Zwei Städte bewahren Andenken an Luigi Gatti

 

Eine Delegation aus Mantua übergab Erzbischof Franz Lackner eine Büste des vergessenen letzten Hofkapellmeisters 

 

SALZBURG (eds- 11.10. 2019) / „Wir teilen gemeinsam das Andenken dieses großen Künstlers, der Musiker und Priester war“, sagte Erzbischof Franz Lackner heute Nachmittag  über Luigi Gattis Bedeutung für Mantua und Salzburg. Vor zählreichen Gästen übereichte der Präsident der Provinz Mantua Beniamino Morselli dem Salzburger Erzbischof im Kardinal-Schwarzenberghaus eine Büste Luigi Gattis, angefertigt vom italienischen Künstler Andrea Jori.

Seit 2010 haben das Konservatorium Lucio Campiani in Mantua und das Archiv der Erzdiözese Salzburg das Leben und Wirken Gattis wissenschaftlich aufgearbeitet. Der Festakt  war Höhepunkt einer zweitägigen Initiative zur Erinnerung an den Komponisten und Kirchenmusiker, der in Salzburg in Vergessenheit geraten war. Die gemeinsame Kultur sei Basis für eine feste Beziehung zwischen den beiden Städten Mantua und  Salzburg, sagte Giancarlo Manzoli, der Rektor der Hofkapelle Santa Barbara in Mantua. Mit Kostproben aus Gattis Werk klang die Veranstaltung aus.

Die Enthüllung einer Gedenktafel an seinem ehemaligen Wohnhaus am Donnerstag in der Sigmund-Haffnergasse bildete den Beginn der zweitägigen Zusammenkunft zwischen Vertretern der Diözese, Stadt und Provinz Mantua und Salzburg.

Leben und Werk

Luigi Gatti (1741-1817), der aus Mantua gebürtige letzte Salzburger Hofkapellmeister, bestimmte Salzburgs Musik- und Kulturleben mehr als 30 Jahre lang − und war dennoch fast vergessen; Mozart und Haydn überstrahlen sein Andenken. Der von seinen Zeitgenossen verehrte Komponist wirkte zunächst in Mantua, wo er zum Priester geweiht wurde. Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Musiker der Hofkirche Santa Barbara in Mantua gründete sein baldiger Ruhm vor allem auf der Komposition von Opern.

1782 wurde Gatti von Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo für das Salzburger Hofkapellmeisteramt engagiert. In Salzburg schuf er in 30 Jahren viele geistliche und weltliche Werke. „Im Salzburger Domarchiv sind mehr als 20 Messen, elf Litaneien, neunzehn Vespern und zahlreiche kleine kirchliche Werke erhalten“, berichtete Eva Neumayr vom Diözesanarchiv. Dennoch ist das Werk des Komponisten noch nicht ediert. „Wahrscheinlich ist nur ein Prozent seines Schaffens erschlossen“, erzählte die Diözesanarchivarin für Musikalien.

Guter Freund der Familie Mozart

Mit der Familie Mozart scheint Luigi Gatti  befreundet gewesen zu sein: Aufzeichnungen zeigen, dass er in deren Wohnhaus am heutigen Markartplatz ein- und ausgegangen ist. Gatti war gut 15 Jahre älter als Wolfgang Amadeus Mozart und hat nach dessen frühen Tod auch dafür gesorgt, dass seine Messen in Salzburg weiter aufgeführt wurden. Ebenso ließ Gatti geistliche Werke von Mozart, vor allem Messen, nachdem dieser Salzburg verlassen hatte, abschreiben.

Nach Tod in Vergessenheit geraten

Gatti selbst geriet dagegen nach seinem Tod 1817 in Salzburg beinahe gänzlich in Vergessenheit. Erst in den letzten Jahren machte es sich das Archiv der Erzdiözese gemeinsam mit dem Konservatorium in Mantua zur Aufgabe, sein Leben und Werk aufzuarbeiten. „Gattis großes Requiem wurde bereits mehrmals in Salzburg, Mantua und Manchester aufgeführt.“ Die erste Aufführung erfolgte durch die Salzburger Dommusik unter der Leitung von Janos Czifra. „Ein sehr eindrucksvolles Werk. Schön, dass Gatti mittlerweile auch wieder in Salzburg gespielt wird“, so Neumayr.

Foto: Präsident der Provinz Mantua, Beniamino Morselli übergibt die Büste Luigi Gattis an Erzbischof Franz Lackner, Erzdiözese Salzburg (des)

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