Wir bitten um Ihr Gebet

 

für Gerhard Zukriegel, der, wie erst jetzt bekannt wurde, am Samstag, 26. Dezember 2015, verstorben ist.

 

SALZBURG (Reinhard Kriechbaum/drehpunktkultur - 11.1.2016) /Eines Tages kam ein Anruf von dem legendären Salzburger Domkapellmeister Joseph Messner: „Er hätte gehört, ich könne ganz gut Orgel spielen, ob ich vielleicht sein neuer Domorganist werden wolle..." - so erinnerte sich Gerhard Zukriegel vor Jahren in einem ORF-Interview.

Er war von 1963 bis 2005 Domorganist in Salzburg. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Prof. Gerhard Zukriegel am 26. Dezember 2015 im Alter von 87 Jahren gestorben. Der gebürtige Wiener – promovierter Jurist und Absolvent (mit Auszeichnung) der Wiener Musikhochschule – war bereits als Rechtsanwalt in Salzburg tätig, als er 1959 den Ersten Preis beim Paul-Hofhaymer-Orgelwettbewerb in Radstadt gewann. Joseph Messner hat Gerhard Zukriegel als Nachfolger von Prof. Franz Sauer an den Salzburger Dom berufen. Er diente dort 42 Jahre lang unter fünf Erzbischöfen und arbeitete mit vier Domkapellmeistern zusammen. 2005 folgte ihm Heribert Metzger als Domorganist nach.

Über Jahrzehnte war Gerhard Zukriegel als Orgelreferent der Erzdiözese für die Salzburger Orgellandschaft mitverantwortlich. Alle fünf Salzburger Domorgeln sind in seiner Ära gebaut worden: zuerst die große Orgel auf der Westempore (Forma Metzger, 1998), dann die vier Instrumente auf den zum Mozartjahr 1991 neu errichteten vier Pfeileremporen im Kuppelraum der Kathedralkirche (zwei der Instrumente von der Tiroler Orgelbaufirma Pirchner, zwei weitere von den Friaulischen Orgelbauern Franz und Francesco Zanin). Improvisationskonzerte auf allen fünf Orgeln im Dom waren Gerhard Zukriegels „Erfindung“. Er war auch über dreißig Jahre lang verantwortlich für die sommerlichen Orgelmatineen im Dom.

Gerhard Zukriegel wurde 1928 in Wien geboren. Orgel und Orgelimprovisation studierte er bei Karl Walter (dessen Schüler war auch der langjährige Salzburger Domkapellmeister Anton Dawidowicz). Zukriegels Theorielehrer in Wien waren Joseph Marx (Komposition) und Alfred Uhl. 1951, nach Abschluss des Jus-Studiums, übersiedelte er nach Salzburg. Seine Rechtsanwaltskanzei führte er bis 1997. Vor der Verpflichtung an den Dom war er in Salzburg Organist in den Stadtpfarrkirchen St. Andrä und Maxglan.

Viele Jahre lang war Zukriegel auch Mitglied des Orgelensemble Wolfgang von Karajan. Eine nette weitere Schnurre erzählte Zukriegel im eingangs erwähnten ORF-Interview. Beim zweiten Besuch Johannes Pauls II. In Salzburg sei der Papst-Konvoi nur schleppend vorangekommen und das Programm habe sich verzögert. Gerhard Zukriegel überbrückte die Zeit improvisierend, gut eine halbe Stunde sei er auf dem Residenzplatz „on screen“ als Organist zu sehen und zu hören gewesen.

Ein Gedenkgottesdienst findet am 23. Jänner um 14 Uhr im Dom statt, unter anderem mit Werken von Fauré (aus dem Requiem).

Text: Reinhard Kriechbaum, erschienen auf www.drehpunktkultur.at
Bild: eds/rupertusblatt

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