LANDFLUCHT

DKWE
Info
Diözesankommission für Weltkirche
und Entwicklungszusammenarbeit
2017/3
Landflucht: Viele Ursachen, viele Folgen
Die Lungauer Vorreiter
Warum zieht es Menschen vom Land in die Stadt?
Zukunft für Straßenkinder
LANDFLUCHT
Foto: Erich Keppler / pixelio.de
Liebe Leserinnen und Leser!
„Zu Jahresbeginn 2016 lebten in
Salzburg rund 546.000 Personen,
das sind knapp 18.000 bzw. um
3,4 % mehr als fünf Jahre zuvor.
Dieses Bevölkerungswachstum
ergab sich zu einem Viertel aus
dem Geburtenüberschuss und zu
drei Viertel durch Zuwanderung.“
(Salzburger Zahlenspiegel 2016
der Salzburger Landesregierung)
Ein anderes Beispiel ist Wien, das
jedes Jahr um die Größte St. Pöl-
tens (also ca. 50.000 Einwohner)
wächst. Weltweit ist festzustellen,
dass immer mehr Menschen das
Land verlassen, um in die Städte
zu ziehen. Und so nimmt die Ur-
banisierung zu und die Welt wird
städtischer. Bereits heute leben
über die Hälfte der Weltbevölke-
rung in Städten. Die Prognose für
das Jahr 2050 sagt, dass es dann
zwei Drittel sein werden.
In dieser DKWE-Info gehen wir
dem Phänomen der Landflucht
nach, fragen nach Gründen und
Folgewirkungen, sowohl bei uns,
als auch in Lateinamerika und Af-
rika. Dr. A. Koch betont in seinem
Grundsatzartikel, dass Menschen,
die ihre ländliche Heimat verlas-
sen, immer unfreiwillige Gründe
haben. Natürlich haben die Groß-
städte eine hohe Attraktivität, bie-
ten aber auch Enttäuschungen (S.
2-3). O. Keglevic beschreibt in ih-
rem Artikel die Situation im
Lungau. Diese Salzburger Region
hat die höchste Abwanderungs-
quote im Bundesland. Doch es tut
sich auch etwas (S. 4). T. Bauer
schreibt seinen Beitrag aus Brasi-
lien. Er schildert die Situation der
Kleinbauern und die Konflikte, die
die Landfrage produziert und zeigt
auf, warum die Menschen ihr
Land verlassen (S. 6). G. Hechl
fragt die Projektleiterin vom
„Rescue Dada Centre“ in Kenia
über die Situation von Straßenkin-
dern und auf welche Unterstüt-
zung sie zählen können (S. 6).
Ich wünsche Ihnen/Euch eine gu-
te Lektüre, die uns hilft den Blick
zu weiten im Bezug auf die aktuel-
le globale Situation zu Urbanisie-
rung und Landflucht.
Markus Roßkopf
DKWE-Geschäftsführer
Seite 2 LANDFLUCHT
Landflucht:
Viele Ursachen, viele Folgen.
Welche Zukunft haben die ländlichen Räume?
Die Weltbevölkerung nimmt um etwa 160 Menschen pro Minute zu. Das
exponentielle Wachstum ist dabei sehr ungleich verteilt, nicht nur zwi-
schen den Erdteilen, sondern auch regional. Während viele ländliche Re-
gionen schrumpfen, insbesondere solche, die historisch dünnbesiedelt
sind oder abseits der urbanen Zentren liegen, wachsen die großen Städte
mit ungebrochener Dynamik. Beispielsweise wandern jede Woche
ca. 1.500 Menschen nach Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch. Auch
viele europäische Städte gehören zu den demographischen Gewinnern
der Umverteilung, obwohl die infrastrukturelle Ausstattung sich hier all-
gemein auf einem höheren Niveau befindet als in Regionen Asiens oder
Afrikas. So hat die Stadt Wien in den letzten zehn Jahren knapp 120.000
neue Einwohner bekommen. Auch die Mehrzahl der nach Europa flüch-
tenden und um Asyl ansuchenden Menschen zieht es in die großen Städ-
te.
