Pfarrkirche St. Nikolaus, Voldöpp

Unsere Kirche

Pfarrkirche St. Nikolaus in Kramsach – Voldöpp
Erzdiözese Salzburg – Bezirk Kufstein, Tirol
Dekanat Reith i. A.
Patrozinium: Hl. Nikolaus (Fest am 6. Dezember)

 

1. Ortsgeschichte

2. Geschichte der Pfarre

3. Baugeschichte

4. Einrichtung/Ausstattung der Kirche

 

I) Ortsgeschichte

Der älteste Ortsteil Kramsachs ist der Weiler Voldöpp, dessen Name auf einen vorrömischen Ursprung hindeutet „Vulteppe“ (Name für den Fluss – Valepp). Unter romanischer Zeit wurde der Ortsteil Moosen als Siedlung errichtet.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Voldöpp im Jahre 1080, jedoch befand sich ein Gotteshaus wahrscheinlich schon seit dem 8. Jahrhundert in diesem Ortsteil, welches wahrscheinlich eine Eigenkirche eines bayrischen Adeligen war. Seit dem 13. Jahrhundert waren die Herrn von Freundsberg die wichtigsten Grundherren in diesem Gebiet, welche auch 1267 ein Dominikanerinnen Kloster gründeten. 

Ab dem 15. Jahrhundert begann der wirtschaftliche Aufstieg der Region: am Pletzachkogel wurde ab dieser Zeit in vielen Steinmetzwerkstätten roter Kramsacher Marmor gebrochen. Ein wichtiger Wirtschaftszweig war die Fischerei, welche vor allem an den Reintaler Seen ausgeübt wurde. 

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde eine Kupferhütte im Bereich des heutigen Ortszentrums durch die Fugger errichtet, welche 1647 durch eine Messinghütte erweitert wurde. Dazu kam ab 1627 eine Glashütte, welche bis 1934 hochwertige Produkte herstellte und seit dieser Zeit als Glasfachschule besteht. 
Bedingt wurde diese industrielle Ansiedelung vor allem durch die Brandenberger Ache, über welche Brennholz, welches für den Betrieb der Öfen gebraucht wurde, gedriftet wurde. So wurde in diesem Gebiet auch ein Holzrechen errichtet. Daneben ging 1685 noch eine Pulvermühle zur Herstellung von Schießpulver in Betrieb, welche 1949 zur „Österreichischen Jagdpatronenfabrik" wurde. 

1811 wurden die beiden bisher bestehenden Hauptmannschaften Voldöpp und Mariathal zur Gemeinde Kramsach zusammengeschlossen.

Seit 1974 befindet sich in Kramsach das Höfemuseum, welches alte Tiroler Bauernhöfe vor dem Verfall oder Abriss bewahrt und zur Besichtigung zur Verfügung stellt. Daneben gibt es in Kramsach auch einen Scheinfriedhof, in dem Grabkreuze mit außer-gewöhnlichen, zumeist humorvollen, Inschriften ausgestellt werden. 

Heute zählt die 26,5 km² große Gemeinde Kramsach ca. 4.500 Einwohner und ist dank ihrer Lage Teil einer beliebten Tourismusregion.

 

 

 

II) Kirchengeschichte

Dass das Gebiet des Ortsteiles Voldöpp schon sehr früh besiedelt war, beweisen Funde römischer Münzen (1. Jh. n. Chr.). Leider gibt es keinerlei Urkunden über die Entstehung, doch ist anzunehmen, dass es sich um eine „Eigenkirche“ gehandelt haben dürfte, die wahrscheinlich um die gleiche Zeit errichtet wurde wie die Kirche in Radfeld (Eigenkirche der ARIGONEN – 8. Jh.)

Über das genaue Alter der Pfarrkirche Voldöpp gibt es leider keinen urkundlichen Nachweis. Es wird vermutet, dass die Kirche, auch wenn sie nicht im Induculus Arnonis von 788 genannt ist, wohl schon früher erbaut worden sein dürfte. Das Gotteshaus steht auf einer Bodenschwelle zwischen besseren Kulturgründen im Westen und den Feldern östlich, die oft von Inn und Brandenberger Ache überschwemmt wurden.

