“Wir nehmen die Ängste ernst”

 

Salzburger Telefonseelsorge verzeichnet 16.500 Anrufe im Jahr 2015

 

SALZBURG (eds- 14. 12.2015) / “Wir bieten ein Netz von offenen Ohren”. Dies betonte Gerhard Darmann, Leiter der Telefonseelsorge und kids-line Salzburg, kürzlich im Rahmen eines Pressegesprächs. Ca. 16.500 Anrufe verzeichnet die Telefon-Beratung für das Jahr 2015.  

„Zuhören-Mitgehen-Entlasten“ sei der Leitfaden der Arbeit in der Telefonseelsorge, so Darmann. Gemeinsam mit dem hauptamtlichen Team leisten derzeit mehr als 150 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den seelsorglichen Dienst am Telefon – 83 in Salzburg, jeweils 17 im Pinzgau und Lungau, 20 bei der kids-line und 19 befinden sich in Ausbildung.  

Bei der unter 142 zu erreichenden Notruf-Nummer der Telefonseelsorge werden täglich ca. 30 längere Gespräche geführt, das sind hochgerechnet 12.500 im Jahr. Mit den Kontakten in den Außenstellen in Pinzgau (2.200) und Lungau (1.800) kommt die Telefonseelsorge damit auf ungefähr 16. 500 Anrufe im Jahr 2015. Der Dienst steht vertraulich, kostenlos und bei Tag und bei Nacht zur Verfügung. „Die Kunst ist es, die 24 Stunden gut zu verteilen“, so der Leiter Darmann.  

„Wir nehmen die Ängste ernst“, hält Darmann fest, und verweist auf die Vielschichtigkeit derselben. Das sei zwar ein „hoher Anspruch“, aber „Ängste brauchen viel Zuwendung im Gespräch.“ Aktuell sei in der Adventzeit eine „Angst vor dem Fest“, dem Alleinsein oder familiären Spannungen spürbar, berichtet der Theologe und Psychotherapeut. Viele Anrufende berichten davon, dass sie Angst haben, ihr Leben nicht mehr zu schaffen. Auch aktuelle Vorkommnisse, wie die jüngsten Terroranschläge werden von den Anrufenden thematisiert.  

Aktuelle Entwicklungen spielen auch in der kids-line eine große Rolle, erklärt Koordinatorin Katja Schweitzer. So würden von den Jugendlichen beispielsweise Unsicherheiten anlässlich der Flüchtlingsströme angesprochen, aber auch der Umgang im Bereich der neuen Medien sei eine relevante Thematik. „Kinder sind unglaublich gut vernetzt“, unterstreicht die Psychologin und ortet diesbezüglich eine „Herausforderung, dass in der Beratung die Anonymität der Jugendlichen gewahrt bleibt“. Die kids-line steht täglich von 13 bis 21 unter der Nummer 0800 234 123 zur Verfügung. Für das Jahr 2015 verzeichnet die kids-line ca. 5.500 Anrufe.  

Die Online-Beratung der Telefonseelsorge, seit 2012 aktiv, hatte im Jahr 2015 ca. 2.400 Mailkontakte. Darmann, der selbst gerne in der Online-Beratung tätig ist, hob die Besonderheit, dass hierbei die Folgekontakte die Möglichkeit eines „noch intensiveren und längeren Prozesses bieten“, hervor.  

Erfreut zeigte sich Darmann darüber, dass sowohl bei Anrufenden als auch Mitarbeitern „alle Generationen unter einem Dach“ vertreten sind. Jeder Ratsuchende hätte zwar ein „bevorzugtes Medium“, doch bleibe das „Hauptgeschäft“ das Hören. „Der Bedarf ist enorm“, sagt Darmann, der auch von einer Diskussion um eine „Chat-Beratung“ berichtet, die aber „an finanziellen Ressourcen hängt.“  

Mit dem neuen Slogan „Sprich den ersten Schritt“ wird die Telefonseelsorge österreichweit im kommenden Jahr ihr 50. Jubiläum feiern. Die größte Telefonberatung Österreichs zeichnet sich vor allem durch Regionalität, Niederschwelligkeit und die gute Ausbildung der Mitarbeiter aus. Darmann unterstrich den „Wert des organisatorischen Rahmens“ und die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Es ist wichtig, dass die Ohren nicht müde werden.“ An dieser MitarbeiterInnenbegleitung wirken vor allem die beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen in der Koordination der Telefonseelsorge mit, Andrea Schober und Gudrun Köck. „Es ist wichtig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne in den Dienst kommen“, so Andrea Schober. „Viele gehen mit einer Dankbarkeit vom Dienst weg, wenn sie spüren, dass die Gespräche gut verlaufen sind.“    

Fotos: Gerhard Darmann (Bild 1) leitet die Telefonseelsorge und kids-line Salzburg, im Bild 2 mit den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen Katja Schweitzer (links) und Andrea Schober(rechts). Fotos: EDS

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