Dass Menschen ihre ländliche Heimat verlassen, hat immer häufiger un-
freiwillige Ursachen, wobei der Grad an Unfreiwilligkeit eine große
Bandbreite aufweist: Existenzielle Not durch Bürgerkriege, ethnische
Konflikte, anhaltende Dürreperioden oder Naturrisiken am einen Ende
stehen die Verbesserung ökonomischer Lebensbedingungen am anderen
Ende gegenüber. Während immer mehr junge Menschen höhere Bil-
dungsabschlüsse anstreben, die sie nur in Universitätsstädten bekommen,
ziehen ältere Menschen weg, weil sie fürchten, ihren Lebensabend ohne
ausreichende medizinische Versorgung und soziale Betreuung verbrin-
gen zu müssen. Und der Erwerbsbevölkerung fehlt häufig ein diversifi-
ziertes Arbeitsangebot, das ihren Bedürfnissen nach Qualifikation und
Anerkennung entspricht.
Foto: Wolfgang Heindl
Bauer der Landlosenbewegung in Brasilien.
Die Verwirklichung von Lebenschancen scheint räum-
lich eindeutig verteilt zu sein: urbane Pull- und ländli-
che Push-Faktoren verstärken sich gegenseitig. Städte,
vor allem Großstädte, besitzen eine hohe Attraktivität,
weil sich dort alle Einrichtungen konzentrieren, die
sich der moderne Mensch zur Ausübung seines Le-
bensstils wünscht. Vielfalt und gute Erreichbarkeit des
Angebots, gepaart mit sozialer Mobilität und individu-
eller Entfaltung der eigenen Fähigkeiten, schaffen Frei-
räume und Autonomie, die sich „auf dem Land“ nicht
verwirklichen lassen. Die gesellschaftlichen Kosten der
Individualisierung werden dabei auf die Allgemeinheit
ausgelagert, also auch auf jene, die nicht unmittelbar
am urbanen Fortschritt partizipieren. In vielen Städten
erreichen Kriminalität, Umweltverschmutzung, Armut
und Ausgrenzung ein bedenkliches Ausmaß, das den
sozialen Zusammenhalt gefährdet und die sozialpoliti-
schen Ausgaben in die Höhe treibt.
So überrascht es nicht, dass für viele Zugewanderte die
Ankunft in den Städten mit großen Enttäuschungen
verbunden ist und sich die ursprünglich gehegten Er-
wartungen nicht erfüllen. Viele Migrantinnen und Mig-
ranten leben unter beengten Wohnverhältnissen und
unzureichender Wohnausstattung, der Arbeitsmarkt hat
nicht die Kapazität, derart viele Menschen aufzuneh-
men, auch hinsichtlich der Qualifikation gehen
Wunsch und Wirklichkeit der wirtschaftlichen Integra-
tion häufig auseinander. Enttäuschung macht sich aber
auch breit, weil die vielerorts in ländlichen Orten vor-
handenen solidarischen und vertrauten Beziehungen in
Städten nicht mehr oder nicht derart vorhanden sind.
Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Die Geschich-
te ländlicher Räume ist häufig eine der Armut und Ex-
klusion, bis heute hält sich in der öffentlichen Wahr-
nehmung ein eher verklärtes Bild ländlicher Idylle.
Ländliche Armut war lange Zeit bäuerliche Armut, mit
häufig individueller Zuschreibung der Armutsverschul-
dung. Ländliche Armut war und ist auch weiblich, ver-
bunden mit klassischen Rollenbildern, die Ursache und
Folge ihrer Existenz sind. Dass Landflucht heute eben-
falls ein weibliches Gesicht zeigt, trägt somit auch dem
Emanzipationsfortschritt Rechnung und ist infolgedes-
sen weder bedrohlich noch ungewöhnlich.
