Drehscheibe 106

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Drehscheibe 106- 11. Jg; 7/2019
Mail: markus.rosskopf@seelsorge.kirchen.net; Tel.: 0662/8047-7605 - http://www.kirchen.net/weltkirche/
Weltkirchliche News
aus der Erzdiözese Salzburg
Drehscheibe
Nr. 106
Liebe Engagierte in der Weltkirche und für die Weltkirche!
Die Chiquitania brennt! Bischof Flock aus San Ignacio schreibt, dass bereits eine halbe Million Hek-
tar Wald in der Chiquitania verbrannt sind.
Am 1. September verkündete Papst Franziskus, dass unser ehemalige Partnerbischof von Bokungu-
Ikela, jetzt Erzbischof der Hauptstadt Kinshasa, Fridolin Ambongo Besungu am 5. Oktober 2019
zum Kardinal erhoben wird.
Mit dem neuen Arbeitsjahr ergeben sich auch Veränderungen: Seit 1.9.2019 ist das Referat Weltkir-
che Teil des Seelsorgeamtes der Erzdiözese Salzburg. Mag. Lucia Greiner, die Leiterin des Seel-
sorgeamtes, wurde mit 1.9.2019 von Erzbischof Lackner zur Vorsitzenden der Diözesankommission
für Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit (DKWE) ernannt. Dazu gratulieren wir ganz herzlich
und wünschen ihr bei dieser Aufgabe alles Gute. Bischofsvikar Martin Walchhofer ging mit 31.8.2019
in Pension. Wir danken ihm für sein weltkirchliches Engagement.
Es verändern sich auch unsere Mailadressen:
Markus Roßkopf: markus.rosskopf@seelsorge.kirchen.net
Petra Gasser: petra.gasser@seelsorge.kirchen.net
und ab 1. Oktober werden wir unser Büro im Borromäum haben: Gaisbergstr. 7, 5020 Salzburg
In der aktuellen „Drehscheibe“ gibt es wieder Veranstaltungshinweise und Infos rund um die Weltkir-
che. So danke ich allen, die Termine oder Infos für diese Ausgabe geschickt haben. Zur gleichen Zeit
lade ich alle ein, mir Termine und Infos in den Pfarren und Einrichtungen zu schicken.
Herzliche Grüße,
Veranstaltungen:
Mo, 23. September 2019 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Frauenleben anderswo - Das Wunder von Maher
Gesprächsabend und Filmvorschau:
Referent:in Sr. Lucy Kurien
Ort: Bondeko, Missionshaus Liefering, Schönleitenstraße 1, 5020 Salzburg
mehr Infos: www.bondeko.org
24.-26. September 2019
1. Salzburger Armuts-Film- Tage: Was den Armen wirklich hilft
Di, 24. September 2019, 19:30 Uhr
Der Indien-Doku: Das Wunder von Maher
Film und Gespräch
10. September 2019
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Mi, 25. September 2019, 19:30 Uhr
Der Nepal-Doku: Nepal das Armenhaus der Welt
Do, 26. September 2019, 19:30 Uhr
Der Roma-Doku: Roma, ein Weg aus der Armut in Ungarn/Rumänien
Ort: Gemeindezentrum der Ev.Christuskirche, Schwarzstr. 25, 5020 Salzburg
Eintritt frei! Spenden für die Projekte erbeten
Kontakt und mehr Infos: Kurt Bauer Dokufilm: kurt-bauer@gmx.at
Mi, 25. September 2019, um 19:00 Uhr:
Lebensgespräch mit Franz Rohrmoser, Kuchl, Jahrgang 1943, u.a. Gründer der
Österreichischen Bergbauernvereinigung, hat sein Leben lang für gerechtere Struktu-
ren in der Landwirtschaft gekämpft.
