Würde von Kopf bis Fuß

 

Als Willkommensgeste schenkte die Pfarrcaritas Saalfelden Flüchtlingen neue Schuhe – nur eine von unzähligen Aktionen engagierter Bürgerinnen und Bürger.

 

SAALFELDEN (eds/rb-sb– 1. 9. 2015) / Im Schülerheim des Bundes- und Sportrealgymnasiums HIB Saalfelden haben 70 Flüchtlinge eine vorübergehende Bleibe gefunden, 60 weitere sind bereits in den beiden Asylheimen vor Ort untergekommen, etliche in Privatunterkünften. Syrer, Afghanen, Afrikaner. „Es ist ein ständiges Kommen und Gehen“, beschreibt Anni Fersterer, die Leiterin der Pfarrcaritas, die Situation. „Die Weltpolitik ist vor unserer Haustüre angekommen.“

Schon am Tag nach der jüngsten Ankunft formierte sich eine Gruppe von Saalfeldnern, die die Asylbewerber beim Deutschlernen unterstützen wollten, so viele, dass das Angebot größer ist, als notwendig. Jeden Tag wird in Kleingruppen gelernt. „Die Sprache zu beherrschen ist für die Integration am wichtigsten“, ist Fersterer überzeugt, deren Mann sich genauso an der Aktion beteiligt wie viele andere Pfarrmitglieder.

Es gebe viele hilfsbereite Menschen in Saalfelden, die etwas mit den Flüchtlingen unternehmen, sie in die österreichische Mentalität einführen. „Die Leute wollen helfen“, betont auch Pfarrer Roland Rasser, der sich gleichzeitig über Medienberichte ärgert, dass die Kirche nichts täte. Allein in der Erzdiözese Salzburg sind 430 Menschen in kirchlichen Gebäuden oder Quartieren der Caritas untergebracht. Die Pfarre Saalfelden selbst öffnet dreimal im Monat ihre Kleiderkammer, in der nun zusätzlich auch Lebensmittelspenden von Supermärkten zur Verfügung stehen: „Die Hilfsbereitschaft ist so groß, wir könnten mehr tun, aber der Raum im Pfarrhaus ist begrenzt.“ Die Neuankömmlinge stattete die Pfarrcaritas mit Schuhen aus, das Schuhgeschäft vor Ort kam mit einem Rabatt entgegen.

Als höflich und pflegeleicht beschreibt der Pfarrer die Flüchtlinge: „Erst letzte Woche haben die Syrer ein Fest gegeben, um zu zeigen, wie dankbar sie für die Hilfe sind, die ihnen entgegengebracht wird.“ Dass das Zusammenleben im Ort so gut funktioniert sei vor allem auch der rührigen Asylheimbetreiberin Christine Enzinger zu verdanken: „Sie reißt sich einen Haxen aus für ihre Leute, ist immer wieder auf Wohnungssuche, wenn Asylanten raus aus den Heimen müssen“, erzählt die Pfarrcaritas-Leiterin. Sicherheit gebe auch ein Bleiberecht nicht: Vier Monate nach dem positiven Asylbescheid fallen die Flüchtlinge aus der Grundversorgung und müssen für sich selbst sorgen. Nach dieser kurzen Zeit reichen aber ihre Deutschkenntnisse in den seltensten Fällen aus, um Arbeit zu bekommen.

Eine Frage der Menschenwürde

Auch wenn man es über der Welle der Solidarität leicht vergessen könnte: Es gibt durchaus kritische Stimmen in Saalfelden. „Die Kommentare, die man auf Facebook liest, sind zum Teil haarsträubend“, sagt Fersterer. „Dass in Syrien Krieg herrscht, verstehen die meisten, aber es ist gibt große Bedenken wegen möglicher Wirtschaftsflüchtlinge. Dabei ist es nicht an uns zu urteilen, ob jemand zu Recht in Österreich ist. Er ist da. Und er braucht Hilfe, Wohnung, Essen. Das ist eine Sache der Menschenwürde“, betont sie.

Die 70 im HIB untergebrachten Flüchtlinge können bis Ende August in Saalfelden bleiben. „Was sie dann erwartet, weiß niemand“, kritisiert der Pfarrer.

Foto: Caritas Salzburg/Wild & Team

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