Will man Landflucht verstehen, muss man an derarti-
gen Symptomen ansetzen, denn sie zeigen, wie sehr
trotz breiter gesellschaftlicher Modernisierung das
Denken von Stadt und Land durch überholte Vorstel-
lungen geprägt ist. Das Stereotyp von „urban gleich
modern“ und „ländlich gleich traditionell“ trifft ebenso
wenig zu wie jenes von „urban gleich anonym“ und
„ländlich gleich vertraut“. Immer mehr Städte ver-
markten ihre neuen, großen Wohngebiete mit Labels
wie „Solidarisches Miteinander statt Anonymität“ oder
„Urbanes Flair in ländlicher Idylle“. Über bauliche
Aufwertung wird versucht, zugleich eine soziale und
kulturelle Aufwertung zu erreichen. Diese Gentrifizie-
rungsprozesse versuchen, das alte Ideal der Anonymi-
tät gegen lokale Partizipation einzutauschen, diese Orte
aber gleichzeitig abzugrenzen, um soziale Homogenität
nach innen zu erreichen. Umgekehrt zeigt sich gerade
in vielen ländlichen Räumen ein ausgeprägtes Mitge-
fühl für Flüchtlinge, wohingegen in Städten ein Kon-
kurrenzdenken um Arbeitsplätze herrscht. Der ameri-
kanische Soziologe Mike Davis hat auf den in-
neramerikanischen Rassismus zwischen Farmern, die
ihren Beruf durch die vielen Dürren aufgegeben haben
und in die Städte gezogen sind, und städtischen Ge-
ringqualifizierten in Texas aufmerksam gemacht.
Was wäre zu tun? Unter anderem ist es wichtig, die
Breite an (Aus-)Bildungswegen Lehre, Matura, Stu-
dium anzuerkennen; hier wäre es möglich, Universi-
täten physisch und virtuell in ländliche Räume zu ver-
lagern und gleichzeitig Landwirtschaft und Handwerk
die ihnen gebührende Anerkennung zukommen zu las-
sen. Weiters zeitgemäße Arbeitsformen umzusetzen,
die Menschen und Arbeit (tele-)mobil machen, so dass
Arbeitsplätze und -kräfte in ländliche Räume verlagert
werden.
Andreas Koch
Universität Salzburg
LANDFLUCHT Seite 3
Foto: Gerhard Schaidreiter
Blick auf ein Viertel von Rio de Janeiro, Brasilien
Foto: Wolfgang Heindl
Seite 4 LANDFLUCHT
Schön ist er, der Lungau, wild und ungezähmt, trotz
oder gerade wegen der Landwirtschaft, die hier noch
den Ton angibt. Aber die Idylle hat ihren Preis. Die
Jungen bleiben nicht. Nicht, weil sie nicht wollen,
sondern, weil es für sie kaum Perspektiven gibt.
Mit dem Trend zum steigenden Bildungsgrad, der un-
gebrochen vorhanden ist, wächst selbstverständlich der
Wunsch nach weiterer Ausbildung bzw. Studium. 85%
der Lungauer Maturanten ziehen dafür nach Salzburg
oder in andere Universitätsstädte und 70% von ihnen
würden nach dem Studium liebend gern wieder zurück-
kommen. Aber es gibt keine adäquate Arbeit für sie.
Nehmen viele Männer weite Pendlerwege seit Jahren
auf sich, sind diese speziell für junge Frauen völlig un-
denkbar. Sind doch sie es, die realistischer Weise bei
der Arbeitsplatzwahl auf gute Vereinbarkeit von Ar-
beit, Kindern und Haushalt achten müssen, nicht ihre
Partner.
So ziehen die Jungfamilien in die Ballungsräume ins
Salzachtal bzw. in den Speckgürtel der Stadt Salzburg,
wo Kindergarten, Schule, Supermarkt und Arbeitsplatz
in einer vernünftigen Nähe zueinander sind und damit
mehr Lebensqualität bieten.