Für die Überlegungen waren unter anderem ausschlaggebend: Die Errichtung der Burg Neudegg, die Tatsache, dass Voldöpp schon sehr früh mit dem Bestattungsrecht ausgestattet war, der Umstand, dass die Errichtung der Burg Neudegg, der Kirche in Kleinsöll auf Grund von Grabungsergebnissen in das 9./10. Jahrhundert einzureihen ist (Kleinsöll war ebenso wie Voldöpp eine Filialkirche von Breitenbach), und ein möglicher Wechsel des Kirchenpatrons. Der „Terminus ante quem“ war nämlich 1151. Da nun das Kirchpatrozinium jünger als die Kirche ist, muss diese früher zwangsläufig ein anderes Patrozinium gehabt haben, ehe sie dem Hl. Nikolaus geweiht wurde. 

Seit dem Jahre 1650 wird die Kirche bereits von einem ortsfesten Priester, der allerdings von der Mutterpfarre Breitenbach abhängig war, betreut. ab 1685 etwa bestand eine eigene „Kuratei“ (Kurat Eder); 1891 schließlich erlangte die Kirche ihre Selbständigkeit – der 1. Pfarrer war Josef Tragseil (aus dem Zillertal)

Wie das erste Gotteshaus in Voldöpp aussah, weiß man leider nicht. Vielleicht war es nur ein kleines bescheidenes Kirchlein aus Holz. Die im gotischen Baustil errichtete Kirche wurde wiederholt umgestaltet. Der kleinen, ursprünglich romanischen Kirche folgte im späten 14, Jh. eine gotische Erweiterung, um 1715 dürfte die Barockisierung durchgeführt worden sein.

 

Der schlanke hohe Kirchturm stand an der rechten vorderen Seite des Kirchenschiffes. Zu Beginn des 18. Jahrhundert wurden zahlreiche Dorfkirchen barockisiert, so auch in Voldöpp. Rund 100 Jahre später, um 1830, wurden unter Vikar Hofer umfangreiche Reparaturen am Kirchturm durchgeführt. Am 13. August 1835 ging über Kramsach ein schweres Gewitter nieder und ein Blitz schlug im Kirchturm ein. Man begann sofort mit den notwendigen Instandsetzungsarbeiten.

Im Laufe der Jahre stellte sich jedoch heraus, dass der so gewissenhaft instand gesetzte Turm nicht mehr zu retten war. Dazu kam, dass im Mai 1851 beim Läuten eine Glocke zerbrach. Im Sommer 1854 entschloss man sich zum Neubau des Turmes, der immer baufälliger wurde und sogar das Läuten nicht mehr „vertrug“. Der neue Kirchturm bekam ein völlig anderes Aussehen und einen anderen Standplatz. Er wurde von der ursprünglichen rechten Kirchenseite an das westliche Kirchenende verlegt. Ein herrliches spitzbogiges Portal aus Hagauer Marmor bildet im Turmfuß den Eingang zur Kirche.

 

 

III) Baugeschichte

Die erst 1891 zur Pfarre erhobene, früher zu Breitenbach gehörende Nikolauskirche von Voldöpp hat ein sehr altes, schon 1315 urkundlich überliefertes Begräbnisrecht, was auf eine frühmittelalterliche Eigenkirche schließend lässt. Für eine sehr alte Besiedelung spricht auch der vordeutsche Ortsname, einer der ganz wenigen im Unterinntal östlich des Ziller. Es lag daher nahe, die sich anlässlich der Innenrenovierung bietende Gelegenheit für archäologische Untersuchungen zu nutzen.

Im Jahr 1987 wurde im Presbyterium gegraben, 1989 folgte der Abschnitt westlich und östliche der Bänke und der Bereich der Gänge. Unter den Bänken konnte nicht gegraben werden. Die beiden aufgefundenen Fundamente von Kirchen, die vor dem heutigen Gotteshaus an die Stelle bestanden haben, sind aus Bachsteinen und Mörtel erstellt worden.

Das innere, kleinere Fundament dürfte noch von der ersten hier bestandenen Kirche aus der Zeit zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert stammen. Diese Kirche war allem Anschein nach im romanischen Stil erbaut. Das Fundament einer zweiten Kirche ist etwas weiträumiger und um das älteste Fundament herum angelegt, aber im Grundriss doch noch kleiner als es die Mauern des heutigen Gotteshauses sind. Man nimmt an, dass diese zweite Kirche im 14. Jahrhundert im frühgotischen Stil errichtet wurde. Dabei wäre es durchaus möglich, dass es sich bei der im Jahre 1315 erstmal urkundlich erwähnten Kirche zu Voldöpp um diese zweite Kirche gehandelt hat.