Ort: KommEnt, Elisabethstr. 2, 5. Stock, 5020 Salzburg
mehr Infos und Anmeldung: office@komment.at / Tel:0662/840953-0
Mo, 30.September 2019, 18:00 Uhr
„Der Mann der Frauen hilft“: Dr. Denis Mukwege
Mit Diskussion und Einführung zur Situation im Kongo.
Der Eintritt ist kostenlos - aber für Spenden, die an Dr.Mukwege gehen sollen, sind wir
dankbar.
Ort: Das KINO, Giselakai 11, Vorführraum im 1.Stock
mehr Infos: Ilse Hanak ilse.hanak@elsnet.at
Mi, 2. Oktober 2019, 19:00 Uhr
Erneuerung jetzt – welche Reformen braucht die Kirche?
Podiumsgespräch und Buchpräsentation mit Bischof Erwin Kräutler und Moraltheologin
Angelika Walser
Moderation: Josef Bruckmoser
Ort: Salzburg, Saal der Salzburger Nachrichten, Karolingerstraße 40
mehr Infos: https://events.sn.at/ Anmeldung: www.sn.at/reservierung oder Tel.
0662/8373-222 (Kundenservice).
Di, 8. Oktober 2019, 18:00 Uhr
Vergabe Erwin Kräutler Preis 2019
an den aus Nordnigeria stammenden Priester und Theologen Gideon Pwakim.
Ort: Hörsaal 101 der Katholisch-Theologischen Fakultät der Paris Lodron-Universität
Salzburg
mehr Infos: https://www.uni-salzburg.at/index.php?id=33126
Termine im außerordentlichen Monat der Mission
Do, 10. Oktober 2019, 18:00- 21:00 Uhr
FATHER TOM – „Gegen alle Hoffnung gehofft“
Referent: Father Tom Uzhunnalil, Indien (war 18 Monate Gefangener des IS.)
Ort: Rupertussaal, Kapitelplatz 2, 5020 Salzburg
mehr Infos: salzburg@missio.at oder 0662/8746-7710
Mi, 23. Oktober 2019, 19:00 Uhr
UNKONVENTIONELL UND GROSSHERZIG- Heldinnen der Mission
Referentin: Prof. Dr. Ok-Bun Lee, Daegu / Südkora
Sie stellt uns das Lebenswerk der Salzburger Missionarin Emma Freisinger vor, die
schon in den 60er-Jahren eine Leprastation aufbaute
Ort: Dombuchhandlung, Kapitelplatz 6, 5020 Salzburg
mehr Infos: salzburg@missio.at oder 0662/8746-7710
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Vorausschau:
Mi, 30.10.2019, 16:00 – 20:00 Uhr
Nachsynodale Tagung zur Amazonien-Synode als Impuls für unsere Mission
Synodenteilnehmer erzählen: Dom Roque Paloschi, Erzbischof von Porto Velho
(Brasilien) und Prof. Dr. Dr.hc Paulo Suess (Brasilien)
Do, 31.10.2019
Missionswissenschaftliche Reflexion:
Die Amazoniensynode und unser Missionsverständnis
Übersetzung in die (Arbeits)Praxis: Die Amazonien-Synode in unserer (welt)kirchlichen
Arbeit
Referent/innen: Dr. Judith Gruber, Leuven (B), Dr. Sebastian Pittl, Tübingen (D)
Ort: St. Virgil, Salzburg
Mehr Infos und Anmeldung: www.koo.at
Mi, 30. Oktober 2019, 17:00 – 20:00 Uhr
Food Security and Food Sovereignty: Antagonistic or Complementary Concepts?
