Zukunft und Weltkirche in den Pfarren

"Zukunft goes Pfarre"  – Erzbischof Franz Lackner feierte in Golling mit zwei Bischöfen aus dem Kongo den Erntedankgottesdienst

SALZBURG (eds-23.9.2018) / Am Sonntag ist das Zukunftsfest der Erzdiözese in den Pfarren angekommen – Gottesdienste wurden unter dem Motto „Zukunft der Kirche“ gefeiert. Besonders groß war die Freude in Golling, Strobl und Wörgl. Hier feierten die Bischöfe aus Salzburgs Partnerdiözesen Bokungu-Ikela (Demokratische Republik Kongo), San Ignacio de Velasco (Bolivien) und Daegu (Südkorea) mit den Pfarren – begleitet wurden die Delegationen von Erzbischof Franz Lackner, Weihbischof Hansjörg Hofer und Bischofsvikar Martin Walchhofer.  

Drei Bischöfe zu Erntedank in Golling

Erzbischof Franz Lackner feierte am Sonntagvormittag gemeinsam mit zwei afrikanischen Bischöfen den Erntedankgottesdienst in Golling. Der Erzbischof von Kinshasa, Fridolin Ambongo Besungu, und Bischof Emery Kibal Mansong’loo apostolische Administrator von Bokungu Ikela, waren mit einer Delegation anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der weltkirchlichen Diözesanpartnerschaft  mit der Erzdiözese Salzburg aus der Demokratischen Republik Kongo angereist.

Erzbischof Ambongo, bis vor kurzem Bischof in Salzburgs Partnerdiözese Bokungu-Ikela, ist bereits zum zweiten Mal in der Gollinger Pfarrkirche zu Gast. In seiner Predigt berichtet er über die prekäre Situation im Kongo. Vom Rohstoffreichtum des Landes profitierten nur Einzelne, „das Volk aber leidet unter Armut und lebt im Elend“, erzählt Ambongo. Frustration, Kriege und Ausbeutung seien die Folge. Grund für die bedrückende Lage sieht der Erzbischof im um sich greifenden Egoismus. Vielen Kongolesen bleibt nur die Flucht in den Westen. „Mauern zu bauen kann dafür nicht die Antwort sein“, gibt der Erzbischof zu bedenken und betont: „Die Gerechtigkeit Gottes sieht vor, dass alle von der Güte Gottes profitieren.“  Eindringlich warnt er davor, sich vor dem Leid anderer zu verschließen: „Gott soll unser Herz berühren, damit wir sensibel bleiben für die Armen dieser Welt und teilen können.“ Die Kirche im Kongo habe es sich zur Aufgabe gemacht, sich für eine gerechtere Verteilung im Land einzusetzen, so Ambongo.

Im Anschluss an den Gottesdienst folgte ein festlicher Umzug mit der Trachtenmusikkapelle Golling, den Gollinger Schützen und zahlreichen Gruppen und  Vereinen mit anschließendem Gassenfest.

Bolivien trifft auf Strobl – Erfahrungen teilen

„Immer wenn wir Gottesdienst feiern, uns um den Altar versammeln, wissen wir uns mit allen Pfarren und Teilkirchen verbunden“, so Weihbischof Hansjörg Hofer in seiner Begrüßung in Strobl, wo er gemeinsam mit dem Bischof der Partnerdiözese San Ignacio de Velasco in Bolivien, Robert Flock, Pater José Soliz, Pater Andreas Holl sowie dem Altdechanten Franz Weikinger die Festmesse feierte. Durch die Anwesenheit des Bischofs aus Bolivien sei die Verbundenheit besonders lebendig, zeigte sich Hofer erfreut. „Was uns Christen vereint, ist der eine Glaube. Wer uns verbindet ist Jesus, der Herr.“

„In diesen Tagen teilen wir unsere Erfahrung der Partnerschaft zwischen so unterschiedlichen Ortskirchen wie in Österreich, in Bolivien, in Korea und im Kongo. Wir sprechen über die reiche Geschichte unserer Kirchen und auch über die Herausforderungen, vor denen wir heute stehen“, sagte Bischof Robert Flock in seiner Predigt. Die Gesprächsthemen reichten von Wirtschaft, Politik, Skandalen in der Kirche, Technik, Klimawandel, und pastoralen Plänen, führte Flock aus. Doch es brauche Jesu Hilfe, um das Wichtigste zu erkennen, so der gebürtige US-Amerikaner: „Möglicherweise möchte Jesus sich mit uns hinsetzen und uns wieder an die Wichtigkeit von Kindern, Jugendlichen, Familien und Armen erinnern, denn wenn wir ihnen heute nicht die Begegnung mit Jesus ermöglichen, wird es morgen keine Jünger in unseren Kirchen geben, die ihn beim Brotbrechen erkennen können.“

Unter Applaus begrüßten die Strobler die südamerikanische Delegation in der Kirche, sie war bis zum letzten Platz gefüllt. Gudrun Ebner von der Eine Welt Gruppe Strobl stellte deren Arbeit und die Strobler Missionare vor. „Bald 30 Jahre werkeln wir zusammen". Sie ist von Beginn an dabei, heute engagieren sich über 20 Personen in der Gruppe. „Bildung zu ermöglichen ist die beste Entwicklungshilfe“ ist Ebner überzeugt.