Die heute bestehende dritte Kirche zu Voldöpp wurde größer erbaut als es ihre beiden Vorgängerinnen waren. Sie könnte ursprünglich ähnlich der Rattenberger Pfarrkirche zweischiffig gewesen sein, denn man sieht heute noch, dass der linke Seitenaltar schmäler ist als der rechte, neben dem noch die Kanzel bequem Platz findet. An der Stelle des rechten Seitenaltars stand übrigens in früheren Jahrhunderten der schlanke Kirchturm. Nach einem Blitzschlag im Jahre 1835 musste er in der Folge abgetragen werden und ein neuer Kirchturm wurde im Jahre 1859 an der Westseite der Pfarrkirche errichtet.

Der heutige Kirchenbau ist im Kern spätgotisch ausgeführt. Der Chor stammt aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert. Um 1720 wurde die Kirche barockisiert. Ab dem Jahre 1650 war diese Voldöpper Kirche eine Expositur. Seit dem Jahre 1786 besaß sie den Status einer Lokalkaplanei, und erst im Jahre 1891 wurde sie in den Rang einer Pfarrkirche erhoben.

Das Gotteshaus wurde nach dem Krieg renoviert und mit einer Zentralheizung ausgestattet. Der Patron – der Hl. Nikolaus – wird jedes Jahr am 6. Dezember gefeiert.

 

 

IV) Das Innere der Pfarrkirche

Das Kircheninnere zeigt eine barocke Ausstattung, doch im Presbyterium, an den Fenstern und an der Decke sind die gotischen Elemente noch deutlich erkennbar (besonders an den beiden Säulen hinter dem Hochaltar).

Noch um 1900 waren die Kirchenwände komplett bemalt (im „Nazarener-Stil“, der damals noch in Mode war).

 

 

 

Der Hochaltar ist dem Kirchenpatron, dem Hl. Nikolaus gewidmet; links erkennt man eine Statue des Hl. Josef, rechts die Hl. Anna. Das gesamte Presbyterium ist leicht nach rechts abgewinkelt 
(religiöser Hintergrund – erinnert an den Tod Jesu am Kreuz). 


An den beiden Säulen, die das Presbyterium gegen den Kirchenraum abgrenzen, erkennt man Bildnisse der Heiligen Petrus und Paulus.

 

Der linke Seitenaltar ist der Gottesmutter geweiht.


Der rechte Seitenaltar zeigt eine Statue des Heiligen Johannes Nepomuk.

 

Sowohl der Kirchenpatron St. Nikolaus als auch der Hl. Johannes Nepomuk (rechter Seitenaltar) galten stets als „Wasserheilige“ - ein eindeutiger Hinweis darauf, dass es hier immer wieder Überschwemmungen gegeben hat.

An der Südwand befinden sich 2 Kunstwerke, „Mariae 7 Schmerzen“ , der „Hl. Franziskus“ und der "Hl. Rochus".

 

An der Nordwand befinden sich die „Kreuzigungsgruppe“, ein Werk des Brixlegger Künstlers Michael Anton Mayr aus der Zeit um 1750 und der „Hl. Florian“ (Schutzpatron gegen Feuersbrunst) sowie der "Hl. Borromäus".

 

Die Orgel wurde in den 80er Jahren erneuert;
die alte Orgel wurde nach Polen verkauft.

 

 

 

Erwähnenswert ist noch das schöne Taufbecken aus Hagauer Marmor (mit den Initialen J. P. 1855), der Volksaltar (Einweihung 1990) und der neue Ambo aus Hagauer Marmor (errichtet im Zuge der Innenrenovierung 2011/12). 


 
 

Abschließend sei noch auf den Spitznamen „Kranzara Saureiter“ hingewiesen, der auch mit unserer Kirche zu tun hat. Angeblich soll der Mesner eines Abends ein verdächtiges Geräusch vernommen haben, das aus der Kirche drang; als er Nachschau hielt, entdeckte er ein Schwein, das sich hierher verirrt hatte und auf der Flucht aus der Kirche den Mesner rittlings mitnahm. 

Die Schule zu Voldöpp

Neben der religiösen Betreuung der Bevölkerung gehörte auch die Führung einer Schule in den Aufgaben-Bereich der Pfarre. Bereits 1793 wird ein Joseph Kohlseisen aus Häring als Lehrer erwähnt. Der Unterricht erfolgte in einem Raum des Gasthauses „Voldöpperwirt“. Lange Jahre diente das alte „Messnerhaus“ als Schulhaus, bis 1926 der Neubau im Ortszentrum bezogen werden konnte.