Workshop für AAI-Stipendiat*innen und Interessierte
Referent: Markus Meister (Welthaus Graz), Experte für Ernährungssouveränität
Ort: Studierraum (2. Stock) des Afro-Asiatischen Instituts, Wiener Philharmonikergasse
2, 5020 Salzburg
Anmeldung erbeten: 0662/841413-12, office@aai-salzburg.at
Do, 31. Oktober 2019, 17:15-18:45 Uhr
ZERO HUNGER: Spannungsfeld Ernährungssicherheit und Ernährungssouverä-
nität
Vortrag zu Ernährungssouveränität
Referent*: Markus Meister (Welthaus Graz), Experte für Ernährungssouveränität
Ort: Hörsaal E.002 U1. (HS Agnes Muthspiel) im Erdgeschoss des UniParks, Erzabt-
Klotz-Straße 1, 5020 Salzburg
mehr Infos: www.aai-salzburg.at
Mi, 20. November 2019, um 19:00 Uhr:
Lebensgespräch mit Dr. Helmuth Hartmeyer, Wien, hat über Jahrzehnte in unter-
schiedlichen Funktionen das entwicklungspolitische Feld in Österreich mitgeprägt (ÖIE-
Südwind, AGEZ, KommEnt, ADA, u.v.a.).
Ort: KommEnt, Elisabethstr. 2, 5. Stock, 5020 Salzburg
mehr Infos und Anmeldung: office@komment.at / Tel:0662/840953-0
MaZ-Infoseminare/ Steyler Freiwilligendienst "MissionarIn auf Zeit".
Fr., 17.1.2020, 18:00 Uhr bis So, 19.1.2020, 13:00 Uhr
Ort: Wien, SSpS Gemeinschaft, Alser Straße 19, 2. Stock
Fr., 7.2.2020, 18:00 Uhr bis So., 9.2.2020, 13:00 Uhr
Ort: Innsbruck, SSpS Gemeinschaft, Dreiheiligenstraße 10, 2. Stock
Fr., 13.3.2020, 18:00 Uhr bis So., 15.3.2020, 13:00 Uhr
Ort: Pfarre Bad Schallerbach, Linzer Str. 15, 4701 Bad Schallerbach
für alle 3 Termine gilt:
Begleitung: Team der MaZ-Verantwortlichen und RückkehrerInnen
Beitrag: € 45,-
Infos und Anmeldung: Sr. Christina SSpS: maz@ssps.at
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Infos:
Bischof Kräutler: „Bolsonaro hat keine Ahnung vom Amazonas“
Der frühere Amazonas-Bischof Erwin Kräutler (80) gehört zu den bekanntesten Stimmen der Regenwald-
region. Derzeit bereitet er die vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan anberaumte Amazonas-Synode mit vor.
Im Interview spricht der gebürtige Österreicher, der von 1981 bis 2015 die flächenmäßig größte brasiliani-
sche Diözese Xingu leitete, über die aktuelle Lage rund um die Waldbrände in Amazonien und gibt einen
Ausblick auf die Synode.
Frage: Herr Bischof, derzeit ist Amazonien wegen der Brände und der Abholzung in den Medien.
Schadet der Medien-Hype der Synode?
Kräutler: Wie sollte das schaden? Wir Bischöfe Amazoniens haben uns bereits 1990 in Belém versam-
melt und als erste kirchliche Instanz weltweit auf die fortschreitende Zerstörung hingewiesen. Die Lage hat
sich nun dermaßen verschärft, dass die ganze Welt aufschreit und Angst bekommt. Denn die klimaregulie-
rende Funktion Amazoniens für den ganzen Planeten ist wissenschaftlich erwiesen und unumstritten. Prä-
sident Jair Bolsonaro hat von Amazonien keine Ahnung und hat sich schon im Wahlkampf als Feind der
indigenen Völker geoutet. Er versprach, Amazonien weiter für nationale und internationale Unternehmen
zu „erschließen“. Es ist Verpflichtung der Kirche, ihren Beitrag zur Verteidigung und Bewahrung Amazoni-
ens zu leisten. Die Bischöfe Amazoniens kennen dieses Gebiet entschieden besser als Politiker. Sie müs-
sen der jetzigen Regierung deren Verantwortung aufzeigen, im Namen unseres Glaubens an einen Gott,
der dieses wunderbare „gemeinsame Haus“ unserer Sorge und Pflege überantwortet hat.
mehr Infos: https://weltkirche.katholisch.de/ (30.08.2019)
Die neuen Kardinäle: Überrascht und bereit zum Dienst
Überraschung, Dienstbereitschaft, Dankbarkeit: diese Reaktionen sprechen aus den Worten der zukünfti-
gen Kardinäle, deren Kreierung Papst Franziskus am Sonntag angekündigt hat. Am 5. Oktober erhält die
Weltkirche 13 neue Kardinäle.