Eine Entwicklung, die nicht neu ist. So wird auch
schon lange an realisierbaren Zukunftsprojekten für den
Lungau gearbeitet. Weniger von der Politik, als vor al-
lem von den Lungauern selbst, die die Dringlichkeit
von Gegenmaßnahmen sehen. Fakt ist, es braucht neue,
höher qualifizierte Arbeitsplätze! Während man sich im
Pinzgau und Pongau überhaupt keine andere Einnah-
mequelle zusätzlich zum Tourismus vorstellen kann,
sehen die Lungauer ihr Heil nicht im ungebremsten
Ausbau des Tourismus, sondern wünschen sich eine
sanfte, bevölkerungsfreundliche Lösung, die die Suche
nach einem zweiten wirtschaftlichen Standbein mit ein-
schließt. Das EU Projekt Biosphärenpark ist ein großer
Schritt in diese Richtung, weil es Nachhaltigkeit, so-
wohl im Tourismus, als auch in Lungauer Firmen för-
dern will. Eine logische und mutige Weiterführung die-
ser Idee ist die Biosphärenpark-Milch, die im Herbst
2017 auf den Markt kommen soll. Bauern, die dieses
Siegel wollen, verpflichten sich, ihren Kühen nur Futter
zu geben, das im Lungau gewachsen ist - eine große
Herausforderung für den Einzelnen, da die Kühe erwar-
tungsgemäß ohne Kraftfutter weniger Milch geben und
nicht jeder Bauer landwirtschaftliche Fläche hat, die
sich zum Getreideanbau für Kraftfutter eignet. Aber ge-
rade darin liegt die große Chance. Die Bauern sprechen
sich untereinander ab, der eine liefert das Heu, der an-
dere das Getreide.
Auch das Lungauer Kochwerk, das im Herbst 2017 er-
öffnet wird, ist eine Idee der Bevölkerung und nicht der
Politik ein bäuerliches Bildungshaus, in dem Koch-
kurse zur Drehscheibe zwischen Konsumenten, Produ-
zenten und Verarbeitung werden und die Vielfalt regio-
naler Produkte fördern wollen.
Denn die Lungauer haben längst begriffen, dass sie
selbst das Heft in die Hand nehmen müssen, damit gute
Ideen Raum finden und realisiert werden. So ist der
Lungau auf dem besten Weg Vorreiterregion zu werden
und aufzuzeigen, wie wirtschaftliches Überleben in
Bergregionen funktionieren kann, ohne sich ausschließ-
lich an den Tourismus zu verkaufen. Das tut dem Ei-
genleben der einheimischen Bevölkerung gut und ga-
rantiert mehr Sicherheit in unsicheren Zeiten.
Olivia Keglevic
Kath. Frauenbewegung Salzburg
Die Lungauer Vorreiter
Die Abwanderungsregion Nummer eins in Salzburg
sucht erfolgreich neue Wege
Foto: Klaus Heitzmann
LANDFLUCHT Seite 5
Dafür gibt es denke ich in einem Land wie Brasilien
unzählige Gründe. Viele der Menschen, die ich durch
meine Arbeit in der Landpastoralkommission
(comissão pastoral da terra (CPT)) im halbtrockenen
Nordosten kennengelernt habe, tun dies allerdings bis
heute wegen der fehlenden politischen Massnahmen
(Agrarrreform, Infrastruktur, …), sowie der daraus
entstandenden Not und auch Angst vor der Gewalt.
Arme Bauernfamilien, meist ohne Land, waren schon
immer gefragt als Billiglohnarbeiter. Heutige urbane
Zentren wie o Paulo oder Brasília mit ihren
Machthabenden, aber auch die Großgrundbesitzer mit
ihren Zuckerrohr-, Orangen- und Kaffeeplantagen
profitieren bis heute von diesem permanent
verschiebbaren billigen Arbeitspotenzial. Viele Bauern,
die von der Hand in den Mund leben, hatten und haben
schlicht keine Auswahl. Um ihren Lohn aufzubessern
müssen sie es in Kauf nehmen für mehrere Monate im
Jahr als Aushilfen auf dem Bau oder als Arbeiter in den
Monokulturplantagen anzuheuern, um kurz vor der
Regenzeit mit dem Verdienst wieder zurück in ihre
Heimat zu kommen und mit der Aussaat neuerlich ihr
Glück zu versuchen.