Eine Kirche mit einer gemeinsamen Quelle – Wörgl begrüßt Daegu

In Wörgl begrüßten Pfarrer Dechant Theo Mairhofer und der Obmann des Pfarrgemeinderates, Heinz Werlberger, den Salzburger Bischofsvikar für die Weltkirche, Prälat Martin Walchhofer, und die Delegation aus Südkorea mit Weihbischof John Bosco Chang Shin-Ho an der Spitze. „Dieser Besuch ist eine große Ehre für uns und ein Zeichen dafür, dass wir Christinnen und Christen über Grenzen und Kulturen hinweg verbunden sind. Wir sind eine Kirche mit einer gemeinsamen Quelle“, so Werlberger.

Die Predigt hörten die Wörglerinnen und Wörgler an diesem Sonntag auf Koreanisch – mit anschließender Übersetzung ins Deutsche. Der Weihbischof der Erzdiözese Daegu, John Bosco Chang Shin-Ho, forderte die Gläubigen auf, die Gebote der Gottesliebe und der Nächstenliebe in die Tat umzusetzen. „Reichen wir den Hungrigen, den Durstigen, den Fremden und den Kranken unsere Hand; nehmen wir sie so an wie Jesus die Bedürftigen angenommen hat.“

Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes in der Pfarrkirche hatte der Wörgler Chor Sonamus unter der Leitung von Gerhard Baumgartinger übernommen. Im Anschluss an die Festmesse gab es im Tagungshaus bei der Agape noch Gelegenheit zum Austausch. Besonders interessiert waren die Gäste aus Südkorea am Thema Bildung. Universitätsprofessorin Udalrika Ok-Bun Lee:  „Wir möchten die Erwachsenenbildung in Daegu ausbauen. Mit dem Bildungszentrum St. Virgil, dem Tagungshaus Wörgl oder dem Katholischen Bildungswerk ist Salzburg ein Vorbild für uns.“

50 Jahre offene Fenster in die Weltkirche

Seit 50 Jahren pflegt die Erzdiözese Salzburg Partnerschaften mit drei Diözesen auf drei Kontinenten: Daegu (Südkorea), San Ignacio de Velasco (Bolivien) und Bokungu-Ikela (Demokratische Republik Kongo). Die Initialzündung dazu erfolgte bei der Diözesansynode 1968, bei der auf ortskirchlicher Ebene die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils umgesetzt werden sollten. Ziel war es den frischen Wind für die Ortskirche von Salzburg konkret und fruchtbar zu machen. In Salzburg fand damals die erste Diözesansynode im deutschsprachigen Raum nach dem Konzil statt. Seither gab es vielfältige Anknüpfungspunkte – in den vergangenen Jahren vor allem Jugendbegegnungen zwischen Salzburg und Daegu, Brückenschläge in den Bereichen Musik und Schule oder Priester aus Südkorea und der Demokratischen Republik Kongo, die in Salzburg studieren.

Blick auf die Weltkirche beim Zukunftsfest

Unter dem Titel „Zukunftsprozess 2018“ stellte sich die Erzdiözese Salzburg in den vergangenen zwei Jahren der Herausforderung einer Standortbestimmung und Neuorientierung. Gefeiert wird außerdem das 1300-Jahr-Jubiläum der heiligen Rupert und Erentrudis. Bewusst ist der Blick in diesen Tagen auch auf die Weltkirche und die seit 50 Jahre bestehenden Diözesanpartnerschaften mit Daegu, San Ignacio de Velasco und Bokungu-Ikela gerichtet. „Die Christen und Christinnen von dort haben uns etwas zu sagen, auf sie sollen wir hören lernen“, so Erzbischof Lackner.

Zukunftsfest – Festgottesdienst zu 1300 Jahre Rupert und Erentrudis

Am Montag, 24. September, Festgottesdienst zu 1.300 Jahre Rupert und Erentrudis in Salzburg. 8.45 Uhr Prozession mit den Reliquien der hl. Erentrudis vom Nonnberg nach St. Peter; 9.30 Uhr Statio in der Stiftskirche St. Peter; anschließend Prozession in den Dom; ca. 10.00 Uhr Festgottesdienst mit Erzbischof Franz Lackner und Partnerbischöfen im Dom.

Foto: Erzbischof Franz Lackner mit dem Erzbischof von Kinshasa, Fridolin Ambongo Besungu, Bischof Emery Kibal Mansong’loo beim Festumzug in Golling.

 

 

Fotos: Erzdiözese Salzburg