Erzbischof Fridolin Ambongo Besungu
Im Kongo schließlich erreichten wir den ebenfalls von seiner Ernennung überraschten Fridolin Ambongo
Besungu, Erzbischof der Hauptstadtdiözese Kinshasa und mit 59 Jahren einer der jüngeren neuen Kardi-
näle. Es ist eine Anerkennung des Heiligen Vaters dafür, dass wir versucht haben, unserem leidenden
Volk eine Stimme zu geben“, sagte der Kapuziner.
Ambongos Vorgänger im Erzbistum Kinshasa war Kardinal Laurent Monsengwo. Franziskus hatte den
Amtsverzicht des Erzbischofs vergangenen November angenommen, als Monsengwo bereits 79 Jahre alt
war. Ambongo erzählt nun von der großen Freude des Volkes wegen seiner bevorstehenden Erhebung in
den Kardinalstand. „Das Volk hat immer gefragt: Wann gibt uns denn der Papst einen neuen Kardinal? Ich
glaube, jetzt ist man glücklich, einen neuen Kardinal zu bekommen. Und meiner Meinung nach ist es auch
eine Ermutigung vom Heiligen Vater für den Kampf um ein würdigeres Leben, den dieses Volk führt.“
Die Demokratische Republik Kongo hat erst vor wenigen Tagen eine neue Regierung erhalten. Besungu
war als Vizevorsitzender der kongolesischen Bischofskonferenz maßgeblich an dem Silvesterabkommen
2016 beteiligt, mit dem dem arg stockenden demokratischen Wandel im Land der Weg bereitet werden
sollte. Auf dem gut 60-köpfigen Kabinett ruhen viele Hoffnungen der Menschen im Kongo wie auch auslän-
discher Regierungen.
mehr Infos: https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2019-09/neue-kardinaele-konsistorium-ayuso-
czerny-zuppi-ambongo.html (vatican news – gs) / 02.09.2019
Die JUGENDAKTION im Monat der Weltmission
Die Jugendaktion ist eine missionarische Initiative: Wir motivieren Jugendliche in Österreich, sich für Ju-
gendliche in den Ländern des globalen Südens zu engagieren. Gleichzeitig setzen wir damit auf der Basis
unseres christlichen Glaubens ein Zeichen für fairen Handel und soziale Verantwortung.
7.000 Kinder und Jugendliche und 15.000 weitere Freiwillige setzen jährlich ein offensives Zeichen für fai-
ren Handel, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne. Wir wollen uns gemeinsam unse-
rer christlichen Mission bewusstwerden.
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Mail: markus.rosskopf@seelsorge.kirchen.net; Tel.: 0662/8047-7605 - http://www.kirchen.net/weltkirche/
Auch heuer gibt es die beliebten Fairtrade- Schokopralinen und -Bio-Fruchtgummis zum Kauf und Verkauf.
Der Reinerlös der Jugendaktion fließt in Kinder- und Jugendprojekte von Missio Österreich in Afrika, Asien
und Lateinamerika, gleichzeitig in ein entwicklungspolitisches Bildungsprojekt der Katholischen Jugend
Österreich.
Die Jugendaktion ist eine gemeinsame Aktion von Missio Österreich, Missio Service GmbH und der Katho-
lischen Jugend Österreich im Außerordentlichen Monat der Weltmission Oktober 2019.
