Wer sich einsetzt, verändert die Welt

 

Zum Weltgebetstag der Frauen: die Ordensfrau Sr. Rita Höllwerth HSF im Porträt

 

Beten, das heißt für Sr. Rita Höllwerth auch, dass man zusammensteht, sich für andere einsetzt, den Mund aufmacht. Nach 45 Jahren in der Gemeinschaft der Halleiner Schwestern Franziskanerinnen wird sie nicht müde, das zu tun.

SALZBURG (eds/Moment/sab-1. 3. 2019) / Wenn Sr. Ritas Wecker um 5.15 Uhr klingelt, wird das Haus Tau in Salzburg-Herrnau noch für einige Zeit ruhig daliegen. Nur sie sitzt dann schon mit einer Schale Kaffee vor dem Tagesevangelium. „Diese Zeit der Stille brauche ich für den Start in den Tag. Da will ich auch nicht gestört werden."

Wie ihre drei Mitschwestern im Haus hat sich Sr. Rita für die Zivilkleidung entschieden. „Bei der Arbeit im sozialen Bereich ist es wichtig, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen – und das geht in Zivil einfacher." Die Tracht sei ja auch sekundär, sagt Sr. Rita. „Was zählt, ist der Einsatz." Im Haus Tau ist das der Einsatz für Menschen in Notsituationen, für Menschen, die Richtung im Leben suchen. Mit diesen Menschen ist Sr. Rita unterwegs, mit Behörden in Kontakt, auf Job- und Wohnungssuche. Im Moment lebt eine muslimische Frau mit den Franziskanerinnen im Haus, seit zwei Jahren außerdem eine Familie mit zwei kleinen Mädchen aus Afghanistan. „Diese Menschen helfen uns immer wieder auf den Boden zu kommen", betont Sr. Rita. Im Mitleben und Mitleiden lerne man viel – auch wie wichtig es ist, sich immer wieder zurückzunehmen. „Grundnahrung für mich ist die Heilige Schrift", sagt die ausgebildete Lebens- und Sozialberaterin, die 23 Jahre lang als Krankenschwester tätig war. „Zu sehen, wie Jesus mit den Menschen umgegangen ist. Auch er zog sich mit seinen Jüngern immer wieder an einsamen Orten zurück. Es braucht diese Waage."

Leben im Rhythmus

Der Rhythmus, den das Ordensleben vorgibt, helfe ungemein. „Ich weiß, um halb 8 in der Früh und um 6 Uhr abends beten wir miteinander." Gleichzeitig brauche es ein persönliches Sich-Einlassen. „Beten heißt für mich, im Gespräch mit Gott zu sein. Wie in jeder Beziehung ist das der wichtigste Bezugspunkt." Diese Momente der Stille suchen die Ordensfrauen im Meditationsraum im Obergeschoss des Hauses. Er ist hell und freundlich, mit warmem Holz ausgekleidet. Im Kreis sind die Sessel der Franziskanerinnen aufgestellt, hingerichtet zum Kreuzbild von San Damiano, das ikonografische Kreuz, vor dem bereits der hl. Franziskus als junger Mann gebetet und den Weg seiner Berufung gesucht hat.

„In der Stille die Stimme Jesu zu hören, das holt mich heraus aus dem Aktivismus", sagt Sr. Rita. Manche brauchen im Gebet das Wort, manche die Kontemplation. „Für mich war das über die Jahre hinweg eine Entwicklung hin zum einfachen, stillen Dasein vor Gott. Und ich merke, ich gehe getröstet hinaus, ruhiger, mit einem anderen Blick auf die Dinge, die im Alltag anstehen. Ich tue das, was möglich ist. Alles andere kann ich Gott überlassen und da ist es gut aufgehoben."

Erfolge bestärken

Beten, das heißt für Sr. Rita auch, dass man achtsam ist, zusammensteht, sich für andere einsetzt, den Mund aufmacht. Doch das kostet auch Kraft, kann frustrieren, gerade wenn man immer wieder auf Hürden stößt. „Und man fragt sich: Was tun andere, die niemanden haben, der sie begleitet?" Traurig machen Abschiebungen, auch die anderen Ehrenamtlichen, mit denen sich Sr. Rita mit Fragen rund um Integration auseinandersetzt. „Man lernt einen Menschen kennen, der geht einen guten Weg, steht vielleicht am Ende seiner Ausbildung – und dann muss er weg." Sr. Rita ist froh, dass sie immer wieder auch Erfolge im Alltag sehen darf. Erst unlängst hat sie im Bus zufällig die erste Frau getroffen, die die Halleiner Schwestern Franziskanerinnen im Haus Tau aufgenommen hatten. „Jetzt meistert sie ihr Leben. Und selbst wenn es diese Erfolge nicht gäbe – ich würde es wieder tun. Das verändert die Welt. Daran glaube ich." 

Foto: Sandra Bernhofer

Foto: Beten heißt für Sr. Rita Höllwerth, im Gespräch mit Gott zu sein. Im Meditationsraum des Hauses Tau findet sie ihre Momente der Stille.  

Dieser Text ist erstmals erschienen in Moment Nr. 164 – Februar 2019.

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