Verschärft hat sich diese Situation ab den 1960er,
1970er Jahren und der sogenannten Modernisierung
der Landwirtschaft. Die selbe Zeit, in der weiße Siedler
mit Unterstützung des Militärs begannen das
Amazonasgebiet zu besetzen. Dabei kam es zu
unzähligen Konflikten, Ermordungen und Landraub.
Damals beeinflusst vom frischen Wind in der
katholischen Kirche, des Zweiten Vatikanischen
Konzils und der Konferenz von Medellín, inmitten der
brutalen Repression der brasilianischen Militärdiktatur,
kam es zur Geburt der CPT.
Zurück im Jahr 2017: Brasilien hat sich verändert wir
haben jetzt eine „Demokratie”. Die Situation der
ländlichen Bevölkerung, ist aber weiterhin an vielen
Ecken und Enden mit der vor fast 40 Jahren zu
vergleichen. Waren es damals die Fazendeiros mit
ihren Pistoleiros, so ist es heute die moderne
Agrarrindustrie, sind es die Bergbaukonzerne, die
unzähligen neu entstehenden Windparks mit ihren “für
die Sicherheit Verantwortlichen” und die dafür
„notwendigen” Infrastrukturprojekte – finanziert und
subventioniert vom Staat die für den vermeintlichen
wirtschaftlichen Fortschritt, und damit gleichzeitig für
Vertreibungen, Ermordungen und Menschenrechts-
verletzungen stehen.
Ausschließlich im letzten Jahr kam es zu 61
Ermordungen in diesem Zusammenhang. Die Zahlen
und Straflosigkeit sind erschreckend. Laut der seit dem
Jahr 1985 jährlichen Publikation über Land- und
Wasserkonflikte der CPT kam es zwischen 1984 und
2016 zu 1.834 Ermordungen. In diesem Zusammen-
hang kam es zu 112 Prozessen mit nur 31 Verurteilun-
gen von den Auftraggebern.
Dieser Straflosigkeit haben wir es zu verdanken das die
Konflikte in den letzten Jahren wieder stark ansteigen.
Allein im Jahr 2017 haben wir bereits 41 Todesopfer
zu beklagen. Nach den Massakern in Colniza (9
Ermordete) und dem blutigen Angriff auf Mitglieder
des indigenen Volkes der Gamela Ende April dieses
Jahres, bei dem es zu Schussverletzungen kam, einem
Indigenen wurden die Hände mit der Machete
abgeschlagen, hat die Gewalt im Mai einen neuen
traurigen Höhepunkt erreicht. Während eines
Räumungsbefehl in Pau D´Arco, wurden 10
Kleinbauern (9 Männer und 1 Frau) im Bundesstaat
Pará, regelrecht von der Polizei exekutiert.
Thomas Bauer
CPT Brasilien
Warum zieht es Menschen vom Land in die Stadt,
oder überhaupt weg von ihrem Heimatort?
Foto: Wolfgang, Heindl
oben: geschliffenes Dorf in Mato Grosso (Brasilien)
unten: Morro (zu dt. Hügel). An den Hügeln hinauf siedeln sich
die Armen an.
Foto: Thomas Bauer
Seite 6 LANDFLUCHT
In der kenianischen Hauptstadt Nairobi leben rund
60.000 Kinder auf der Straße. Die Erzdiözese Nairobi
hat das Projekt „Rescue Dada Centre“ („Rette die
Schwester“) ins Leben gerufen um Straßenkindern eine
Zukunft zu geben. Das Projekt wird von der Dreinigs-
aktion der Katholischen Jungschar seit mehreren Jahren
unterstützt. Die verantwortliche Projektleiterin Frau
Mary Njeri Gatitu hat uns einige Fragen beantwortet:
Warum steigt die Zahl der Straßenkinder weltweit?
Einer der Gründe für den Anstieg der Zahl der Straßen-
kinder in den riesigen Städten der Entwicklungsländer
ist die gezwungene oder freiwillige Migration zahlrei-
cher Familien vom Land in die großen Städte.