Bestellung der Pralinen und Fruchtgummis ab September bei Missio Salzburg oder direkt über die Missio-
Homepage https://www.missio.at/jugendaktion/ Missio - Päpstliche Missionswerke / Diözesandirektion
Salzburg / Kapitelplatz 6 / 5020 Salzburg
+43 (0) 662 8746 7710 / salzburg@missio.at
Brände in der Chiquitania
aus dem ZEIT ONLINE mit Sheyla Martínez
ZEIT ONLINE: Frau Martínez, wie schlimm sind die Feuer im bolivianischen Amazonasgebiet im Moment?
Sheyla Martínez: Das hängt davon ab, wohin man schaut. Die Brände haben im tropischen Trockenwald
des Chiquitano begonnen, auf dem Gebiet der Gemeinde San Ignacio de Velasco, und von dort breiteten
sie sich bis zur brasilianischen Grenze aus. Dort war der Ort Roboré besonders schlimm betroffen. In Ro-
boré ist das Feuer inzwischen unter Kontrolle wegen der scharbeiten, aber einfach auch, weil schon
so viel Vegetation verbrannt ist. In San Ignacio de Velasco und anderen Gemeinden aber brennt es immer
noch. Die Landschaft ist sehr trocken. Da reicht ein Windstoß aus, um die Flammen wieder anzufachen.
Mehr als eine Million Hektar Wald und Grasland sind bereits verbrannt.
ZEIT ONLINE: Grasland?
Martínez: Ja, denn die Viehzucht breitet sich in der Region aus, und die Weideflächen wachsen – zulasten
des Urwalds.
ZEIT ONLINE: Der Chiquitano-Wald liegt im Department Santa Cruz, aber das bolivianische Amazonasge-
biet ist deutlich größer. Wie ist die Situation anderswo?
Martínez: Die allermeisten Feuer, etwa 80 Prozent, brennen in Santa Cruz. Dort befindet sich das wirt-
schaftliche Zentrum Boliviens, also die Agrarindustrie, der Sojaanbau und die Rinderzucht. Wenn in Bolivi-
en die landwirtschaftlichen Flächen ausgeweitet werden sollen, wie es die Regierung plant, dann ge-
schieht das vor allem in Santa Cruz: Feuer werden gelegt, um zu roden, und dann geraten sie außer Kon-
trolle.
ZEIT ONLINE: Was sind die Folgen der Brände?
Martínez: Pflanzen und Tiere verbrennen, ursprüngliche Arten gehen verloren. Als ich wegen der Brände
San Ignacio de Velasco besuchte, war die Luft dort voller Asche. Man konnte kaum atmen. Santa Cruz de
la Sierra, die Hauptstadt des Departments, liegt zehn bis zwölf Stunden von San Ignacio de Velasco ent-
fernt. Sogar dort war die Luft wegen der Brände verschmutzt. Die Bewohnerinnen und Bewohner klagten
über Augenreizungen und Atemwegsschwierigkeiten. In der Region leben viele indigene Gemeinschaften
davon, was der Wald hergibt. Sie sammeln, verarbeiten und verkaufen seine Produkte. Sie haben ihre
Existenzgrundlage verloren. Wegen der Trockenheit haben viele Gemeinden außerdem kein Wasser, da-
runter leidet auch das Vieh. Mancherorts ist die Nahrungsmittelsicherheit der Menschen in Gefahr.
ZEIT ONLINE: Gibt es Hilfe?
Martínez: Die Regierung schickte eine Boeing 747 und Helikopter, um die Brände zu löschen. Am Boden
sind Soldaten, Feuerwehrleute und viele Freiwillige im Einsatz. Es gab Spendenaufrufe für die vom Feuer
betroffenen Gemeinden, und was gegeben wurde, deckt zumindest den Notbedarf für die erste Zeit. Aber
was danach kommt, ist nicht klar. Viele Menschen werden einige Wochen oder Monate überbrücken müs-
sen.
https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-09/bolivien-amazonas-waldbraende-evo-morales/komplettansicht?print
(03.09.2019)
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Bolivien | Bischöfe: "Unser gemeinsames Haus brennt"
Dieser Alarmruf kommt nicht von den Bischöfen in Brasilien, auf das sich wegen der riesigen Waldbrände
weithin das Augenmerk richtet, sondern von ihren Amtsbrüdern im benachbarten Bolivien. Dort hat die
Zerstörung des Regenwalds unter Präsident Morales in Relation noch bedrohlichere Ausmaße erreicht.
