Weltpremiere: Syrische Theologie an der Uni Salzburg

 

Syrisch-Orthodoxer Patriarch eröffnet Studiengang an der Theol. Fakultät Salzburg

 

SALZBURG (eds/wk - 19. 10. 2015) / Mehrere Jahre dauerten die Vorbereitungen, morgen ist es soweit: Der Syrisch-Orthodoxe Patriarch Moran Mor Ignatius Aphrem II. eröffnet mit einem Festakt den Universitätslehrgang „Master of Arts in Syriac Theology“ an der Kath.-Theol. Fakultät. Außerhalb von Syrien ist das eine Weltpremiere. „Das ist das Ergebnis eines unter Kardinal König begonnenen Dialogs unserer Kirchen,“ freute sich der Patriarch im heutigen Pressegespräch.

Erzbischof Franz Lackner berichtete, dass die Erzdiözese mit dem vom Land Salzburg angekauften ehemaligen Leprosenhaus in Mülln geeignete Räume für ein Studienkolleg anbieten konnte. „Es ist ein bedeutender Schritt in der Ökumene“, sagte er. Besonders stolz auf den neuen Studiengang an seiner Fakultät zeigte sich Dekan Univ.-Prof. Dietmar Winkler. In den letzten Jahren sei die ökumenische Zusammenarbeit zwischen der katholischen und der syrisch-orthodoxen Kirche immer intensiver geworden. „Studierende aus der ganzen Welt - sowohl syrische Christen in der Diaspora als auch Wissenschafter aus Europa, den USA, dem Nahen Osten, Asien und Indien werden in Salzburg erwartet“. Das syrische Christentum sei einer der ältesten Zweige des Christentums und pflege auch noch das Aramäische - die Sprache Jesu.

„Das Lehren und Forschen der syrischen Theologie will das reiche Erbe dieser aramäischen Christen im Westen integrieren und am Leben erhalten“, betonte der Leiter des neuen Universitätslehrgangs, Prof. Aho Shemunkasho. Man werde in Salzburg Fachkräfte für Pfarren, Schulen und Universitäten ausbilden. Die Bedeutung der neuen Bildungseinrichtung sei auch deshalb nicht hoch genug einzuschätzen, weil durch den Bürgerkrieg, durch Diskriminierung und Verfolgung zahlreiche Christen aus Syrien und dem Irak geflüchtet oder ausgewandert seien. „Der Lehrgang trägt dazu bei, dass diese Menschen ihr reiches geistiges und religiöses Erbe nicht verlieren“, sagte Shemunkasho. Interessiert hatten sich 16 Studenten, der Kurs beginnt mit zehn Studierenden aus verschiedenen Nationen, darunter ist eine Frau. 

Patriarch Moran Mor Ignatius Aphrem II. kam aus Damaskus nach Salzburg. „Wir haben zwar syrisch-orthodoxe Klöster, Kirchen und Gemeinden auf der ganzen Welt aber keine akademische Bildungseinrichtung“, sagte er. Gleichzeitig berichtete er vom Bürgerkrieg in seiner Heimat: „40 Prozent der Christen sind geflüchtet, im Irak sind bereits 90 Prozent weg“. Das Oberhaupt der Syrisch-Orthodoxen Kirche dankte für die Aufnahme von Flüchtlingen in Europa und warnte gleichzeitig davor, dass sich auch Kämpfer des Islamischen Staates oder anderer radikaler Gruppen als Flüchtlinge tarnen könnten. „Mit internationaler Zusammenarbeit müsste Frieden in Syrien möglich sein“, meinte Patriarch Moran Mor Ignatius Aphrem II optimistisch.

Die Erzdiözese Salzburg hatte die ehemalige Leprosenanstalt in Salzburg-Mülln vom Land Salzburg um rund zwei Millionen Euro angekauft. Das Obergeschoß wurde für die Studenten um rund 300.000 Euro umgebaut. 

Foto1: Der Syrisch-Orthodoxe Patriarch Moran Mor Ignatius Aphrem II mit Erzbischof Franz Lackner, Dekan Dietmar Winkler (rechts) und Prof. Aho Shemunkasho.

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