Sie kommen mit der Hoffnung auf Arbeit und ein bes-
seres Leben. Doch die meisten werden bitter ent-
täuscht. Sie finden keine Arbeit und müssen in Holz-
oder Blechhütten hausen. Diese Situation mit all den
negativen sozialen Folgen trägt u.a. dazu bei, dass Kin-
der zu Straßenkindern werden können.
Warum hat das so große Auswirkungen auf die
Kinder?
In den großen Städten ist der Gegensatz zwischen Arm
und Reich für die Menschen am besten sichtbar. Arm
sein bedeutet, den Reichtum zwar in den Vierteln der
Reichen zu sehen, aber nie daran teilhaben zu können.
Das verursacht Frustration, Hoffnungslosigkeit und
Wut. Und diese Wut wird oft an den Kindern durch
Gewaltanwendung ausgelebt. Um dieser Gewalt zu ent-
gehen flüchten Kinder auf die Straße.
Nur ca. 50% der BewohnerInnen dieser Viertel haben
Zugang zu Arbeit - meistens in den sog. informellen
Sektoren, wo man sehr wenig verdient. Die Kinder
werden gezwungen auf die Straße zu gehen und sich
am Einkommen der Familie zu beteiligen. Weil viele
diese Erwartungen nicht erfüllen können trauen sie sich
nicht mehr nach
Hause.
Ein anderer Grund
ist schlichtweg, dass
viele Kinder keine
Familienstrukturen
mehr haben, da die
Erwachsenen auf-
grund von Krank-
heiten verstorben
sind.
Welche Unterstüt-
zung bekommen
die Kinder in Ih-
rem Projekt?
Die auf der Straße
lebenden Mädchen
bilden den absolut ärmsten Teil der Gesellschaft. Dro-
gen, die soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung, so-
wie die damit einhergehende sexuelle Ausbeutung der
Mädchen führen dazu, dass viele das 17. Lebensjahr
nicht mehr erleben dies vor allem aufgrund der weit
verbreiteten Immunschwächekrankheit HIV/AIDS.
Das „Rescue Dada Centre - RDC“ versucht, Mädchen,
die auf der Straße leben, wieder mit ihren Ursprungsfa-
milien zusammenzuführen und die Anzahl von Stra-
ßenmädchen zwischen vier und 16 Jahren in Nairobi zu
reduzieren.
Im Center bekommen die Kinder Nahrung, Kleidung
und einen Schlafplatz. Die Mädchen erleben einen All-
tag in einem familiären Umfeld und sie können in ei-
nem geschützten Raum praktische Fertigkeiten für
Haushalt und Alltag erlernen. Besonders wichtig ist,
den Schulbesuch und eine berufliche Ausbildung zu
ermöglichen.
Parallel dazu wird versucht wo möglich die Mäd-
chen wieder in ihre Herkunftsfamilien zu reintegrieren.
Sinnvolle Unterstützung darf dabei die Tatsache nicht
außer Acht lassen, dass sie meist Kinder von alleinste-
henden Frauen sind, die bereits ebenfalls in absoluter
Armut leben. Es wäre daher sinnlos, die Mädchen in
ihre Familien zu integrieren, ohne die Mütter dabei zu
unterstützen. Daher werden für die Mütter Lehren (z.B.
als Friseurin oder Kosmetikerin) bzw. Computerkurse
angeboten, damit sie wieder in der Lage sind, selbst für
ihre Kinder zu sorgen.
Geli Hechl
Kath. Jungschar Salzburg
Zukunft für Straßenkinder
Foto: KJS
Slum in Nairobi
Foto:KJS
Schulkinder des RDC‘s
AKTUELLES Seite 7
VORGESTELLT
Mein Name ist Norbert Philippi.