"Unser gemeinsames Haus brennt", haben die Bischöfe in Boliviens Amazonasregion ihre Erklärung über-
schrieben - eine Formulierung aus Papst Franziskus' Umwelt-Enzyklika "Laudato si'" vom Mai 2015. In ih-
rem Text prangern die Bischöfe die katastrophalen Brände sowie die Folgen der Umweltkatastrophe im
Regenwald ihres Landes an. Sie kritisieren auch das Vorgehen des linksgerichteten Staats- und Regie-
rungschef Evo Morales Ayma (59) und "die Logik der kapitalistischen Ausbeutung der Natur". Sie fordern
wirksame Gegenmaßnahmen und Solidarität, um der Katastrophe entgegenzuwirken.
Dekret 3973 erlaubt Abholzung
Der indigene Präsident Morales hat im Juli mit dem Dekret 3973 die Abholzung in zwei Amazonas-
Provinzen erlaubt. Damit ermöglichte er die Rodung weiter Waldflächen, um Platz zu schaffen für die Vieh-
zucht. Das Komitee zur Verteidigung des Amazonas ist entsetzt: "Ein erpresserisches Dekret, das nur wirt-
schaftlichen Interessen dient und außer Acht lässt, dass die Natur angemessen und mit Zuneigung und
nicht nur marktwirtschaftlich behandelt werden muss." Auch das Amazonas-Netzwerk RAISG schlägt
Alarm: Zwischen 2005 und 2018 seien im Amazonas-Gebiet bereits mehrere Millionen Hektar Waldfläche
verloren gegangen. Die jüngste Feuersbrunst wurde wahrscheinlich durch Brandstifter ausgelöst. Laut Ta-
geszeitung "El Deber" sollen allein in jüngster Zeit 500.000 Hektar Wald verbrannt sein; so viel wie zuvor
im ganzen Jahr. Zuletzt hatte Morales noch Verständnis für die verbreiteten Brandrodungen geäußert und
musste dafür viel Kritik einstecken.
"Eine Million Hektar unseres Amazonaswaldes brennen", schreiben die Bischöfe in ihrer Erklärung. "Wir
wissen, dass diese Katastrophe das Ergebnis menschlichen Handelns ist, und deshalb müssen wir unsere
prophetische Mission ausüben, Ursachen suchen und diese anprangern. Wir betrachten das Dekret Nr.
3973 der Regierung, das 'kontrollierte' Landrodung erlaubt, als unverantwortlich, da keine Bestimmungen
zu den Bedingungen der Umsetzung existieren", heißt es in dem Warnruf, den der Vorsitzende der Bolivia-
nischen Bischofskonferenz (CEB), Bischof Ricardo Centellas Guzman (Potosi), gemeinsam mit dem CEB-
Generalsekretär, Weihbischof Bischof Aurelio Pesoa Ribera OFM (La Paz), dem Koordinator des panama-
zonischen Kirchennetzwerks, Bischof Eugenio Coter (Pando), sowie Bischof Robert Flock Bever (San
Ignacio de Velasco) und Herland Dominguez vom Ausschuss zum Schutz des Rio Madeira Willy Llanque
Ende August in Cochabamba vorstellte.
mehr Infos: https://blickpunkt-lateinamerika.de/ (5.9.2019)
Tipp:
Erwin Kräutler
Erneuerung jetzt
Impulse zur Kirchenreform aus Amazonien. In Zusammenarbeit mit Josef Bruckmoser
Das Buch zur Amazoniensynode im Vatikan
€ 19,95
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