Evangelienkommentar Sechster Sonntag der Osterzeit (Joh 14, 15–21)

(rb–17.5.2020) Der Kommentar zum heutigen Evangelium kommt von Otmar Stefan, Kirche Direkt – Ombudsstelle und Katholikenanwaltschaft der Erzdiözese Salzburg.

Als Zeugen des Glaubens leben

Das ganze Johannesevangelium ist von einem Grundgedanken durchdrungen: Gott ist die Liebe! Deshalb verwundert es nicht, wenn Jesus diese Liebe Gottes ganz bewusst anspricht, um seinen Jüngern deutlich zu machen, dass diese Liebesbeziehung zwischen Gott und den Menschen und die Antwort des Menschen auf diese Liebe Gottes letztlich der Schlüssel für das ewige Heil des Menschen ist: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Und das wichtigste Gebot ist nach den Worten Jesu die Gottes- und Nächstenliebe.

Wer aus dieser Grundhaltung lebt, dem verheißt Jesus einen Beistand, der für immer bei uns bleiben wird: Der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann.Otmar Stefan, Kirche Direkt – Ombudsstelle und Katholikenanwaltschaft der Erzdiözese Salzburg

Die Welt, also jene Welt, die sich für die Gottesferne entschieden hat und ihn deshalb auch nicht kennt, ihn auch nicht lieben kann. Wer aus der Wahrheit, die Jesus Christus ist, lebt, von ihr erfüllt ist, wird diesen Geist in sich tragen, ja, er wird Wohnung in unserem Herzen, unserer Seele nehmen. Diese Verheißung war für die Jünger existenziell und sie ist es auch für uns; denn eines haben wir mit den Jüngern Jesu nach dessen Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt gemeinsam, er ist nicht mehr sichtbar unter uns und trotzdem auf eine ganz neue Weise gegenwärtig.

Diese neue Gegenwart Jesu erfahren Menschen nun seit zweitausend Jahren, sie ist der wahre Grund dafür, warum gläubige Christen bereit sind, für Jesus zu leiden, wenn es sein muss, auch für ihn zu sterben; weil sie durchdrungen sind von der Liebe Gottes und von der Kraft jenes Beistands, den wir zu Pfingsten als Heiligen Geist feiern und bekennen. Er möge unser Denken und Tun inspirieren und uns befähigen, als Zeugen des Glaubens zu leben. Vielleicht ist dieses Zeugnis gerade jetzt von besonderer Bedeutung, wenn viele Menschen spüren, dass der bisherige Weg weltweit ökonomisch, aber auch ökologisch in eine Sackgasse führte und sich deshalb die Frage nach dem tieferen Sinn des Lebens ganz neu stellt.

Denn eines darf, ja, muss ich bekennen, ohne diese reale, ganz konkrete Erfahrung der Gegenwart Jesu in meinem Leben würde ich heute diese Zeilen nicht schreiben, wäre ich wohl auch nie vor bald 39 Jahren in den Dienst der Kirche getreten.


Dieser Text ist im Rupertusblatt (Nr. 21/2020) erschienen.
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