Zeit des Ankommens

 

Advent: Anglöckln, die heilige Barbara, Frauentragen, Rorate und mehr

 

SALZBURG (eds/kap-26. 11. 2018) / Das Wort Advent kommt vom lateinischen „adventus“ und bedeutet „Ankunft“. Christen verbinden damit die Erinnerung an die Geburt Jesu in Bethlehem; für sie ist der Advent die Zeit der freudigen Erwartung. Verschiedene Bräuche unterstreichen dieses Warten und lassen die Vorfreude auf das Weihnachtsfest noch intensiver werden: Der Adventkranz, der Adventkalender oder auch Lieder vom Warten und Hoffen.

Brauchtum im Advent

Der Advent beginnt mit dem ersten Adventsonntag und endet am Heiligen Abend.

Der Adventkranz ist das zentrale Symbol der vorweihnachtlichen Zeit und geht auf den norddeutschen evangelischen Theologen Johann Wichern (1808–1881) zurück. In Österreich verbreitete sich der Brauch endgültig erst nach 1945. Ähnlich wie im benachbarten Bayern ist in Österreich der Kranz traditionell in den liturgischen Farben – mit drei lila Kerzen und einer rosafarbenen – geschmückt. Die rosa Kerze wird am dritten Adventsonntag entzündet, der auch „Gaudete“ („Freuet euch“) genannt wird. Das Licht der Kerzen vertreibt die Dunkelheit und symbolisiert Hoffnung.

Neben dem Adventkranz zählt auch der Adventkalender – vor allem bei Kindern beliebt – in den Tagen des Dezembers als Hinführung zum Weihnachtsfest. Verschiedene Vorformen des Adventkalenders finden sich bereits im 19. Jahrhundert. 1908 druckte der Münchner Verleger Gerhard Lang den ersten Adventkalender mit Klapptürchen. Ursprünglich war der Kalender als religiöse Hinführung auf Weihnachten gedacht, heute verbergen sich hinter den Türchen Bilder, Sprüche oder Süßigkeiten.

Ein vor allem in Tirol und Salzburg gängiger Brauch ist das sogenannte „Anklöpfeln“. Im Mittelpunkt steht die Verkündung der Weihnachtsbotschaft. Eine Gruppe von Sängern verkleidet sich dafür als Hirten und zieht von Haus zu Haus, um das Weihnachtsevangelium zu verkünden. Zeitlich fällt das „Anklöpfeln“ auf die drei Donnerstage vor Weihnachten. Mittlerweile ist der Brauch von der Österreichischen UNESCO-Kommission in das „Immaterielle Kulturerbe“ aufgenommen worden.

Im städtischen Bereich weitaus unbekannt, aber in ländlichen Gegenden noch praktiziert ist der Brauch des „Frauentragens“. Dabei wird ein Marienbild oder eine Muttergottesstatue in der Pfarre oder Nachbarschaft herumgereicht. Diese „wandert“ so von Familie zu Familie, die sie für je einen Tag aufnimmt und sie mit einem Rosenkranzgebet und Adventliedern begrüßt bzw. wieder verabschiedet.

Heilige Barbara

Das erste Fest nach dem ersten Adventsonntag ist am 4. Dezember der Tag der heiligen Barbara. Sie stammte aus Kleinasien. Im Jahr 306 starb die junge Frau den Märtyrertod, weil sie Christin war. Als Patronin der Bergleute und Architekten stehen Statuen von ihr heute in vielen Tunneln zum Dank und als Ausdruck der Bitte um Schutz. Die Knappen im Bergwerk erhielten am Barbaratag das vor Unheil schützende „Barbaralicht“. An Bergbauorten findet noch heute am Barbaratag oder dem Sonntag danach oft eine Parade der Bergleute in alten Trachten statt. Bei den meisten Geologischen Landesämtern und in Geologischen Instituten wird Anfang Dezember eine Barbarafeier abgehalten. Als eine der 14 Nothelfer wird Barbara besonders zum Schutz vor jähem Tod und als Beistand der Sterbenden angerufen.

Barbara-Zweige

Die heilige Barbara hat aber auch einen Bezug zu Weihnachten: An ihrem Festtag werden heute vielerorts Kirschzweige abgeschnitten und in eine Vase gestellt, damit sie zu Weihnachten blühen. Die Blüten dieser „Barbarazweige“ symbolisieren dabei die Geburt Jesu. Für Christen ist er das „neue Leben“. Dieses Brauchtum soll auf Barbaras Gefangenschaft zurückgehen: Sie habe einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Tropfen aus ihrem Trinknapf benetzt; in den letzten Tagen ihres Lebens, schon im Bewusstsein ihres Todesurteils, fand sie Trost darin, dass der Zweig in ihrer Zelle blühte.

