Evangelienkommentar Zwölfter Sonntag im Jahreskreis (Mt 10, 26–33)

(rb–21.6.2020) Der Kommentar zum heutigen Evangelium kommt von Elisabeth Katzdobler, Pastoralassistentin in Bildungskarenz.

Es ist damit zu rechnen

„Bashing“ nennt sich das neuerdings, wenn ein Mensch mit blankem Hass überflutet wird. In diesen Tagen treffen solche – zumeist anonymisierte – Hassfluten bevorzugt auf unsere politische Amtsträger, die im Zwei-Wochen-Takt möglichst gesundheitsverträgliche Entscheidungen für die Allgemeinheit treffen müssen.

Im Evangelium bereitet Jesus seine Jünger genau auf solche Situationen in der Mission vor: Es ist damit zu rechnen, dass euch Andersdenkende oder Andersgläubige sprichwörtlich auf den Leib rücken; euch mit einem Knie oder sonstwie zum Ersticken bringen; es ist damit zu rechnen, dass man euch ans Kreuz nagelt …

Jesus vertraut ganz auf die Glaubensstärke der Jünger und gibt ihnen dieses Mut-Wort mit auf den Weg: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können.“ (Mt 10, 28)

Vor ca. 1700 Jahren suchte der Kirchenlehrer Augustinus innerkirchlich die Einführung der Kindertaufe durchzusetzen, herausgekommen ist die Lehre von der Erbsünde. Augustinus bezieht sich auf die Stelle im Römerbrief 5, 12–15, die an diesem Sonntag gelesen wird. Es mag dem damaligen Wissensstand des Augustinus und/oder auch seinem mönchisch-asketischen Blick auf das andere Geschlecht geschuldet sein, dass er diese Paulusworte mit der Logik einer biologischen Schuld-Übertragungskette, ausgelöst durch den menschlichen Geschlechtsakt, zu verknüpfen sucht.

Aber diese Logik hält letztlich kaum stand, weil Paulus an dieser Stelle Heilsgeschichte vermitteln will, und nicht Schuldgeschichte: Der Mensch ist vor Gott durch seinen Glauben gerechtfertigt, von Gott her wird weder Schuld aufgerechnet, noch nachgetragen, auch nicht weitergegeben. Die augustinische Lehre von der Erbsünde hat sich in das Denken der Kirche über Jahrhunderte eingeprägt, von daher lässt es sich auch nicht einfach so ersetzen, schreibt Karl Rahner sinngemäß in „Grundkurs des Glaubens“ (1976). Doch, so Rahner weiter, heutige Predigerinnen und Prediger sollten zumindest im Gebrauch dieses Wortes zurückhaltend sein, vor allem aber sich „viel Theologie“ dazu erarbeiten.

Dieser Text ist im Rupertusblatt (Nr. 25/2020) erschienen. >>> Hier können Sie unsere Wochenzeitung abonnieren.

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