Meine erste Begegnung mit der
DKWE geschah durch P. Toni
Ringseisen MSC. Während der
gemeinsamen Zeit im Pfarrge-
meinderat in Liefering versuchten
wir, auch auf der Pfarrebene das
Bewusstsein für Weltkirche zu
stärken. Leider trennten sich die
Wege durch andere Aufgaben
von P. Ringseisen in seinem Or-
den und berufliche Inanspruch-
nahme meinerseits. Und ohne sei-
ne begeisternde Art war der Ar-
beitskreis nicht mehr aufrecht zu
erhalten. Da ich selber keine
Fernreisen unternehme und daher
die Partnerdiözesen nicht aus ei-
gener Anschauung kenne, waren
über all die Jahre die Gesprächs-
abende im Bondeko mein Fenster
zur Welt. Nachrichten geben nur
einen Ausschnitt wieder, viel er-
tragreicher sind da immer die
persönlichen Gespräche und Be-
gegnungen. Und so habe ich nach
meiner Bestellung in den Pasto-
ralrat mit Freude zugesagt, dieses
diözesane Beratungsgremium in
der DKWE zu vertreten. Umge-
kehrt sehe ich es auch als meine
Aufgabe an, neben anderen Per-
sonen die Anliegen der Weltkir-
che und unserer Partnerdiözesen
im Pastoralrat wach zu halten. In
diesem Sinne hoffe ich, die Stim-
me der Basis in den Pfarren zu
vereinen mit der großen Sicht auf
die vielfältige Weltkirche.
Norbert Philippi, Pastoralrat
Gnade ist, wenn man Menschen
findet, die mit uns gehen
Österreichweit wurde 1955 von Erzbischof Rohracher das katholische Frau-
enwerk gegründet. 1956 entstand auch in Tamsweg unter der Leitung von
Anna Guggenberger eine Gruppe. Frau Guggenberger führte bis zu einer
schweren Erkrankung kurz vor ihrem Tod das Frauenwerk. Danach bat De-
chant Neureiter Antonia Esthofer, die Gruppe zu übernehmen, da dies auch
für das soziale Umfeld in Tamsweg sehr wichtig war. 1985 übernahm Frau
Maria Lechner und gründete 1986 den bis heute sehr wichtigen Adventmarkt,
der im Vorjahr sein 30-jähriges Jubiläum feierte. Im Jahr 2011 übergab Frau
Lechner ihr Ehrenamt an Maria Gappmayr und mich, Gabriele Wieland. In
unserer Gemeinschaft sind alle Altersgruppen vertreten, am längsten dabei ist
Frau Elisabeth Perner, welche heuer ihr 50-jähriges Jubiläum der Mitglied-
schaft feiert. Gelebt wird Kirche und Gemeinschaft im Heute. Ungefähr 500
Frauen verfolgen das Ziel, Leben in der Pfarre mitzugestalten und die christli-
che Nächstenliebe zu leben. Die Kerngruppe von etwa 40 Vertrauensfrauen
dient als Drehscheibe für die Kommunikation nach innen und außen wie auch
verschiedene karitative Aktivitäten. Vor allem der Adventmarkt bietet jedes
Jahr die Möglichkeit, Spenden zu sammeln - im Vorjahr wurden hier 14.000
Euro eingenommen, welche zu 100% an Hilfsprojekte im In- und Ausland
weitergegeben wurden. Des Weiteren gibt es eine Altkleidersammlung, Kran-
kenbesuche, Mitwirken bei der Liturgie und noch vieles mehr. Wichtig ist
auch, Gemeinschaft untereinander und Stunden des Auftankens zu ermögli-
chen. Dies fördert das seelische Wohl und stärkt die Gruppe. Ein Schwer-
punkt liegt wie der Name schon sagt in der Arbeit von und für Frauen. Im
Jahr 2011 passten wir uns wieder dem Salzburger Namen an, welcher sich im
Laufe der Zeit von Frauenwerk zu Frauenbewegung entwickelt hat. Und ge-
nau das wollen wir: etwas bewegen.
Gabriele Wieland, kfb Tamsweg
Foto: privat
Besuch bei Pater Georg Sporschill in Rumänien, eines unserer zwei Adventprojekte
Foto: Gabriele Wieland
Impressum: DKWE-Info
Informationsunterlage für die Bildungsarbeit im Bereich Welt-
kirche und Entwicklungszusammenarbeit der ED Salzburg.