Barbara-Messe

Einen ganz besonderen Termin gibt es zu Ehren der heiligen Barbara in Mühlbach am Hochkönig:
Am Samstag, 8. Dezember 2018, findet um 17.30 Uhr im Kulturzentrum Knappenheim auf Initiative des Museumsvereins die feierliche Barbara-Messe statt. Abmarsch ist um 16.15 Uhr beim Gemeindezentrum mit Begleitung der Bergkapelle. Zudem kann ab 14 Uhr der Schaustollen mit Feldbahnfahrt besichtigt werden, das Museum ist von 19.30 bis 20.30 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

Barbara-Glocke

Der Dom zu Salzburg beherbergt die Barbara-Glocke. Diese Glocke hängt im Südturm (kapitelplatzseitig) des Doms oberhalb der Marienglocke. Sie wurde von der Dompfarre gestiftet und trägt die Inschrift: „Heilige Barbara, Patronin der Sterbenden, bitte für uns!“
Die Barbara-Glocke läutet täglich nach dem Abend-Angelusgeläute und ruft zum Gebet für die Armen Seelen auf, sie ist auch die Sterbeglocke für die Gemeindemitglieder der Dompfarre.

Schlagton: as
Durchmesser: 103 cm
Gewicht: 715 kg
Gussjahr: 1961
Gießer: Franz Oberascher
Gussort: Salzburg-Kasern
Weihespender: Prälat Benedikt Stampfl
Weihedatum: 24. 9. 1961

Kirche St. Barbara in Tenneck

Nordwestlich von Werfen liegt der schon sehr lange von der Eisenindustrie geprägte Ort Tenneck. Der Salzburger Fürsterzbischof Sigismund von Schrattenbach ließ dort 1770 einen Hochofen und ein Hammerwerk errichten. Dieser Betrieb stand am heutigen Standort des  Eisenwerk Sulzau-Werfen. Da in der Region viele Bergleute und Hochofenarbeiter lebten, wurde der Gottesdienst in den Nachkriegsjahren zunächst in der Gefolgschaftsbaracke des Eisenwerkes abgehalten, die jedoch bald zu klein wurde. Durch Spenden und Opferbereitschaft der Arbeiter und Angestellten des Eisenwerkes konnte der Bau eines Gotteshauses in Angriff genommen werden. Die Kirche wurde in den Jahren 1953 bis 1954 errichtet und am 24.Oktober 1954 durch Erzbischof Andreas Rohracher geweiht. Sie gehört zur Pfarre Werfen und liegt am Eingang ins Blühnbachtals. Die Kirche ist der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergarbeiter, geweiht.

Rorate

Was ist eigentlich ein Rorate? In einigen Gemeinden wird einfach die Werktagsmesse im Advent so genannt, in anderen ist es eine eigene Gottesdienstform.

Das Rorate war bis zur liturgischen Erneuerung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine Votivmesse als Danksagung und zu Ehren Marias, die im Advent als Mutter des Herrn eine besondere Rolle einnimmt. Der Name der Roratemesse leitet sich vom Eingangsvers der Votivmesse ab, der mit den Worten des Propheten Jesaja „Rorate, caeli, desuper, et nubes pluant iustum“ beginnt. „Tauet Himmel, von oben! Ihr Wolken es regnet den Gerechten“. So beginnt auch das bekannte Kirchenlied „Tauet, Himmel, den Gerechten“. Die Farbe der Gewänder war immer weiß; oft wurden als Beleuchtung nur Kerzen verwendet und am Schluss wurde der sakramentale Segen erteilt. Durch die liturgische Erneuerung wurde der Akzent stärker auf die Erwartung des Herrn gelegt und die einzelnen Tage erhielten je ein komplettes Messformular mit eigenen Gebeten und Schriftlesungen.

Roratemessen werden im Advent bis zum 16. Dezember, an den Adventsamstagen, beziehungsweise an den Wochentagen in den frühen Morgenstunden gefeiert. Dabei ist es vielerorts üblich, die Kirche nur mit Kerzen, die die Menschen oft selbst mitbringen, zu erleuchten.

In vielen Kirchen öffnen sich im Advent noch in der Dunkelheit die Tore und Menschen ziehen mit brennenden Kerzen und Laternen zur Roratemesse ein. Gerade auch im städtischen Raum wird dieser Brauch wieder beliebter, hilft er doch den Advent bewusst und in Einstimmung auf Weihnachten zu verbringen.

 

 

 

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