Evangelienkommentar 15. Sonntag im Jahreskreis (Mt 13, 1–9)

(rb–12.7.2020) Der Kommentar zum heutigen Evangelium kommt von Br. Benedikt Maria Hödlmoser, Seelsorger und Gästebruder im Europakloster Gut Aich.

Durch das Hören wurde ich sehend

Jesus lehrt in Gleichnissen. Ort seiner Verkündigung ist der See von Galiläa. Die Szene vermittelt eine tief gehende Bedeutung: Wo sich das Wasser sammelt, dort sammelt sich eine große Menschenmenge um ihn, der die Quelle des Lebens und des Heils ist. Der Glaube an den Sohn Gottes und das Vertrauen zu ihm wachsen mit dem aufmerksamen Hören.

Die Frucht des Hörens ist das neue Leben in Gott.

Es heißt, dass er lange zu den Menschen in Gleichnissen sprach. Eines davon wird an diesem Sonntag verkündet: Das Gleichnis vom Sämann. Der Abschnitt aus dem Matthäusevangelium ist in vier Teile untergliedert: Angabe des Ortes der Verkündigung – Das Gleichnis vom Sämann – Frage und Antwort über den Sinn der Gleichnisrede – Deutung des Gleichnisses. Sowohl das Hören als auch das Sehen sind der rote Faden, der alle Teile miteinander verbindet.

Nicht selten erzählen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen durch Schicksalsschläge, Verlust oder Misserfolg die Orientierung in ihrem Leben verloren haben, dass ihnen durch ein aufmerksames und intensives Hören wieder eine Sinn-Richtung eröffnet wurde, die zu einer neuen Lebendigkeit und Freude führte. Durch das bewusste Hören auf die innere Stimme wurde ihnen ein neuer Blick auf ihr Leben – das vergangene, gegenwärtige und zukünftige – geschenkt. Sie wurden sehend; sehend nicht unbedingt im physischen Sinn, sondern sehend im Herzen, als eine Art inneres Verstehen und die damit verbundene Erfahrung, dass es trotz der „Missernten“ im Laufe des Lebens auch Früchte zu ernten gibt, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.

Das erste Wort, das sich der heilige Benedikt für seine Ordensregel gewählt hat, lautet Obsculta – Höre. „Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens“ (Prolog 1). Mit dem Hören beginnt der Glaube. Im Glauben beginnst du mit anderen Augen zu sehen, die Schöpfung, die Tier- und Pflanzenwelt, dein Leben und alles Leben in der Welt. In diesem glaubenden Sehen wirst du dankbar.

Dieser Text ist im Rupertusblatt (Nr. 28/2020) erschienen. >>> Hier können Sie unsere Wochenzeitung abonnieren.

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