Spendenkonto: Salzburger Sparkasse
IBAN: AT39 2040 4000 0000 0810, BIC: SBGSAT2SXXX
Redaktionsteam: G. Hechl, W. Heindl, O. Keglevic, K. Nieder-
mayr, M. Roßkopf, S. Schimpfößl, M. Walder-Grabner
Layout: P. Gasser; Cover-Design: selah design
Medieninhaber: Diözesankommission für Weltkirche und
Entwicklungszusammenarbeit; Kapitelplatz 6, 5020 Salzburg;
Tel.: 0662/8047-7610; E-Mail: referat@weltkirche.kirchen.net
Internet: http://www.kirchen.net/weltkirche/home/
Druck: Druckerei der ED Salzburg
Titelfoto: Erich Keppler / pixelio.de
Termine/Aktuelles
Di, 24. Oktober 2017
18:00 Uhr: Gottesdienst in St. Konrad, Abersee mit BV Martin Walchhofer
19:00 Uhr: Vortrag: „Mission – es wird immer nur ein Tropfen sein“
Referent: BV Martin Walchhofer; Ort: Pfarrsaal Abersee
mehr Infos: Wir für Eine Welt
Mo, 6. bis Do, 16. November 2017
16. Entwicklungspolitische Hochschulwochen
Mehr Infos: www.suedwind.at/salzburg
Mi, 8. November 2017, ab 18:00 Uhr c.t.
7. Empfang der Religionen - Schwerpunkt: Schiiten
Ort: Katholisch-Theologische Fakultät, Salzburg
Mehr: www.uni-salzburg.at/ztkr/empfang-der-religionen
Do, 9. November 2017, ab 18:00 Uhr
Entwicklung - aber wie? Tranzparenz und Effizienz in der EZA
5. Salzburger Forum (Entwicklungspolitischer Beirat der Landesregierung)
mit Vorträgen, Austausch, Vernetzung, Buffet und geselliger Ausklang
Ort: Afro-Asiatisches Institut, W.-Philharmonikergasse 2, Salzburg
Anmeldung und Infos: office@aai-salzburg.at
Sa, 11. November 2017, ab 15:00 Uhr
Begegnungs- und Austauschtreffen von Rückkehrer/Innen-ÖED, Horizont
3000, IIZ, Volontäre, Zivilersatzdiener und Interessierten an der Weltkirche
mit Vortrag und Diskussion zu Kinderarbeit (Referent: Georg Wimmer)
Ort: ABZ - Haus der Möglichkeiten, Kirchenstraße 34, Salzburg
Anmeldung und Info: Karin Weissensteiner (karin.weissensteiner@gmx.net)
Sa, 6. Jänner 2018, 10:00 Uhr
Tag der Diözesanpartnerschaften
mit den (Erz-)Diözesen Daegu (Südkorea), San Ignacio de Velasco (Bolivien)
und Bokungu-Ikela (Dem. Rep. Kongo)
Ort: Dom, Salzburg
Sa, 24. Februar 2018, 10:00 - 17:00 Uhr
Weltkirchliche Arbeit in der Einen Welt
Hauptreferent: Dr. Michael Meyer
Weltkirche-Seminar
Ort: Bildungszentrum St. Virgil, Ernst-Grein-Str. 14, Salzburg
Anmeldung: St. Virgil
Druckkostenbeitrag: Unsere DKWE-Info erscheint 3 x jährlich gratis.
Wir bitten Sie, uns mit einer kleinen Spende mittels beiliegendem Erlagschein
zu unterstützen. VIELEN DANK!
Mitherausgeber:
Impressum: DKWE-Info
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Termine/Aktuelles
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18:00 Uhr: Gottesdienst in St. Konrad, Abersee mit BV Martin Walchhofer
19:00 Uhr: Vortrag: „Mission – es wird immer nur ein Tropfen sein“
Referent: BV Martin Walchhofer; Ort: Pfarrsaal Abersee
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Mo, 6. bis Do, 16. November 2017
16. Entwicklungspolitische Hochschulwochen
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