in Salzburg beendet eine „Jahrhundertsanierung“. Erzbischof Franz Lackner weiht im Beisein seines Vorgängers, Altererzbischof Alois Kothgasser, den neuen Volksaltar ein.
3. Oktober: Jubiläum für die rumänisch-orthodoxe Holzkirche in Salzburg-Schallmoos, sie feiert zehnten Geburtstag. Aus diesem Anlass kommt Metropolit Serafim Joanta als Ehrengast in die Mozartstadt.
9. November: Mit dem Besuch von Ümit Vural bei Erzbischof Franz Lackner gibt es eine Premiere. Zum ersten Mal stellt sich ein Präsident der Islamischen Glaubensgemeinde in Österreich (IGGÖ) persönlich bei Kirchenvertretern und Politikern im Lande vor.
10. Dezember: Die Plattform für Menschenrechte feiert ihr 20-jähriges Bestehen.
10. Dezember: Die Erzdiözese Salzburg gibt bekannt, dass Michael Max ab 1. September 2020 Franz Xaver Brandmayr als Rektor der „Anima“ in Rom nachfolgen wird.
14. Dezember: Die Erentrudisalm (früher bekannt als die „Jungschar-Alm“) eröffnet nach Umbau und Renovierung wieder, die Pächtersuche hat ein Ende.

2019 in der Kirche Österreichs

6. Jänner: Auch heuer beteiligen sich in den 3.000 österreichischen Pfarren wieder an die 85.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an der Sternsingeraktion.
9. Jänner: Laut einer von den österreichischen Diözesen veröffentlichten Statistik gibt es mit Stichtag 31. Dezember 2018 in Österreich 5,05 Millionen Katholiken. 2017 waren es laut Statistik der Österreichischen Bischofskonferenz 5,11 Millionen Katholiken.
22. Jänner: Der Europäische Gerichtshof hebt die in Österreich gültige Karfreitagsregelung auf, wonach nur evangelische Christen an diesem Tag arbeitsfrei haben.
17. Februar: In der katholischen Kirche in Österreich gibt es mit Stand Mitte Jänner 2019 rund 2.000 belegte Fälle von Gewalt oder Missbrauch. Der Zeitraum der Fälle umfasst die letzten 70 Jahre und den gesamten kirchlichen Bereich einschließlich der Ordensgemeinschaften.
4. März: Papst Franziskus ernennt den spanischen Vatikandiplomaten Erzbischof Pedro Lopez Quintana zum neuen Apostolischen Nuntius für Österreich.
4. Mai: Michael Chalupka ist neuer Bischof der evangelischen Kirche des Augsburger Bekenntnisses (A.B.) in Österreich.
11. Mai: Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) begeht ihr 70-jähriges Bestehen.
8. November: Kardinal Chris-toph Schönborn gibt bekannt, dass er sein alterbedingtes Rücktrittsgesuch dem Papst übergeben hat. Er hat sich heuer einer erfolgreichen Pros-tata-Operation unterzogen und ist derzeit wegen eines Lungeninfarkts auf Kur.

2019 in der Weltkirche

1. Jänner: Papst Franziskus ruft am Jahresbeginn zu Vertrauen und Zärtlichkeit auf. Die Welt sei ganz vernetzt, aber scheine immer uneiniger zu werden, sagt er in seiner Neujahrspredigt im Petersdom.
5. Jänner: Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., erkennt die neue Orthodoxe Kirche der Ukraine an und verleiht ihr die vollständige Eigenständigkeit.
22. – 27. Jänner: Rund 150.000 Dauerteilnehmer aus aller Welt – darunter auch 200 Teilnehmer aus Österreich, angeführt von Bischof Wilhelm Krautwaschl – sind beim Weltjugendtag in Panama.
3. – 5. Februar: Historischer Besuch von Papst Franziskus in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
6. März: Der Vatikan veröffentlicht seine weltweite Kirchenstatistik für das Jahr 2017. Die Zahl der Katholiken stieg demnach weltweit an. Ein Minus gibt es hingegen bei den Pries-terzahlen.
15. April: In der Pariser Kathedrale Notre-Dame bricht ein Großbrand aus, der weltweit Betroffenheit und Solidarität auslöst.
21. Juli: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, stellt das bisher geltende Predigtverbot für Laien in katholischen Messfeiern infrage.
5. Oktober: Papst Franziskus nimmt 13 Männer ins Kardinalskollegium auf.
11. Oktober: Der Friedensnobelpreis für den äthiopischen Regierungschef Abiy Ahmen freut auch die katholische Kirche vor Ort.
2. Dezember: Einer der prägendsten Theologen der Nachkriegszeit ist tot: Johann Baptist Metz stirbt im 92. Lebensjahr.

Amazonien auf allen Kanälen: Obwohl reginonal, hatten die Ideen rund um die Seelsorge und Ökologie in dem riesigen Amazonas-Gebiet auch weltweit für Aufsehen gesorgt. Berichte von der Synode, die am 6. Oktober startete, kamen aus erster Hand von Kardinal Christoph Schönborn; er ist im Synodenrat. Der Papst hatte ihn nach Rom berufen. „Neue Wege in der Kirche“ lautete das Motto in den drei Beratungswochen mit 280 Teilnehmern. Die Schlusserklärung enthält Vorschläge an den Papst für Reformen in der Seelsorge in der ökologisch sensiblen Region Südamerikas. Unter den großteils beinahe einstimmig beschlossenen Anregungen befindet sich auch die Weihe von bewährten Ehemännern („Viri Probati“) zu Priestern ebenso wie die Schaffung eines amazonisch-katholischen Ritus. Europas Fokus lag auf der Frage, ob Frauen bald geweiht werden könnten. Der Heilige Vater will jedenfalls das Frauendiakonat der Urkirche erneut untersuchen lassen.

 

Fotos: Ob Notre-Dame in Paris, der Stephansdom in Wien oder der Dom zu Salzburg - 2019 ging es auch in der Kirche turbulent zu.
Fotos: Michaela Hessenberger

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